Videostreaming-Dienste im Test Stiftung Warentest vergibt schlechte Noten

Das Angebot keines deutschen Videostreaming-Portals stellt seine Nutzer wirklich zufrieden. Das legt eine Stichprobe der Stiftung Warentest nahe. Die Tester hatten online nach 98 Serien und 100 Filmen wie "Breaking Bad" und "Matrix" gesucht.

Von

"Matrix"-Figuren: Im Videoabruf gibt es den Film fast überall
ddp images

"Matrix"-Figuren: Im Videoabruf gibt es den Film fast überall


Wenig Zeit? Am Textende gibt's eine Zusammenfassung.


Die eigene Lieblingsserie, die gibt es gefühlt immer nur bei den anderen. Ein Versuch der Stiftung Warentest bestätigt diesen Eindruck vieler Video-on-Demand-Kunden nun: Keins von insgesamt elf Videostreaming-Angeboten bekam dabei eine bessere Note als befriedigend (test 3/15).

Die Tester haben eine Auswahl von 100 Filmen und 98 Serien bei den größten Portalen gesucht - und längst nicht immer gefunden. Die Auswahl stammte aus den Top 250 der Filmdatenbank IMDb, den Top 100 von Moviepilot sowie aktuell nachgefragten Titeln nach Daten der GfK.

Die Tester unterschieden zwischen Einzelabruf-Angeboten wie iTunes und reinen Video-Flatrates wie Netflix und Watchever. Zwar schnitt der Einzelabruf insgesamt besser ab, es macht aber einen Unterschied, ob man sich eher für Serien oder Filme interessiert. Lob gab es bei allen Anbietern für die Bild- und Tonqualität, mit einem Bewertungsanteil von 25 Prozent zog dies die Gesamtnoten deutlich nach oben.

Die Tester merken aber auch an: Wer alles will, wandert heute oft ins Ausland ab. Rechtlich sei das allerdings eine Grauzone. Eine Umfrage unter SPIEGEL-ONLINE-Lesern kam 2014 zum Ergebnis, dass fast 60 Prozent der Teilnehmer ihre Fernseh-Unterhaltung mittlerweile im Netz suchen.

Serienjunkies sollten Auswahl prüfen

Ein Abo-Angebot lohnt sich der Stiftung Warentest zufolge vor allem für Serienfans. Wer kein Abo hat, der müsse die Episoden sonst in der Regel kaufen - das sei deutlich teurer. Lediglich Maxdome hatte immerhin neun der gesuchten Serien als zeitlich begrenztes Leih-Angebot.

Die größte Serienauswahl gibt es bei iTunes: 60 der 98 gesuchten Serien kann man hier kaufen, ausleihen ist nicht möglich. Bei den getesteten Abo-Angeboten fanden sich jeweils zwischen 19 und 25 der gesuchten Serien. Lediglich Snap by Sky steht hintenan, hier waren nur elf der Serien verfügbar.

"Meist waren vollständige Staffeln zu finden", berichtete Projektleiter Gunnar Schwan SPIEGEL ONLINE. Oft gebe es auch die gesamte Serie, soweit in Deutschland veröffentlicht. In Ausnahmefällen fehlte aber auch mal mittendrin eine Staffel.

Bei Filmen lohnt sich der Einzelabruf

Filmfans werden beim Einzelabruf wohl glücklicher als bei den Abo-Angeboten. Die größte Auswahl hat erneut iTunes mit 71 von 100 Filmen zum Leihen, 75 zum Kauf. Bei Xbox und Videociety gab es nur jeweils 32.

Der Einzelabruf ist zwar deutlich teurer als das Abo. Dafür gibt es aktuelle Filme oder einige bestimmte Klassiker so gut wie nie für Abonnenten: "Matrix" entdeckten die Tester fast überall, den "Krieg der Sterne" nirgends. Von den gesuchten 100 Filmen fanden die Tester 22 bei Amazon Prime (Bestwert), sieben im Maxdome-Paket (schlechtester Wert).

Getestet wurden im Einzelabruf (in Klammern finden Sie die Teilnote für den Angebotsumfang):

  • Maxdome (3,8)
  • Apple iTunes (3,3)
  • Telekom Videoload (3,6)
  • Amazon Instant Video Shop (3,6)
  • Media Markt Video-Downloadshop (4,3)
  • Microsoft Xbox Video (4,6)
  • Sony Video unlimited (4,1)
  • Videociety (4,7)

Wer einen Film leihen will, zahlt bei Amazons Instant Video zwischen 0,99 und 6,99 Euro, das ist die größte Preisspanne. Die günstigsten Filme gibt es bei Media Markts Shop, hier beginnt das Angebot schon bei 49 Cent.

Die getesteten Abo-Dienste (in Klammern erneut die Teilnote für den Angebotsumfang):

  • Amazon Prime Instant Video (4,4)
  • Snap by Sky (4,6)
  • Maxdome Paket (4,8)
  • Netflix (4,3)
  • Watchever (4,4)

Wer wissen will, wo welcher Film und welche Serie läuft, kann sich bei Diensten wie WerStreamt.es, JustWatch und Swyrl.tv einen Überblick verschaffen.

