Strafzahlung an die EU Was Facebook mit Ihren WhatsApp-Daten macht

110 Millionen Euro Strafe muss Facebook an die EU zahlen - weil der Konzern falsche Angaben zum Umgang mit Nutzerdaten des aufgekauften Dienstes WhatsApp gemacht hat. Worum geht es?

Logos von Facebook und WhatsApp auf einem Smartphone
DPA

Logos von Facebook und WhatsApp auf einem Smartphone


Die EU hat eine Millionenstrafe gegen Facebook verhängt: Der Konzern soll bei der Übernahme des Dienstes WhatsApp falsche Angaben über den Umgang mit Nutzerdaten gemacht haben - nämlich zur Frage, wie der Konzern Nutzerdaten von Facebook mit WhatsApp-Konten verknüpft. Die EU-Kommission fühlt sich getäuscht.

Durch seine Nutzungs- und Datenschutzbedingungen kann WhatsApp nämlich Nutzerdaten an alle Unternehmen der Facebook-Gruppe weitergeben. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Datenaustausch zwischen den Diensten:

Welche Daten werden von Facebook genutzt?

Auf seiner Internetseite schreibt WhatsApp, dass "einige" Account-Informationen weitergegeben werden, wie zum Beispiel die Telefonnummer der Nutzer oder Daten über den Zeitpunkt der Nutzung. Laut Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen können aber viel mehr Daten an die Unternehmen der Facebook-Gruppe fließen. WhatsApp speichert nämlich auch Profilbild, Profilnamen und Status, sofern er angegeben ist.

Außerdem greift die App regelmäßig alle Kontakte aus dem Adressbuch ab. Die Handynummern von Arbeitskollegen, Freunden und Verwandten gehen an WhatsApp und damit wahrscheinlich auch an Facebook, Instagram und Co. - ohne dass die Betroffenen je zugestimmt hätten. Neben persönlichen Informationen kann WhatsApp laut Verbraucherschützern außerdem sogenannte Metadaten seiner Nutzer weitergeben, zum Beispiel ihren Standort oder wem sie wann schreiben.

Werden auch Chat-Inhalte übertragen?

Nach Angaben von WhatsApp können durch die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung nur Sender und Empfänger die Nachrichten lesen, "nicht WhatsApp, Facebook oder irgendjemand anderes". Die Verschlüsselung greift WhatsApp zufolge dann, wenn alle Chat-Teilnehmer eine im April 2016 veröffentlichte App-Version benutzen.

WhatsApp verspricht seinen Nutzern außerdem, dass nichts, was sie in dem Messengerdienst teilen, "für andere sichtbar auf Facebook oder einer anderen App der Facebook-Unternehmensfamilie" erscheint. Das bedeutet aber nur, dass die Informationen von anderen nicht auf Facebook oder Instagram gesehen werden können - an die Unternehmen im Hintergrund könnten die Daten sehr wohl gehen.

Warum gibt WhatsApp die Daten überhaupt weiter?

Nach offizieller Aussage des Unternehmens soll so der Service verbessert werden. Mithilfe der Daten könne WhatsApp zum Beispiel besser gegen Spam und Missbrauch vorgehen. Facebook-Nutzern verspricht das Unternehmen außerdem "bessere Vorschläge für Freunde und passendere Werbung auf Facebook". So könnten Nutzer zum Beispiel Werbeanzeigen von Firmen sehen, die sie in ihrem Adressbuch gespeichert haben.

Was kritisieren Daten- und Verbraucherschützer daran?

Die beiden Hauptkritikpunkte sind laut Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), dass Daten von WhatsApp-Nutzern an Facebook weitergegeben werden, auch wenn diese gar keinen Facebook-Account haben. Außerdem erfolgt die Weitergabe von Telefonnummern laut vzbv nur aufgrund der Tatsache, dass sie in den Kontakten eines WhatsApp-Nutzers gespeichert sind und nicht, weil die Betroffenen zugestimmt haben.

Nach einer sogenannten Verwaltungsanordnung des Hamburgischen Datenschutzbeauftragten entschied das Verwaltungsgericht Hamburg im April, dass Facebook vorerst keine Daten deutscher WhatsApp-Nutzer verwenden darf. Eine endgültige Entscheidung steht aber noch aus. Der vzbv fürchtet, dass sich Facebook in der Zwischenzeit nicht an das Urteil hält. Verbraucher berichteten vereinzelt von Vorfällen, die diese Vermutung nahelegten, sagte vzbv-Rechtsreferentin Carola Elbrecht. Beweise habe man aber keine.

