Assistenzsystem Cortana Microsofts Siri lernt deutsch

Windows-Smartphones werden redselig: Microsofts Sprachsteuerungsfunktion Cortana ist ab sofort auch auf deutsch verfügbar. Vorerst allerdings nur als Vorschauversion. Doch die kann nur fertig werden, wenn sie viele benutzen.

Cortana: Funktioniert ähnlich wie Siri , beide benutzen die Bing-Suchmaschine
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Cortana: Funktioniert ähnlich wie Siri, beide benutzen die Bing-Suchmaschine

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Microsoft hat sich Zeit gelassen. Acht Monate nachdem der Konzern seine sprachgesteuerte Assistentin Cortana erstmals vorstellte, kündigte der Konzern am Freitag endlich eine deutschsprachige Variante an. Ab Freitagabend können auch deutsche Nutzer von Windows-Phone-Smartphones ihr Handy ansprechen wie einen Menschen.

Cortana, benannt nach einer Figur aus dem Konsolenspiel "Halo", ist Microsofts Gegenstück zu Apples Siri. Zwar gab es auf Windows-Handys schon lange eine Spracherkennung, doch die beschränkte sich weitgehend darauf, Sprache in Text umzuwandeln, war also eine Art Diktierfunktion. Cortana hingegen ist, wie Siri, eher eine Assistenzfunktion, die man eben mit Sprachkommandos steuert.

Genau wie bei Apple ist man hier aber nicht auf vorgefertigte Kommandos beschränkt, sondern soll mit der digitalen Assistentin sprechen können wie mit einer realen Person, verspricht Microsoft. Bei einem kurzen Test funktionierte das tatsächlich gut. Vor allem zeigte sich die Software in der Lage, nicht nur Kommandos zu verstehen und korrekt zu verarbeiten, sondern auch Zusammenhänge zu erkennen.

Man kann also beispielsweise nach dem Wetter in Berlin fragen, woraufhin auf dem Handy die Wettervorhersage für die Hauptstadt angezeigt wird. Auf die anschließende Frage: "Und in Hamburg?", präsentiert Cortana sofort die entsprechenden Daten der Hafenstadt. Dasselbe funktioniert mit Apples Siri freilich ebenso gut.

Auf diese Weise soll man mit Cortana viele alltägliche Dinge erledigen können, indem man sie seinem Handy mündlich aufträgt, statt auf dem Bildschirm herumzutippen. So lassen sich etwa Erinnerungen, Textnachrichten und Termine einsprechen. Gerade bei Letzteren berücksichtigt Cortana, ob zur fraglichen Zeit womöglich bereits andere Termine im Kalender stehen, und weist auf mögliche Konflikte hin.

Der Assistenz-Charakter von Cortana wird dadurch unterstrichen, dass die Software beispielsweise auf anstehende Termine hinweist und dem Nutzer aktuelle Nachrichten aus dem Netz zusammensucht, die zu seinen Vorlieben passen. Dabei verlässt sie sich einerseits auf Präferenzen, die man manuell am Handy vorwählen kann. Zusätzlich soll sie in der Lage sein, aus dem Nutzungsverhalten des Anwenders zu lernen und so mit der Zeit immer genauer vorherzusehen, was ihn interessieren könnte.

"Cortana macht gerade ein Praktikum"

Ohnehin befindet sich Cortana derzeit noch in einer Lernphase. Die jetzt veröffentlichte Version hat noch einen Alpha-Status, ist also sozusagen eine Vorab-Vorab-Software. Ausprobieren kann sie trotzdem jeder. Die Voraussetzungen sind ein Smartphone mit Windows Phone 8.1 und ein Entwickler-Account, den man sich kostenlos bei Microsoft anlegen kann.

Im Rahmen der auf mehrere Monate angelegte Alpha-Phase sollen Cortana und ihre Spracherkennung durch die Nutzung der Tester stetig verbessert werden. Anmerkungen zur Software können online an Microsoft übermittelt werden.

Microsoft-Manager Christian Maier erklärte im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE, das sei nötig, weil andere europäische Sprachen komplexer seien als Englisch. Man könne sagen, Cortana mache gerade ein Praktikum.

Im Anschluss an den Alpha-Test wird Microsoft eine öffentliche Betaversion anbieten, die dann von jedermann, auch ohne Entwickler-Account, genutzt werden kann. Wann daraus schließlich eine finale Fassung wird, ohne Alpha- oder Beta-Zusatz, ist noch nicht abzusehen.