Die Test-Kandidaten Watchever und Videociety fallen der Stiftung Warentest zufolge übrigens auch durch einen sehr kritischen Umgang mit den Daten seiner Nutzer auf. Videociety sendet den Nutzernamen unverschlüsselt, Watchever sogar das Passwort, heißt es im Testbericht.

Als Messlatte für die Verfügbarkeit diente den Testern übrigens eine Videothek in Berlin. Eine echte. Dort gab es 83 der 100 Filme - Note "sehr gut".

Zusammengefasst: Mit der Gesamtnote 2,8 ist Maxdome Testsieger beim Einzelabruf, bei den Abo-Modellen liegt mit der Note 3,5 Amazon Prime Instant Video vorn. Wer beim Seriengucken sparen will, für den lohnt sich ein Abo. Die Auswahl bleibt dann aber eingeschränkt. iTunes hat die größte Auswahl, vieles muss aber gekauft werden. Wer aktuellere Filme sucht, der wird im Einzelabruf am ehesten fündig.



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 51 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
maputatzek 26.02.2015
1. Einmal und nie wieder...
Einmal bei Maxdome einen Film gekauft, das Geld wurde abgebucht, aber der Verkauf ließ sich nicht abschliessen. Nach 3 Telefonaten warte ich seit Monaten auf mein Geld. Ich habe 8 Stunden Lebenszeit verschwendet, um mein Geld zurück zu bekommen. Erfolglos...
matthias_lehmann 26.02.2015
2. Gebrochene Versprechen
Was hier absolut fehlt ist eine Bewertung der Verlässlichkeit. Lovefilm streamte noch hervorragend, seit Übernahme durch Amazon ist das Ganze eingebrochen. Man kann die Uhr danach stellen, ab 20:30h gibts Abbrüche im 5-Minutentakt. Ein romantischer Filmabend: Kann man vergessen. Zahlreiche Anrufe bei der inkompetenten Hotlineführen immer wieder zu neuen Ausreden, firmware des Players, mein Internet provider sei schuld etc. Geduldig hab ich alle Spielchen mitgebracht, gelöst hat das Problem aber keiner der Vorschläge. Klar, dass andere Anbieter zu dieser Uhrzeit weniger Probleme haben, die Tagesschau streamt mit 22Mbit, Amazon bricht auf 2 ein... Amazon hat sich einfach übernommen mit seinem Prime Angebot zum Streaming inklusive. Statt den Fehler zuzugeben und Serverkapazitäten freizumachen wird geleugnet und dann wurde auf einen Schlag ganz Österreich mit angebunden, mit neuerlichem Einbruch. Es ist zum Heulen, Das was 2013 schon wunderbar ging ist 2015 nostalgische Erinnerung. Mal ganz abgesehen davon, dass fast keine Titel als OV angeboten werden. Fazit: Wieder ab in die Videothek und blurays in den Player stecken. Amazon: Euer Service wird immer trauriger.
silentio79 26.02.2015
3. OV-Versionen
Was im Test fehlt ist die Bewertung der Originalversionen und der Bedienung. Bei beiden ist Amazon Prime absolut nutzlos. Ich habe sowohl Amazon Prime und Netflix und nutze fast ausschließlich Netflix. Allein die Suche bei Amazon auf die Filme einzugrenzen die man sofort sehen kann und nicht nur Kaufangebote dazwischen zu bekommen ist eine unlösbare Aufgabe. Und dann fast alles nur auf Deutsch? Nein Danke. Und für 2.99 im Monat kann man sich einen vernüftigen DNS-Server (ich empfehle unblock-us) mieten, der einem die volle Auswahl aller Länder bietet. Ich kenne nichts besseres.
mischamai 26.02.2015
4. der europäische Film
Alle Dienste zeigen fast ausschließlich den ganzen Müll amerikanischer Produktion.Warum wird der europäische Film hier derartig abgelehnt zu zeigen.Wir brauchen keine Deutschquote in der Musik,aber ganz sicher wäre eine Quote für den europäischen Film von Vorteil.
Frau_Enschleger 26.02.2015
5. Zu spät, zu teuer
Alles über 2 € sind für einen Leihfilm zu teuer. Punkt. Wenn die Onlinevideotheken das mal realisieren würden, könnte man mal drüber reden. So sind die einfach nur überflüssig, bzw. nur für bequeme Leute die ihr Geld nicht besser auszugeben wissen relevant. Das illegale Angebot ist auch einfach besser. Mehr Filme, 3D, schnellere Releases. Aber anstatt das man mit einer Verbesserung des eigenen Angebots und vernünftigen Preisen reagiert, wird das Geld lieber in AntiRaubkopier-Werbespots und -Technik gesteckt, die dann eh wieder in wenigen Tagen ausgehebelt wird. Alle Fehler, die die Contentindustrie im Musikmarkt gemacht hat, werden gnadenlos wiederholt. Ein schlechter Witz.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.