"Wasserrutsche bergab" Nutzer spotten über "dümmstes Spiel der Welt"

Eine halbe Million Menschen haben sich die App "Wasserrutsche bergab" heruntergeladen. Die Entwickler versprechen einen "Adrenalin-Rush". Das ist Unsinn.

MobilePlus

Von


Es muss eine Zombie-Apokalypse ausgebrochen sein. Anders lässt sich nicht erklären, warum der Parkplatz vor dem Freizeitpark so gut gefüllt ist mit Reisebussen und Autos, aber kaum Gäste im Freizeitpark zu sehen sind. Nur vereinzelt schleichen Besucher wie Untote über die Wiese, bleiben an Büschen hängen und starren orientierungslos umher.

Aber eigentlich geht es ja ums Rutschen im Android-Spiel "Wasserrutsche bergab". Die App hat aktuell erstaunlichen Erfolg und wird in den Spiele-Charts bei Google Play in den Top Ten gelistet , mehr als eine halbe Million Nutzer haben sich die App heruntergeladen. Vielleicht haben die sommerlichen Temperaturen ihnen Lust gemacht auf ein Spiel, bei dem man als Gast in einem Wasserpark unterwegs ist.

"Wasserpark-Nervenkitzel"? Eher extreme Langeweile!

Sollte das der Fall gewesen sein, dürften die sommerlichen Gefühle bei vielen aber schnell wieder verschwunden sein, sobald sie das Spiel zum ersten Mal gestartet haben. Wer in dem Freizeitpark rutschen will, muss auf ein Skilift-Symbol tippen. So geht es schon mal los. Dann merkt man: Als Spieler darf man beim Rutschen nur zuschauen - was für ein Reinfall.

Der Entwickler MobilePlus verspricht derweil "extremen Wasserpark-Nervenkitzel" und dass die "aufregende Physik" einen "Adrenalin-Rush" garantiere. Das alles ist, kurz gesagt, absoluter Unsinn. Der Junge rutscht komplett statisch hinab, lediglich die Kamera lässt sich mit einem Schieberegler schwenken. Das ist aber eher einschläfernd als aufregend.

Unterhaltsam sind allenfalls die Grafikfehler des Spiels, die Lücken in der Rutschrinne produzieren und Rohre auf Höhe des Kopfes. Das Rutschen ist insgesamt genauso trostlos wie der ganze Park. Das wird auch nicht besser mit dem bayerischen Jauchzer-Sound, der auf dem Weg nach unten in Dauerschleife abgespielt wird.

Immerhin wird man für jede Fahrt virtuell bezahlt und kann so weitere Gummireifen und Schlauchboote freischalten. Aber nach dem ersten Versuch will man eigentlich gar nicht mehr nach oben auf die Rutsche.

Viel lieber würde man auf das Riesenrad steigen und sich anschauen, was in den Zirkuszelten im Park passiert. Das Problem: Es gibt keine Eingänge. Dann vielleicht vom Sprungbrett ins Wasserbecken springen? Leider hat der Architekt vergessen, eine Leiter einzuplanen. Und damit bleibt die spannendste Frage des Spiels: Wie hat es der Junge auf dieses Sprungbrett geschafft, das auf den Promo-Bildern des Entwicklers zu sehen ist?

Bestellen Sie jetzt: Startmenü, den Netzwelt-Newsletter

Jeden Montag um 16 Uhr in Ihrem Posteingang: Was diese Woche die Tech-Welt bewegt, vom neuen Gadget bis zum Netzhype. Abonnieren Sie Startmenü direkt hier:

Am warmen Wetter allein kann der Erfolg der App kaum liegen. Vielleicht ist ja die Spielbeschreibung bei Google Play dafür verantwortlich, dass mehr als eine halbe Million Nutzer die App bereits heruntergeladen haben? Mit ihren bemerkenswert wirren, vermutlich schlecht übersetzten Sätzen wie "Wasser-Dia-Downhill-Rush ist die nächste Top-Trending-3D-Spiel von 2017 mit epischen Wahnsinn in Wasser-Slide Downhill Rush Abenteuer 3D"?

Fotostrecke

27  Bilder
Alltag zum Spielen: 25 Simulatoren im Überblick

"Geil" oder das "dümmste Spiel der Welt"?

Die Bewertungen auf der Google-Plattform sind verdächtig gut: "Wasserrutsche bergab" hat aktuell zwar rund 1400 Ein-Stern-Bewertungen, aber auch knapp doppelt so viele Fünf-Sterne-Bewertungen. Während die Kommentare der angeblich begeisterten Spieler jedoch auffallend einsilbig sind, raten die enttäuschten Nutzer recht deutlich und oft auch begründet vom Download ab. Sie sprechen vom "dümmsten Spiel der Welt" und "absolutem Schrott".

Unser Fazit: Wer auf Trash steht, der sollte lieber Kopfnüsse mit einer Ziege verteilen oder mit einem Hai vom Himmel fallen. Jeder Schritt in eine Pfütze bietet mehr Action als diese Wasserrutschen-App.