Wie können sich WhatsApp-Nutzer gegen die Datenweitergabe wehren?

Nutzer können der App den Zugriff auf das Adressbuch entziehen. Unter Umständen sehen sie dann aber nicht, mit wem sie chatten. Hat jemand seinen Namen nicht bei WhatsApp angegeben, würde nur noch seine Handynummer angezeigt. Wer gar nicht will, dass seine Daten an Facebook weitergegeben werden, sollte sein WhatsApp-Profil löschen, rät die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Welche Alternativen zu WhatsApp gibt es?

Wer nicht auf einen Messengerdienst verzichten will, kann andere Programme nutzen, die auf europäischen Servern liegen und somit strengeren Datenschutzrichtlinien unterliegen. Außerdem gibt es Messenger, für deren Nutzung keine persönlichen Daten angegeben werden müssen wie Hoccer oder Threema.

fab/AFP

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aufmerksamer Leser 18.05.2017
1. Strafe in keinem Verhältnis zum Gewinn
Strafe in keinem Verhältnis zum Gewinn und somit absolut nicht abschreckend. Aber die User sind es, die nicht lernen wollen oder unfähig sind, aus den Skandalen der Vergangenheit zu lernen. Da müsste man nachdenken - offensichtlich bekommt man da Kopfweh. Es gibt doch genug Alternativen. Aber solange Fernseh- und Rundfunksender immer zur Nutzung von Facebook und Whatsapp aufrufen wird es nur eine Art "Gleichschaltung" geben.
H. Krämer 18.05.2017
2. Worum es geht: Um gekauftes Recht
Schritt 1: FB bekommt eine Genehmigung unter klaren rechtlichen Auflagen. Schritt 2: FB bricht die Auflagen, kümmert sich einen Dreck um die Vereinbarung Schritt 3: FB zahlt eine einmalige Strafe für den Rechtsbruch; bekommt aber einen Freispruch, sich künftig nicht mehr an die Auflagen halten zu müssen. Schritt 4: FB kann nun weiterarbeiten, als ob es keine Auflagen durch die EU gegeben hätte. Was vorher Recht war wurde durch FB-Recht ersetzt. PREIS: 110 Mio EUR für gekauftes Recht So, und nun schauen wir uns mal die große Mehrheit der gesetzestreuen Bürger an. Was heißt das für die: Ich zahle für eine Ordnungswidrigkeit, im Wiederholungsfalle drohen mir ggf. schon mal erhöhte Strafen. Wie schön für FB, die zahlen ihr Knöllchen und dürfen für alle Zeit falsch parken, während die normalen Deppen immer und immer wieder zur Kasse gebeten werden für Ordnungsverstöße. Der Rechtsstaat funktioniert also - oder ?
Chefcook 18.05.2017
3. Rechtstaatsverfechter
H. Krämer, als Verfechter des Rechtsstaats ist Ihnen aber hoffentlich schon klar, dass die Zahlung einer Strafe nicht von der Behebung des Misstandes befreit!? Facebook zahlt die Strafe, weil sie gegen Auflagen verstoßen haben und sie werden weiter zahlen, wenn sie es wieder tun.
Thunder79 18.05.2017
4.
Ich sags immer wieder, einige nennen es Überwachung, ich nenne es Zukunft. Dass solche Daten weitergegeben werden, hat nämlich auch viele Vorteile. Das wollen nur viele nicht wahrhaben.
gleis_1 18.05.2017
5. noch viel schlimmer
ich habe vor über einem jahr meinen whatsapp account gelöscht (nicht nur die app auf dem smartphone). und immer noch können mich personen anschreiben. da diese das auch geschäftlich tun, kommt es immer wieder zu missverständnissen und ich muss mich rechtfertigen. ich habe schon alles mögliche versucht, aber ich werde bei meinen ehemaligen kontakten immer noch angezeigt – als ob ich wa noch benutzen würde. das ist echt übel, einmal in den fängen mark zuckerberg, kommt man kaum noch raus. wenn jemand einen rat hat, bitte mitteilen. ansonsten finger weg von whatsapp und facebook. der preis für die eitelkeit is einfach zu hoch.
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