Familien-Chats Schwester-Schwager-Baby-Hund-Push

Messenger wie WhatsApp führen zu mehr Kommunikation in der Familie, sagt eine Studie. Auch unsere Autorin ist seit Kurzem Mitglied eines Familienchats - und hat dort eine passende Rolle für sich gefunden.

Das WhatsApp-Icon auf einem Smartphone zeigt neue, ungelesene Nachrichten an.
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Das WhatsApp-Icon auf einem Smartphone zeigt neue, ungelesene Nachrichten an.

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Meine Familie lebt in ganz Deutschland zerstreut, höchstens zu Weihnachten kommen alle mal zusammen. Das hat es immer schwer gemacht, auf dem Laufenden zu bleiben. Große Neuigkeiten erfuhr ich meistens aus längeren Wochenend-Telefonaten mit dem zentralen Informations-Hub der Familie: meiner Mutter. Nach einer Stunde mit Mama am Telefon sparte ich mir oft weitere Anrufe, zum Beispiel bei meinen Geschwistern.

Die kann ich mir jetzt immer noch sparen. Trotzdem bin ich besser informiert als je zuvor. Denn meine Schwester hat im Juli einen Familienchat per Messenger für uns eingerichtet. Seitdem schickt meine Familie mir alle Infos ungefragt aufs Handy, sozusagen als Familien-Push-Nachricht.

So wie mir geht es auch vielen anderen Deutschen, hat eine repräsentative Studie des Münchner Kantar TNS-Instituts bestätigt. Das Institut hat durch eine Onlinebefragung von 2.000 Menschen herausgefunden, dass Messenger-Apps wie WhatsApp oder Skype den Deutschen helfen, Kontakte zu intensivieren, egal ob mit der Familie oder mit Freunden.

Demnach wissen 65 Prozent der Befragten durch Messenger eher darüber Bescheid, wie es ihren Freunden und Bekannten geht. Und mehr als die Hälfte (56 Prozent) hält sich demnach via Messenger darüber auf dem Laufenden, was die Verwandtschaft so treibt - genau wie ich.

Baby-Content, Tier-Content - und Unwetter-Warnsystem

Dank unserer digital verbesserten Familienkommunikation weiß ich, dass der Hund meines Bruders krank war und operiert werden musste. Er trägt jetzt einen putzigen Body (also, der Hund). Außerdem posten meine Brüder wie die Weltmeister Fotos aus ihren Urlauben. Kostet ja nicht mehr als in Deutschland, seitdem die Roaming-Gebühren gefallen sind. Danke, EU!

Schwester und Schwager halten mich unterdessen vor allem mit Fotos und Videos von den neuesten Moves meines kleinen Neffen auf dem Laufenden. Außerdem kriege ich jetzt den Wetterbericht aus mindestens vier verschiedenen Regionen Deutschlands und oft auch aus dem Ausland.

Wenn irgendwo ein Unwetter war, wie jetzt kürzlich in Hamburg, wird sorgenvoll nachgefragt, ob alle heil nach Hause gekommen sind. Unser kleiner Familien-Chat hat sich schnell zu einem kleinen, exklusiven sozialen Netzwerk entwickelt, mit Unglücks-Warnsystem - und mit Baby- und Tier-Content.

Mitlesen und den Alltagstratsch genießen

Es ist nicht so, dass mich der Familienchat unbedingt gesprächiger gemacht hätte. Darin ist viel zu viel los, um auf alle Einträge zu reagieren. Aber die passive Nutzung ist auch schön. Ich lese und höre einfach gerne mit.

Laut der TNS-Studie ersetzen die Chat-Apps übrigens nicht das persönliche Gespräch. Für 84 Prozent der Befragten war die Unterhaltung von Angesicht zu Angesicht immer noch die wichtigste Form der Kommunikation mit Familienmitgliedern. Doch schon an zweiter Stelle steht WhatsApp mit 59 Prozent - noch vor dem Telefon auf Platz drei.

Meine Familie hat sich allerdings geschlossen für den verschlüsselten Messengerdienst Threema entschieden hat, obwohl der Geld kostet. Ich musste sie nicht einmal dazu drängeln. Die Datensammler des WhatsApp-Betreibers Facebook haben also das Nachsehen bei meiner Familie. Und das macht mich besonders stolz.

