Verschlüsselte Nachrichten WhatsApp-Alternative verdoppelt Nutzerzahl über Nacht

Eine App für verschlüsselte Nachrichten aus der Schweiz hat binnen 24 Stunden 200.000 neue Nutzer bekommen. Offenbar suchen WhatsApp-Nutzer nach der Übernahme durch Facebook Alternativen.

Threema-Website und Smartphone: Kostenpflichtige App aus der Schweiz
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Threema-Website und Smartphone: Kostenpflichtige App aus der Schweiz


Deutsche WhatsApp-Nutzer orientieren sich um - zumindest einige von ihnen. Nach der Übernahme von WhatsApp durch Facebook hat Threema, eine App zum Austausch verschlüsselter Nachrichten aus der Schweiz, nach eigenen Angaben seine Nutzerzahl verdoppeln können. In den vergangenen 24 Stunden sei die Zahl auf rund 400.000 angestiegen, berichtet "Süddeutsche.de".

Von den neuen Nutzern kämen 80 Prozent aus Deutschland, schätzt das Unternehmen. Threema steht schon seit Tagen in den Download-Charts der App-Stores auf den vorderen Plätzen. Das Programm setzt auf eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Die Betreiber haben nach eigenen Angaben keine Möglichkeit, die über ihre Server ausgetauschten Nachrichten zu entschlüsseln.

Was die App versendet, können sich Nutzer anzeigen lassen. Was das Programm allerdings genau tut, lässt sich nicht überprüfen. Der Quellcode des Programms ist nicht öffentlich, im Gegensatz zu anderen Apps. Sicherheitsexperten empfehlen daher lieber andere Apps, deren genaue Architektur sich überprüfen lässt.

Alternativen zu WhatsApp
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Sicherheitslücken und unverschlüsselte Nachrichten: WhatsApp ist nicht besonders sicher. Der Entwickler Joshua Lund hat sich vielversprechende Alternativen angesehen. Welchen Apps kann man am ehesten vertrauen? Bei welchen Programmen lässt sich der Quellcode überprüfen? Wie gut ist die Verschlüsselung?

Surespot verspricht Ende-zu-Ende-Verschlüsselung von Nachrichten: Der Quellcode steht überprüfbar im Netz, Apple- und Android-Geräte kommunizieren gleichermaßen mit der kostenlosen App.

Threema: Die beliebte WhatsApp-Alternative aus der Schweiz kostet Geld, die Firma hält den Code allerdings unter Verschluss. Dafür soll sich über eine Datenschnittstelle überprüfen lassen, dass die Verschlüsselung wirklich funktioniert.

TextSecure von WhisperSystems ist noch nicht ganz so weit: Die App ist zwar standardmäßig beim freien Android-Betriebssystem Cyanogenmod dabei. Aber die App für Android wartet noch auf ein wichtiges Update, die für Apple-Geräte muss erst noch entwickelt werden.

Sieht genau so aus wie WhatsApp: Telegram heißt eine komfortable App, die eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung anbietet und deren Quellcode offen steht. Kostenlos für Android und Apple-Geräte.

ChatSecure setzt auf bewährte Technik und ist Open Source: Weil die Technik aber für Computer mit ständiger Internetverbindung entwickelt wurde, ist der mobile Einsatz problembehaftet.

DPA/ Google

Beachten Sie bitte, dass SPIEGEL ONLINE die vorgestellten Apps nicht geprüft hat. Für absolut vertrauliche Kommunikation ist ein Smartphone womöglich die falsche Wahl. Besser als eine herkömmliche SMS oder eine der vielen Apps ohne Ende-zu-Ende-Verschlüsselung sind die hier genannten WhatsApp-Alternativen aber allemal. Mehr dazu lesen Sie hier.

Doch offenbar sind den Nutzern weitere Faktoren mindestens so wichtig wie die Sicherheit: Wer Threema installiert und auf sein Adressbuch zugreifen lässt, bekommt angezeigt, welche Kontakte ebenfalls Threema nutzen. Außerdem ist die App komfortabel zu bedienen und funktioniert auf Apple- und Android-Geräten gleichermaßen.

