YouTube und gefährliche Inhalte So sieht Ihr Kind nur, was es sehen soll

Viele Eltern lassen ihre Kinder YouTube-Videos schauen. Doch selbst junge Nutzer finden schnell problematische oder gefährliche Inhalte. Was kann man tun?

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Wenig Zeit? Am Textende gibt's eine Zusammenfassung.


Wäre YouTube ein Spielplatz, würden Eltern derzeit allerhand Geschichten von Spritzen im Sandkasten und Spannern im Gebüsch hören:

Nachrichten wie dieser Facebook-Post einer britischen Grundschule lassen erahnen, wie sehr einige Eltern verunsichert, was auf und um YouTube herum passiert. Zugleich ist die Videoplattform Teil des Alltags vieler Familien - das zeigen deutsche Erhebungen wie die Kim- und die Jim-Studie, aber auch Auswertungen des amerikanischen Pew Research Center.

Der Pew-Studie von 2018 zufolge gaben 81 Prozent der Befragten mit Kindern bis elf Jahre an, dass sie mindestens "gelegentlich" YouTube-Videos schauen lassen. 61 Prozent der Befragten, die YouTube erlaubten, sagten aber auch, dass ihr Nachwuchs auf YouTube für sein Alter ungeeignete Inhalte gesehen habe.

Angesichts vieler verschiedener nicht kindgerechter Inhalte, die auf YouTube oft nur einen Klick oder einen Suchbegriff entfernt sind, scheint das schwer vermeidbar. Eltern können aber durchaus beeinflussen, was ihre Kinder auf YouTube erleben: durch Gespräche und auch durch technische Hilfsmittel.

Mit Vertrauenspersonen reden

Bei älteren Kindern, die vielleicht schon selbst Videos hochladen wollen, ist vor allem Aufklärung wichtig, ein Austausch über die Risiken der Plattform. Eltern können Tipps dazu geben, wie man in Videos anonym bleibt, oder dazu, welche Videos oder Kommentare man lieber ignoriert. Auch nicht verkehrt: Mal gemeinsam Videos beliebter Influencer schauen und darüber reden, warum zum Beispiel bestimmte Produkte so prominent in deren Videos auftauchen.

Auch mit jüngeren Kindern, um die es im Folgenden geht, sollten Eltern über YouTube sprechen. Sie sollten den Kindern signalisieren, dass sie ihnen - oder einer Vertrauensperson, und sei es in einer Beratungsstelle - von schlechten Gefühlen oder Unsicherheit beim Videoschauen berichten sollten. Ebenso sollten die Kinder ungewöhnliche Momente nicht für sich behalten, ob es nun um einen Mann geht, der mitten in einem Cartoons seltsame Anweisungen gibt, oder um eine Gruselfigur, die plötzlich auftaucht.

So etwas kommt vor: Ende 2017 zum Beispiel machte ein "Peppa Pig"-Video Schlagzeilen, in dem die Charaktere Bleichmittel tranken. Und schon 2015 sah sich YouTube dem Vorwurf ausgesetzt, dass in YouTube Kids, einem App-Ableger des Hauptdienstes speziell für Kinder, auch nicht-kindgerechte Clips oder Videosequenzen auftauchen würden.

Fotostrecke

15  Bilder
Videodienst: So gut und schlecht ist YouTube Kids

Meldungen schützen andere

Stoßen Eltern selbst oder durch Kinderhinweise auf ein problematisches Video, sollten sie es auf jeden Fall dem Anbieter melden - auch, um andere Kinder zu schützen. Das sagt Birgit Kimmel, die "klicksafe" leitet, eine EU-Initiative "für mehr Sicherheit im Netz".

Kimmels Erfahrung nach ist nur wenigen Eltern bewusst, dass YouTube "für Unter-13-Jährige überhaupt nicht geeignet" ist - auch, was die Werbung angeht. Sie rät daher: "Eltern sollten ihre Kinder im Blick behalten, wenn diese das reguläre YouTube schauen." Die Plattform habe zwar einen aktivierbaren "eingeschränkten Modus", der viele nicht jugendfreie Inhalte ausfiltert. Doch einiges gehe durch den Filter, warnt Birgit Kimmel, "von Videos mit subtilem Rechtsextremismus bis zu Clips über selbstverletzendes Verhalten."

Bei jüngeren Kindern, die YouTube über das elterliche Smartphone oder Tablet benutzen, ist daher eine Vorselektion sinnvoll. Denn YouTubes Algorithmus sollte man das Vorschlagen neuer Clips lieber nicht überlassen.

