Betrugsmasche bei WhatsApp Videotelefonie braucht keine Aktivierung

Betrüger nutzen die Aufmerksamkeit um eine neue WhatsApp-Funktion, um Schadsoftware in Umlauf zu bringen. Und auch wem kostenlose Flugtickets versprochen werden, der sollte vorsichtig sein.

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Nutzer des Messengers WhatsApp sollten dieser Tage achtsam sein - vor allem, wenn sie einen angeblichen Aktivierungslink für die neue Videotelefonie-Funktion zugeschickt bekommen. Dahinter kann sich nämlich eine Schadsoftware verbergen, die Betrüger derzeit verbreiten wollen. Das Anti-Fake-Portal "Mimikama" warnte schon vor wenigen Tagen vor den Phishing-Mitteilungen.

Bisher konnten die Nutzer bei WhatsApp lediglich per Text und Sprache chatten und telefonieren, seit knapp einer Woche lassen sich nun auch Videoanrufe tätigen. In einem Blogeintrag hatte der Kurzmitteilungsdienst vergangene Woche verkündet, die neue Funktion auf Android, iPhone und Windows Phone für die mehr als eine Milliarde Nutzer nach und nach freizuschalten. Mittlerweile dürfte die Videoanruf-Funktion auf den meisten Geräten aktiviert sein, ein Aktivierungslink brauchte man dafür nicht.

In diesem Fall läuft der Trick so: Zunächst wird eine private Nachricht an den Nutzer geschickt. Darin wird er dann aufgefordert auf den angeführten Link zu klicken und die Nachricht zugleich an fünf weitere Kontakte zu senden - nur so könne angeblich verifiziert werden, ob es sich um einen aktiven WhatsApp-Nutzer handle.

Beginn einer Kettenreaktion

Sollte der Nutzer dieser Forderung nachkommen, entsteht schnell eine Kettenreaktion. Besonders tückisch: Die Einladungen gehen von da an von Personen der eigenen Kontaktliste aus. Das heißt: Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand dem Absender der Nachricht vertraut, steigt.

Klickt man schließlich auf den Link, öffnet sich eine Warnmeldung mit dem Text: "Ihr Akku ist durch (4) Viren ernsthaft beschädigt worden!" (sic!) Der Absender ist angeblich Google und fordert dazu auf, eine kostenlose App namens "360 Security" herunterzuladen. Doch bei der angeblichen Software handelt es sich in Wirklichkeit um einen Virus, wie "Mimikama" berichtet.

Solche Phishing-Mitteilungen sind keine Seltenheit, vor allem nicht bei WhatsApp. Das schreibt der europäische Security-Software-Hersteller ESET, der einen Anstieg solcher betrügerischen Nachrichten verzeichnet haben will. Derzeit würden WhatsApp-Nutzer etwa vermehrt Nachrichten erhalten, die angeblich kostenlose Flugtickets der Fluggesellschaft Emirates versprechen.

Wie es aus Informationen von ESET hervorgeht, sollen die Nutzer auch hier die empfangene Mitteilung an mindestens zehn Kontakte weiterleiten, zudem soll an einer Umfrage teilgenommen werden. Die Falle dabei sei das Gewinnspiel, heißt es: Wer an der vermeintlichen Verlosung teilnehme, gewinne nicht etwa die versprochenen Flugtickets, sondern schließe automatisch ein Abonnement mit einem Drittanbieter ab.

acg



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insgesamt 4 Beiträge
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ollis.post 21.11.2016
1.
wer auf so etwas hereinfällt, oder gar irgendwelche links anklickt, hat es auch selber verdient. oder einfach brain.app einschalten. aber wie heisst es so schön: "jeden tag steht ein dummer auf"
joking_hazard 22.11.2016
2. Nirgendwo haben es Betrüger leichter als im Internet
Leichter ein Opfer zu finden, leichter es Abzuzocken und leichter unentdeckt und straffrei zu bleiben. Selbst wenn der Betrug nachverfolgt werden kann sitzen die Täter meist am anderen Ende der Welt, und können nicht bestraft werden. Und selbst gegen Betrüger aus EU-Staaten wird es schwer. Tatsache ist: In der schönen neuen digitalen Welt geht es zu wie im Wilden Westen. Gesetzlose, Megakonzerne, Terroristen und 'soziale' Netzwerke haben kaum Schranken. Es geht um Geld, Macht und Manipulation. Es gibt im Netz keine Gesetze, weil es für das Netz keine Gesetze gibt.
cosmose 22.11.2016
3.
Es wird dringend Zeit für ein Fach "Medienkompetenz" in der Schule. Schafft von mir aus Kunst und/oder Musik dafür ab. Wer malen/trällern will, kann das in freiwilligen AGs nach der eigentlichen Schulzeit tun. Kann doch nicht sein, dass Menschen so unfassbar dämlich sind, auf sowas reinzufallen...
sven2016 22.11.2016
4.
Es gibt schon Gesetze im Netz, nicht anders als im RL. WhatsApp kann man das (außer dem Fakt, als Datenschleuder zu dienen) nicht mal vorwerfen. Allgemein wird in Chat- und Game-Apps deutlich schneller schad-geklickt als bei normaler Anwendungs-Software. Das nutzen die bösen Jungs gerne aus. Gruß nach Osteuropa:)
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