Übernahme durch Facebook Viele WhatsApp-Nutzer erwägen Wechsel

Das Image von WhatsApp leidet unter der Übernahme durch Facebook. Bei einer Befragung unter deutschen Nutzern gaben jetzt 30 Prozent an, einen Anbieterwechsel zu erwägen. Das liegt am zunehmend schlechten Image von Facebook - und der Sorge um persönliche Daten.

WhatsApp- und Facebook-Icons: Sorge um mangelnde Datensicherheit
AFP

WhatsApp- und Facebook-Icons: Sorge um mangelnde Datensicherheit


Fast ein Drittel der deutschen WhatsApp-Nutzer denkt nach dem Kauf des Kurznachrichtendienstes durch Facebook über einen Wechsel nach, glaubt man einer aktuellen Befragung. Das Marktforschungsinstitut Advise hat gemeinsam mit dem Online-Panelanbieter respondi AG vom 20. bis 21. Februar insgesamt 1012 WhatsApp-Nutzer befragt. Den Angaben der beiden Unternehmen zufolge ist die Befragung repräsentativ für die deutschen Nutzer des Dienstes.

Die Hälfte der Befragten betrachtet die Übernahme durch Facebook demzufolge nicht als problematisch. Fünf Prozent jedoch erklärten, sie würden WhatsApp in Zukunft nicht mehr benutzen. Weitere 25 Prozent denken über einen Wechsel zu einem anderen Anbieter nach.

Die Wechselwilligen führen vor allem mangelnde Datensicherheit und die Sorge, dass Facebook jetzt auch Zugriff auf persönliche Handydaten bekommen könnte, als Gründe an. Die theoretische Möglichkeit, dass WhatsApp künftig Werbung einbinden könnte, eine eventuelle Zunahme von Kosten oder eine womöglich sinkende Benutzerfreundlichkeit spielen dagegen eine untergeordnete Rolle.

Vier Prozent der Befragten nutzen eigenen Angaben zufolge bereits die WhatsApp-Alternative Threema. Das Produkt eines Schweizer Unternehmens wird mit der Aussage beworben, es biete dank Ende-zu-Ende-Verschlüsselung aller Nachrichten mehr Sicherheit. Threema erlebte vergangene Woche einen regelrechten Nutzer-Boom, der schon vor der WhatsApp-Übernahme durch Facebook begonnen hatte, danach aber erst richtig in Schwung kam.

Fragt man die Nutzer nach möglichen WhatsApp-Alternativen, landet Threema aber nur auf Platz drei, genannt von 28 Prozent der Nutzer. Davor liegt Skype mit 30 Prozent und an erster Stelle mit 38 Prozent die gute alte SMS.

WhatsApp wird der Befragung zufolge tendenziell als glaubwürdiger, sympathischer und sicherer wahrgenommen als Facebook. Bleibt abzuwarten, ob der Kauf für Facebook einen positiven Imagetransfer mit sich bringt - oder stattdessen das Image von WhatsApp leidet.

Alternativen zu WhatsApp
DPA

Sicherheitslücken und unverschlüsselte Nachrichten: WhatsApp ist nicht besonders sicher. Der Entwickler Joshua Lund hat sich vielversprechende Alternativen angesehen. Welchen Apps kann man am ehesten vertrauen? Bei welchen Programmen lässt sich der Quellcode überprüfen? Wie gut ist die Verschlüsselung?

Surespot verspricht Ende-zu-Ende-Verschlüsselung von Nachrichten: Der Quellcode steht überprüfbar im Netz, Apple- und Android-Geräte kommunizieren gleichermaßen mit der kostenlosen App.

Threema: Die beliebte WhatsApp-Alternative aus der Schweiz kostet Geld, die Firma hält den Code allerdings unter Verschluss. Dafür soll sich über eine Datenschnittstelle überprüfen lassen, dass die Verschlüsselung wirklich funktioniert.

TextSecure von WhisperSystems ist noch nicht ganz so weit: Die App ist zwar standardmäßig beim freien Android-Betriebssystem Cyanogenmod dabei. Aber die App für Android wartet noch auf ein wichtiges Update, die für Apple-Geräte muss erst noch entwickelt werden.

Sieht genau so aus wie WhatsApp: Telegram heißt eine komfortable App, die eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung anbietet und deren Quellcode offen steht. Kostenlos für Android und Apple-Geräte.

ChatSecure setzt auf bewährte Technik und ist Open Source: Weil die Technik aber für Computer mit ständiger Internetverbindung entwickelt wurde, ist der mobile Einsatz problembehaftet.

DPA/ Google

Beachten Sie bitte, dass SPIEGEL ONLINE die vorgestellten Apps nicht geprüft hat. Für absolut vertrauliche Kommunikation ist ein Smartphone womöglich die falsche Wahl. Besser als eine herkömmliche SMS oder eine der vielen Apps ohne Ende-zu-Ende-Verschlüsselung sind die hier genannten WhatsApp-Alternativen aber allemal. Mehr dazu lesen Sie hier.

cis



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baynado 25.02.2014
1. Oh Mann
Wer Skype als Alternative zu WhatsApp angibt hat wirklich nichts verstanden.
dschinn1001 25.02.2014
2. sinnvoller Wechsel wäre ...
die app 'darkmail' (von "silent circle" und Phil Zimmermann - der Erfinder von PGP). Aber Crypto-apps wie 'darkmail' und andere haben nur dann einen Nutzen, wenn das smartphone selbst auch verschlüsselt ist (in Android : Einstellungen - Sicherheit - Telefon verschlüsseln ). Allerdings vorher das neueste Android-Update abwarten, erst danach bei Bedarf verschlüsseln und dann hat eine app wie 'darkmail' Sinn - oder eine andere Crypto-app. Oder man holt sich ein smartphone wie dieses hier : https://store.blackphone.ch/
danielc. 25.02.2014
3. subjektiv vs. objektiv
Ich kann zwar nicht objektiv sagen, welcher Anbieter der sicherste ist, sehe aber war Datensicherheit angeht Whattsapp, Skype und Facebook auf einer Linie. Es gibt sicher Ausbrecher, zu denen auch der Blackberry-Messenger gehört, aber Sicherheit hat bisher nur eine untergeordnete Rolle gespielt, das die Verbreitung ausschlaggebend ist. Was nützt mir eine sichere Kommunikationsmöglichkeit, bei der ich niemanden erreiche? Innerhalb der Systeme gibt es zuverlässige Systeme, aber halt nicht systemübergreifend und damit nicht so verbreitet. und praktisch. ... mal sehen....
Supertramp 25.02.2014
4. Ich habe mit der Kündigung gedroht
Ich habe weitere Datenschutz Einstellungen gefordert. Bei I OS gibt es zum Beispiel die Möglichkeit den online Status incl. "zuletzt online" zu unterdrücken (Android nicht). Sie haben geantwortet und angeblich gibt es jetzt eine verbesserte Version auf deren Website.
orthos 25.02.2014
5. Sie Zehlen scheinen mir...
Sie Zehlen scheinen mir doch reichlich schon geredet zu sein. Wechselrate in meiner Region >80%
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