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insgesamt 16 Beiträge
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Seite 1
MajorNME 19.10.2017
1. IT-Security?
Bleibt zu hoffen, dass die Autorin auf ihrem Mobilgerät keine Rufnummern von Informanten oder geheime Rufnummern hatte. Den diese hätte jetzt WhatsApp (und damit - früher oder später Facebook, nebenbei beides amerikansiche Unternehmen): "Adressbuch. Du stellst uns regelmäßig die Telefonnummern von WhatsApp-Nutzern und deinen sonstigen Kontakten in deinem Mobiltelefon-Adressbuch zur Verfügung. Du bestätigst, dass du autorisiert bist, uns solche Telefonnummern zur Verfügung zu stellen, damit wir unsere Dienste anbieten können." "Wir sind 2014 Facebook beigetreten. WhatsApp ist jetzt ein Teil der Facebook-Unternehmensgruppe. Unsere Datenschutzrichtlinie erklärt, wie wir zusammenarbeiten, um Dienste und Angebote für dich zu verbessern, z. B., indem Spam über die Apps hinweg bekämpft wird, Produktvorschläge gemacht werden und relevante Angebote und Werbung auf Facebook gezeigt wird. Nichts, was du auf WhatsApp teilst, inklusive deiner Nachrichten, Fotos und Account-Informationen, wird für andere sichtbar auf Facebook oder einer anderen App unserer Familie von Apps geteilt. Nichts, was du in diesen Apps postest, wird für andere sichtbar auf WhatsApp geteilt." Aber all das hat sich die Autorin sicher gut überlegt, hat sich von allen Kontakten im Telefonbuch eine schriftliche Autorisierung geben lassen und hat natürlich geheime Rufnummern und Rufnummern von Informanten gelöscht. Danke dafür.
no__comment 19.10.2017
2. WhatsApp ist auch verschlüsselt
"Meine Familie hat sich allerdings geschlossen für den verschlüsselten Messengerdienst Threema entschieden [...] Die Datensammler des WhatsApp-Betreibers Facebook haben also das Nachsehen bei meiner Familie. Und das macht mich besonders stolz." Zum einen sind WhatsApp-Nachrichten auch verschlüsselt und zum anderen speichert WhatsApp (im Gegensatz zur Mutter Facebook) "nur" die Telefonnummern. Damit lässt sich meiner Meinung nach sehr gut leben.
ueberfuehrt 19.10.2017
3. Der Verschlüsselungscode bei WA kommt vom WA-Server!
Und jetzt die Frage für 5-jährige: Und was heißt das dann? Ganz klar: WhatsApp und Facebook können alles mitlesen! Auch in der DDR gab es ein Briefgeheimnis und trotzdem wurden die Briefe aufgedampft, für die Stasi kopiert und wieder zu geklebt! Threema ist und bleibt die beste und sicherste Messengerlösung auf dem Markt - jetzt auch mit sicherer Telefonie und alles ohne Rufnummerzwang!
no__comment 19.10.2017
4. Das stimmt nicht
Zitat von ueberfuehrtUnd jetzt die Frage für 5-jährige: Und was heißt das dann? Ganz klar: WhatsApp und Facebook können alles mitlesen! Auch in der DDR gab es ein Briefgeheimnis und trotzdem wurden die Briefe aufgedampft, für die Stasi kopiert und wieder zu geklebt! Threema ist und bleibt die beste und sicherste Messengerlösung auf dem Markt - jetzt auch mit sicherer Telefonie und alles ohne Rufnummerzwang!
Sie verbreiten hier Unwahrheiten. Weder Facebook noch WhatsApp können irgendwas mitlesen. Die nötigen Schlüssel befinden sich auf den Endgeräten der Nutzer. Alles andere wäre ja auch schwachsinnig.
almeo 19.10.2017
5.
Zitat von MajorNMEBleibt zu hoffen, dass die Autorin auf ihrem Mobilgerät keine Rufnummern von Informanten oder geheime Rufnummern hatte. Den diese hätte jetzt WhatsApp (und damit - früher oder später Facebook, nebenbei beides amerikansiche Unternehmen): "Adressbuch. Du stellst uns regelmäßig die Telefonnummern von WhatsApp-Nutzern und deinen sonstigen Kontakten in deinem Mobiltelefon-Adressbuch zur Verfügung. Du bestätigst, dass du autorisiert bist, uns solche Telefonnummern zur Verfügung zu stellen, damit wir unsere Dienste anbieten können." "Wir sind 2014 Facebook beigetreten. WhatsApp ist jetzt ein Teil der Facebook-Unternehmensgruppe. Unsere Datenschutzrichtlinie erklärt, wie wir zusammenarbeiten, um Dienste und Angebote für dich zu verbessern, z. B., indem Spam über die Apps hinweg bekämpft wird, Produktvorschläge gemacht werden und relevante Angebote und Werbung auf Facebook gezeigt wird. Nichts, was du auf WhatsApp teilst, inklusive deiner Nachrichten, Fotos und Account-Informationen, wird für andere sichtbar auf Facebook oder einer anderen App unserer Familie von Apps geteilt. Nichts, was du in diesen Apps postest, wird für andere sichtbar auf WhatsApp geteilt." Aber all das hat sich die Autorin sicher gut überlegt, hat sich von allen Kontakten im Telefonbuch eine schriftliche Autorisierung geben lassen und hat natürlich geheime Rufnummern und Rufnummern von Informanten gelöscht. Danke dafür.
Ja, sicher ist Whatsapp eine Datenkrake, trotzdem kann man sich dem technologischen Fortschritt eben nicht entziehen. Briefe können geöffnet werden, Faxnachrichten vom falschen aus dem Gerät genommen werden, E-Mails abgefangen und verändert werden - welches Medium ist denn völlig sicher? Am Ende sind es dann doch genau die "Sicherheitswarner" die im REWE brav die Punkte sammeln, überall mit Karte zahlen und bei jedem Gewinnspiel mitmachen. Von dem Gedanken, dass große Unternehmen nichts über Sie wissen, können Sie sich getrost verabschieden, auch wenn Sie kein Whatsapp, Facebook oder Mails verwenden und im Supermarkt auf das Sammeln von Punkten verzichten...
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