Die 200.000 neuen Nutzer sind allerdings noch wenig im Vergleich zu den Nutzern von WhatsApp. Der WhatsApp-Gründer Jan Koum behauptete im Januar, sein Dienst habe 30 Millionen aktive Nutzer im Monat in Deutschland.

Diese Zahl erscheint sehr hoch: Laut dem Marktforschungsunternehmen Comscore gab es in Deutschland im Oktober 2013 37,4 Millionen Smartphone-Nutzer, laut einer Umfrage des Branchenverbands Bitkoms aus dem September 2013 haben gut 28 Millionen in Deutschland lebende Menschen über 14 Jahren ein Smartphone.

ore

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insgesamt 82 Beiträge
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s.4mcro 21.02.2014
1. Problemverlagerung
...aber keineswegs Lösung. Die bestehenden Datensätze von Whatsapp hat Mr. Zuckerberg nun, egal ob man whatsapp jetzt löscht oder nicht. Nun zur nächsten App zu rennen und dieser wieder vollen Zugriff auf die Kontakte zu genehmigen, ist doch da nur eine Problemverlagerung - sobald *welche-alternative-auch-immer* genügend Nutzer hat, wird das Unternehmen dazu wieder geschluckt. Nun beginnt die leise, schleichende Selbstzensur also schon....
Indexx 21.02.2014
2. optional
Man findet im Netz ein Interview mit den Gründern von Threema. Das man bislang sich nicht zertifizieren lassen hat, liegt vor allem daran, dass es sehr teuer ist und bei jedem Update erneut erfolgen muss. Die andere Alternativen sind entweder aus China (WeChat) oder aus Russland (Telegram) und sind hinsichtlich Ihrer Verschlüsselung sehr umstritten (Telegram). Threema hat die einmalige Chance eine echte Alternative zu bieten. Ich bin gespannt wie es weitergeht.
Indexx 21.02.2014
3. optional
Zitat von sysopEine App für verschlüsselte Nachrichten aus der Schweiz hat über Nacht 200.000 neue Nutzer bekommen. Offenbar suchen WhatsApp-Nutzer nach der Übernahme durch Facebook Alternativen. http://www.spiegel.de/netzwelt/apps/whatsapp-alternative-threema-verdoppelt-nutzerzahl-a-954915.html
Man findet im Netz ein Interview mit den Gründern von Threema. Das man bislang sich nicht zertifizieren lassen hat, liegt vor allem daran, dass es sehr teuer ist und bei jedem Update erneut erfolgen muss. Die andere Alternativen sind entweder aus China (WeChat) oder aus Russland (Telegram) und sind hinsichtlich Ihrer Verschlüsselung sehr umstritten (Telegram). Threema hat die einmalige Chance eine echte Alternative zu bieten. Ich bin gespannt wie es weitergeht.
lrkn 21.02.2014
4. Schweizer Datenschutz
Eventuell sollte man noch erwähnen, dass das schweizer Datenschutzgesetz zu den strengsten der Welt zählt (und die Server stehen alle in der Schweiz laut Betreiber). Das heißt selbst wenn der Betreiber auf die Daten zugreifen könnte, sind die Hürden diese an irgendwelche Behörden weiterzugeben sehr hoch. Daher ist Threema auch bei nicht-öffenlichen Code einer der sichersten Kurznachrichten-Apps.
wahlossi_80 21.02.2014
5. optional
Dieser paradiesische Komfort: ich erlaube der App, mein Adressbuch hochzuladen und schon weiss ich, wer sie sonst noch verwendet! Auf genau diese Bequemlichkeit sollten wir verzichten, um nicht vollkommen die Souveränität über unsere Daten zu verlieren. Hab Whatsapp vom Telefon verbannt, und wer die Synchronisation des Adressbuchs verhindern will, kann dazu Appguard verwenden.
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