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insgesamt 9 Beiträge
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lemotor 05.12.2014
1. Datenschutz
Es ist nur eine Frage der Zeit, wann das nächste große Datenschutz-Minenfeld der großen drei Sprachassistenten (Siri, Google Now, Cortana) geleakt wird. Mehr persönliche Daten in die Cloud zu geben, geht schon fast nicht mehr. Will man diese Assistenten nutzen, sind individuelle Datenschutzeinstellungen Fehlanzeige. Alternative: Nicht nutzen!
lattifix 05.12.2014
2. Hilft auch nicht viel.
Sobald Sie eine Suchmaschine nutzen, werden Eingabe, Ergebnis und weitere Verwendung gespeichert. Da ist es ziemlich egal, ob man das per Voice oder Text gemacht hat. Sie nutzen also keine Angebote aus Netz? Wenn doch: Erwischt - nicht mal über TOR entkommt man den Datensammlern...
lemotor 05.12.2014
3. Mehr als nur Suchmaschine
Diese Sprachassistenten sind mehr als nur eine Voice Suchmaschine...sie erstellen komplette persönliche Profile (inkl. Name der Schwiegermutter, falls vorhanden). Jedes gesprochene Wort, GPS Postion usw. wird miteinander verknüpft, damit der Sprachassistent, laut Hersteller, mit der Zeit immer besser für den Nutzer wird. Mehr gläserner Bürger geht dann schon fast nicht mehr, außer als nächstes kommt dann auch noch der Video Assistent auf das Smartphone.
Blackhackzz 06.12.2014
4. Naja, Microsoft hinkt hinterher
Ich arbeite selbst an einem Sprach-Assistenten für Windows seit 2010 immer mal ein bisschen. Ist einHobby-Projekt und was Cortana kann kann mein Assistent schon lange. Es ist eigentlich traurig dass ein Konzern wie Microsoft, der seit der SAPI5-Stimmen-Integration in Vista bereits einen funktionellen Erkennungsalgorythmus hat nicht weiter mit dem Projekt ist. Natürlich ist es sinnvoll dass so viele Leute wie möglich Cortana nutzen um eben Ideen für die Ansprachen zu finden. Aber alleine die Wetterfunktion ist bei mir wesentlich ausgeprägter. So kann mein Assistent genaue Angaben zum aktuellen Wetter machen inkl. Windansage und Schwüle (gemäß DIN-Norm) und und und. Ich mein ich war absoluter Laie als ich mit der Programmierung begann und habe es alleine bereits weiter geschafft. Microsoft als großer Konzern sollte nach meinem Ermessen zumindest bereits sowas wie den Sprachcomputer in Enterprise programmiert haben. Und das ist kein Scherz, bei dem Geld und den Programmierern die Microsoft zur verfügung stehen ist es bedauerlich dass mal gerade die Alpha-Version da ist und und die Temperaturen bei xGrad liegen anstatt umgangssprachlich von Wir haben xGrad zu sprechen. Vielleicht liest das ja ein findiger Programmierer von Microsoft und meldet sich mal bei mir. Bin gerne bereit das Projekt mit MS voran zu treiben und Apples Siri in den Schatten zu stellen. Einfach comment hinterlassen wohin ich mich wenden muss. Dann präsentier ich euch mal meine Alpha... :D
Blackhackzz 06.12.2014
5. Es ist notwendig...
Zitat von lemotorDiese Sprachassistenten sind mehr als nur eine Voice Suchmaschine...sie erstellen komplette persönliche Profile (inkl. Name der Schwiegermutter, falls vorhanden). Jedes gesprochene Wort, GPS Postion usw. wird miteinander verknüpft, damit der Sprachassistent, laut Hersteller, mit der Zeit immer besser für den Nutzer wird. Mehr gläserner Bürger geht dann schon fast nicht mehr, außer als nächstes kommt dann auch noch der Video Assistent auf das Smartphone.
Also für die Aplha finde ich das auch notwendig. Ich arbeite selbst an einer Sprachstuerung und alleine die Datenbanken für die Spracherkennung zu füllen ist ein Monsterakt. Es ist die Frage wie solche datenbanken aufgebaut werden. Und wenn man eben personalisierte Daten entwickeln will muss auch was gespeichert werden. Die Frage ist wie ich die Daten als Konzern nutze. Greife ich sie ab und nutze sie für interne Zwecke außer der Programmentwicklung und der personalisierung ists bestimmt nicht richtig. Für den Programmierer ists aber ein Muss die Daten zu bekommen. Für die Personalisierung bliebe sonst nur die Möglichkeit, einen Home-Server zu erstellen der 24 Std. online ist und übers Netz auf einem bestimmten Port erreichbar. Aber auch hier bin ich nicht davor geschützt dass sich jemand reinhackt und die Daten runterläd. Dann lieber auf nem Microsoft server, da hängen wenigsten Hardware-Firewalls von Cisco hinter.
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