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Ohne Funktion: Erfolgreiche Virenschutz-App für Android war ein Fake

Binnen weniger Tage kauften mehr als 10.000 Android-Nutzer die Sicherheits-App Virus Shield. Die Software bekam beeindruckende Nutzerbewertungen. Jetzt stellt sich heraus: Das Programm konnte rein gar nichts.

Möglicherweise hätte schon der Name des Entwicklers stutzig machen sollen: Deviant Solutions - abweichende Lösungen - nennt sich der Anbieter der Android-App Virus Shield. Doch die Firmenbezeichnung hat Zehntausende Nutzer von Android-Smartphones nicht davon abgehalten, sich deren App auf ihre Geräte zu laden. Und das innerhalb nur einer guten Woche und obwohl die App immerhin 3,99 Dollar kostete. Das Resultat: Virus Shield kam auf Platz ein der Bezahl-Apps im Google Play Store.

Doch ein Bericht von Michael Crider von der Technik-Webseite "Android Police" beendete den steilen Höhenflug der App. Crider hatte herausgefunden, dass Virus Shield fast gar nichts tat. Er hatte den mit nur wenigen Zeilen auffällig kurzen Programmcode analysiert und entdeckt, dass die einzige Funktion der App darin bestand, das Programmsymbol von einem Kreuz auf einen Haken umzustellen, wenn man auf den Bildschirm tippte.

Google reagierte schnell und entfernte die App nur wenige Stunden später aus seinem Onlineshop.

Dabei hatte der Entwickler von Virus Shield viel versprochen: Die App sollte verhindern, dass gefährliche Programme auf dem jeweiligen Gerät installiert werden können, sie sollte Einstellungen und Dateien in Echtzeit prüfen, persönliche Daten schützen, dabei aber nur minimal Energie verbrauchen und vor allem keinerlei Werbung einblenden. Alles gelogen.

Die positiven Bewertungen, die Virus Shield im Play Store bekam, waren vermutlich teilweise gefälscht. Oder möglichweise auch von Nutzern geschrieben, die mit der App zufrieden waren, weil sie den laufenden Betrieb nicht beeinträchtigte. Hinweise auf betrügerische Aktivitäten von Deviant Solutions gab es vorher nicht. Abgesehen vielleicht von der nicht gepflegten Facebook-Seite der Firma.

Der Fall wirft einmal mehr die Frage auf, ob die eher rudimentären Prüfungen ausreichen, die Googles Play Store neu angebotenen Apps angedeihen lässt. In den letzten Jahren waren schon häufiger Betrügereien aufgefallen. Die im Play Store Google verankerte 15-minütige Rückgabefrist für bezahlte Apps reicht oft nicht aus, um festzustellen, ob eine App ihr Geld wert ist.

abr

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insgesamt 26 Beiträge
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1. Ist doch .....
Tron3000 08.04.2014
Zitat von sysopBinnen weniger Tage kauften mehr als zehntausend Android-Nutzern die Sicherheits-App Virus Shield. Die Sofware bekam beeindruckende Nutzerbewertungen. Jetzt stellt sich heraus: Das Programm konnte rein gar nichts. http://www.spiegel.de/netzwelt/apps/virus-shield-virenschutz-app-fuer-android-war-fake-a-963175.html
Die im Play Store Google verankerte 15-minütige Rückgabefrist für bezahlte Apps reicht oft nicht aus, um festzustellen, ob eine App ihr Geld wert ist. Ist das nicht so gewollt.....
2. ...
Newspeak 08.04.2014
Sind 15-minütige Rückgabefristen überhaupt mit deutschem Gewährleistungsrecht vereinbar? Unternehmen behaupten Vieles, was rechtlich keinen Bestand hat.
3. ...
relic 08.04.2014
... nicht, dass jetzt wieder die Android/Apple-Flamerei wieder losgeht, aber ehrlich gesagt, wäre das im AppSore von Apple nicht passiert...
4.
Peter Werner 08.04.2014
Wer Anwendungen "Apps" nennt, hat es irgendwie nicht anders verdient.
5.
schniggeldi 08.04.2014
Zitat von NewspeakSind 15-minütige Rückgabefristen überhaupt mit deutschem Gewährleistungsrecht vereinbar? Unternehmen behaupten Vieles, was rechtlich keinen Bestand hat.
Ein Rückgaberecht hat mit der Gewährleistung nichts zu tun. Natürlich können sie als Käufer jetzt einen Gewährleistungsanspruch geltend machen. Vielleicht ist das ganze sogar Betrug. Viel Spass allerdings mit der Klage für 3,99 USD...
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Zum Autor
  • Andreas Brohme
    Gadgets, Apps, neue Technologien - der Hamburger Andreas Brohme schreibt seit über 20 Jahren über Neues aus Digitalien. In seiner Freizeit spielt er - ganz analog - vor allem Gitarre.

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