WeChat-App: Tencent wehrt sich gegen Zensurverdacht

Wer in einer Kurznachricht im chinesischen Dienst WeChat bestimmte Begriffe verwenden wollte, erhielt eine Fehlermeldung. Die Nachricht konnte nicht verschickt werden. Der Betreiber spricht von einer technischen Panne - aber die Wortwahl der Fehlermeldung lässt stutzen.

Weixin (Screenshot): International soll der Dienst unter dem Namen WeChat durchstarten Zur Großansicht

Weixin (Screenshot): International soll der Dienst unter dem Namen WeChat durchstarten

Der chinesische IT-Unternehmen Tencent wehrt sich gegen Vorwürfe, er habe in seinem Chat-Dienst Weixin Nachrichten der Nutzer zensiert. Weixin ist im Ausland besser bekannt unter dem Namen WeChat und als Dienst vergleichbar mit WhatsApp mit einigen Social-Networking-Zusatzfunktionen - und wohl größer. An die 300 Millionen Nutzer soll die chinesische App mittlerweile haben, und Tencent hat offenbar ehrgeizige Pläne, mit Weixin beziehungsweise WeChat international weiter durchzustarten.

In der vergangenen Woche allerdings wurden Zensurvorwürfe laut: "Tech in Asia" berichtete, dass bestimmte Wörter in den Nachrichten nicht zugelassen würden - in dem speziellen Fall ging es um die chinesische Schreibweise des kontroversen Magazins "Southern Weekly". Wer die entsprechenden Schriftzeichen beim Kurznachrichtenschreiben eingegeben hat, bekam demnach eine Fehlermeldung: Die Nachrichten enthielten "restricted words", ungefähr übersetzbar mit unerlaubten Worten. Der Nutzer solle die Nachricht noch einmal prüfen.

Diese Fehlermeldung erhielten jedoch nicht nur Nutzer innerhalb Chinas, sondern weltweit - sofern sie denn den chinesischen Namen der Publikation verwendeten.

Andere chinesische Web-Dienste sehen sich immer wieder mit Zensurvorwürfen konfrontiert, so etwa die diversen Mikroblogging-Dienste, die in China "Weibo" heißen. Erst kürzlich gerieten sie in die Kritik, der Vorwurf lautete, die Profile von Aktivisten und Regierungskritikern seien gesperrt worden.

Auch auf WeChat seien manche Begriffe gesperrt, heißt es bei "Tech in Asia", "aber das ist der erste größere Fall von thematischer Zensur auf WeChat, von dem wir wissen". Das könne den Erfolg der App in anderen Ländern schwächen, "wenn Nutzer sich mit dieser Form der Einschränkung unwohl fühlen - auch wenn offenbar keine englischen Wörter und Redewendungen betroffen sind."

"Wir entschuldigen uns für die Unannehmlichkeiten"

Jetzt hat Tencent ein Statement abgegeben, das unter anderem bei "Tech in Asia" und "The Register" zitiert wird: Es sei richtig, dass einige wenige internationale Nutzer bestimmte Nachrichten nicht verschicken konnten. Grund dafür sei ein technische Störung. "Es sind sofort Maßnahmen ergriffen worden, um das Problem zu beheben. Wir entschuldigen uns für die Unannehmlichkeiten, die das unseren Nutzern bereitet hat."

"Tech in Asia" hat nach eigenen Angaben daraufhin erneut getestet, ob es diesmal mit den Wörtern klappt, die beim letzten Test nicht durchgekommen waren - und tatsächlich kam die Nachricht diesmal ohne weiteres an. An eine technische Panne scheinen die Blogger allerdings nicht recht zu glauben. Denn die vermeintliche "technische Panne" sei ganz klar nur dann aufgetreten, wenn bestimmte Begriffe eingegeben wurden.

Zweifel dürften tatsächlich bleiben, vor allem auch bei den skeptischen Nutzern im Westen. Offen bleibt nämlich, kommentiert "The Register", warum Tencent sich bei der Fehlermeldung wegen eines technischen Problems "für eine Sprache entschieden hat, die nach Zensur riecht". Womöglich sei der Sperrfilter für bestimmte Schlagwörter versehentlich auch für Nutzer außerhalb Chinas aktiviert wurde.

juh

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 2 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Siehe letzte Zeile ...
fred_master 15.01.2013
... weil, das ist doch dann die "technische Panne" - oder?
2. Technische Panne trotzdem nicht
snivy13 16.01.2013
es kann auch sein, dass man es nur geaendert hat weil man nicht erwartete dass internationale Nutzer das eingeben und dann es veroeffentlichen... nur mal so, ich wurde bei QQ der gleichen Firma wegen Unterhaltungen, in der es um eine Mehrparteipolitik Chinas ginge(eine VORSTELLUNG) eine Zeitlang gesperrt...nunja
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Apps
RSS
alles zum Thema Internet in China
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 2 Kommentare
  • Zur Startseite

E-Book-Tipp
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher
    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.A.

    Kindle Edition: 1,99 Euro.

  • Einfach und bequem: Direkt bei Amazon bestellen.