Hier finden Sie zum Durchklicken oder -wischen Apps für Android und iOS, die wir wirklich empfehlen können:

Hintergrund: Produkttests im Netzwelt-Ressort
Über welche Produkte wird im Ressort Netzwelt berichtet?
Über welche Produkte wir in der Netzwelt berichten und welche wir testen oder nicht, entscheiden wir selbst. Für keinen der Testberichte bekommen wir Geld oder andere Gegenleistungen vom Hersteller. Es kann aus verschiedenen Gründen vorkommen, dass wir über Produkte nicht berichten, obwohl uns entsprechende Testprodukte vorliegen.
Woher kommen die Testprodukte?
Testgeräte und Rezensionsexemplare von Spielen bekommen wir in der Regel kostenlos für einen bestimmten Zeitraum vom Hersteller zur Verfügung gestellt, zum Teil auch vor der offiziellen Veröffentlichung. So können unsere Testberichte rechtzeitig oder zeitnah zur Veröffentlichung des Produkts erscheinen.

Vorabversionen oder Geräte aus Vorserienproduktionen testen wir nur in Sonderfällen. In der Regel warten wir ab, bis wir Testgeräte oder Spielversionen bekommen können, die mit den Verkaufsversionen identisch sind. In einigen Fällen kaufen wir Produkte auch auf eigene Kosten selbst, wenn sie bereits im Handel oder online verfügbar sind.
Dürfen die Netzwelt-Redakteure die Produkte behalten?
In der Regel werden Testgeräte nach dem Ende des Tests an die Hersteller zurückgeschickt. Die Ausnahme sind Rezensionsexemplare von Spielen und sogenannte Dauerleihgaben: So haben wir zum Beispiel Spielekonsolen und Smartphones in der Redaktion, die wir über längere Zeit nutzen dürfen. So können wir beispielsweise über Software-Updates, neues Zubehör und neue Spiele berichten oder Langzeiturteile fällen.
Lassen sich die Netzwelt-Redakteure von Firmen auf Reisen einladen?
Die Kosten für Reisen zu Veranstaltungen, egal ob sie in Deutschland oder im Ausland stattfinden, trägt SPIEGEL ONLINE stets selbst. Das gilt auch dann, wenn beispielsweise aufgrund kurzfristiger Termine ein Unternehmen die Reiseplanung übernimmt.

Veranstaltungen, zu denen wir auf eigene Kosten reisen, sind unter anderem die Messen Ifa, CES, E3 und Gamescom sowie Events von Firmen wie Apple, Google, Microsoft oder Nintendo. Auf Konferenzen wie dem Chaos Communication Congress oder der re:publica bekommen wir in der Regel, wie auch andere Pressevertreter, kostenlose Pressetickets, da wir über die Konferenz berichten und keine klassischen Teilnehmer sind.
Was hat es mit den Amazon-Anzeigen in manchen Artikeln auf sich?
Seit Dezember 2016 finden sich in einigen Netzwelt-Artikeln Amazon-Anzeigen, die sogenannte Partner-Links enthalten. Besucht ein Nutzer über einen solchen Link Amazon und kauft dort online ein, wird SPIEGEL ONLINE in Form einer Provision an den Umsätzen beteiligt. Die Anzeigen tauchen in Artikeln unabhängig davon auf, ob ein Produkttest positiv oder negativ ausfällt.


insgesamt 8 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
bamesjond0070 04.08.2017
1. Wieso fehlt in der unteren Bildstrecke
Cities: Skylines? Es hat jedes Simcity um längen geschlagen und ist nebenbei auch noch ein Vorbild in Sachen DLC-Politik. Wenn Simcity erwähnt wird, darf Skylines nicht fehlen.
seb.mazur@googlemail.com 05.08.2017
2.
90% aller apps sind schlecht und nutzlos, wer hätte da gedacht, daß ein Wasserrutschenspiel auf dem Telefon Spaß oder auch nur Sinn hat. wenn es "vr" wäre, also dieses Pseudovr für Handys, dann würde es evtl. noch irgendwie ganz vieleicht etwas Spaß machen. ...
fletcherfahrer 05.08.2017
3. Wasserutsche bergauf...
...das wär doch mal was!
syn4ptic 05.08.2017
4.
Der Artikel demonstriert mal wieder sehr anschaulich, dass die althergebrachten Medien oftmals Ihre Schwierigkeiten mit den digitalen Hypes haben. Das, was der Artikel so aussagt, findet oft statt: etwas ist so schlecht, grausig, brutal, komisch,... dass es sich auf Reddit, FB und anderen Plattformen wie ein Lauffeuer ausbreitet - allerdings ein meist sehr kurzlebiges. Eine der seltsamen Blüten, die die Internetkommunikation uns beschert hat.
rainerwäscher 05.08.2017
5.
Zitat von seb.mazur@googlemail.com90% aller apps sind schlecht und nutzlos, wer hätte da gedacht, daß ein Wasserrutschenspiel auf dem Telefon Spaß oder auch nur Sinn hat. wenn es "vr" wäre, also dieses Pseudovr für Handys, dann würde es evtl. noch irgendwie ganz vieleicht etwas Spaß machen. ...
Das trifft auch auf Konsolen und PC zu. Ich darf Tuli Kupferberg zitieren: "90% of everything is bullsh*t"
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.