Der einfachste Weg, die Videoauswahl einzuschränken, ist der Umstieg auf YouTube Kids (siehe Fotostrecke). In der App findet sich nur ein Teil aller YouTube-Videos - die tatsächlich oder vermeintlich kindgerechten. Auch Nutzerkommentare gibt es in der Kids-Version keine. Ebenfalls praktisch: In YouTube Kids lassen sich die Such- und die Empfehlungsfunktion deaktivieren. Darüber sollte man zumindest nachdenken, denn man sollte sich nicht darauf verlassen, dass Kinder hier nur auf Harmloses stoßen. Eines der Videos mit der Pulsader-Szene soll zum Beispiel via YouTube Kids abrufbar gewesen sein.

Die Suche sollte deaktiviert werden

Auch in der deutschen Kids-Version finden sich kritikwürdige Inhalte, darunter eine Anleitung zum Selbermachen einer Messerkordel, samt Messer- und Feuerzeug-Einsatz. Zudem im Angebot: Tipps, wie man aus Jugendfeuerwerk stärkere Knaller bastelt.

Ebenso führen YouTubes Vorschläge auf mehrere Videos eines Verschwörungs-Kanals, der die Theorie vertritt, die Erde sei flach. Auch Clips des russischen Propagandasenders "RT Deutsch" sind auf YouTube Kids auffindbar, genau wie allerlei Soldatenlieder und alle drei Strophen des Deutschlandlieds.

"YouTube Kids ist nicht nach pädagogischen Werten sortiert", kommentiert Birgit Kimmel, auch hier sei Vorsicht angebracht. Die App sei außerdem "unglaublich gespickt mit Werbung".

Klare Vorgaben, was geht

Die für Eltern wohl verlässlichste Lösung ist es, in der Kids-App die Funktion "Nur genehmigte Inhalte" zu aktivieren: Fortan kann das Kind nur noch Videos oder Kanäle abspielen, die zuvor explizit freigegeben wurden. So lässt sich etwa einstellen, dass alle Videos der Kanäle "Sesamstraße" und "Unser Sandmännchen" abrufbar sind, aber nur bestimmte, handverlesene Videos der "Biene Maja".

Eltern sollten allerdings darauf achten, ob es wirklich die offiziellen Kanäle sind, die sie freigeben - manchmal tauchen bekannte Figuren auch in obskuren oder verstörenden Clips dritter Videomacher auf.

Das normale YouTube im Browser oder als TV-App bietet die Kids-Funktionen leider nicht. Hier müssen Eltern kreativ werden: So gibt es beispielsweise Werkzeuge, mit denen sich YouTube-Videos herunterladen lassen. Auf diese Weise könnte man seinem Kind offline gezielt nur bestimmte Videos zur Verfügung stellen. Mobil sind Video-Downloads derweil unkompliziert über YouTubes Bezahldienst Red möglich. Red-Kunden sehen auch keine Werbung mehr.


Zusammengefasst: Auf YouTube finden sich viele nicht kindgerechte Inhalte - es ist daher ratsam, Kinder über die Risiken der Plattform aufzuklären oder mit ihnen gemeinsam zu schauen. Hat man jüngere Kinder, empfiehlt sich die Nutzung des App-Ablegers YouTube Kids, ihre sicherste Voreinstellung heißt "Nur genehmigte Inhalte". Warum sie sinnvoll ist, erklärt diese Fotostrecke.



insgesamt 33 Beiträge
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Seite 1
norgejenta 28.02.2019
1. es ist ein unglaublich
schwieriges Thema. unserere tochter ist drei , geht in den kindergarten. Ich halte nichts davon es komplett zu verbieten, sie kommen ja doch irgendwie in kontakt damit. Ich seh mit ihr gelegentlich you tube Sachen an. aber sorge dafür das ich oder die frau immer dabei ist und die dinge wenn nötig kommentiere. ebenso fernsehen. Sie darf eine 1/2 stunde am tag fernsehen. das Sandmännchen. so was in der art. aber sie sieht nie allein. stets ist jemand von uns an der seite und erklärt oder sagt was dazu. Speziell wenn sie etwas nicht versteht. Aber irgendwie hat man das gefühl, egal wie man es macht, man macht es verkehrt...Von komplettverbot halt ich da nichts.
fatherted98 28.02.2019
2. Wie?
...was kann man tun? Ganz einfach....Empfangsgeräte (vom TV über PC bis zum Mobilfunkgerät) gehören in Kinderhände nicht....so einfach ist das. Wer sich allerdings gerne darauf einlässt das Kinder ewig und drei Tage mit diesen Geräte ihre Zeit verbringen damit er dann endlich Ruhe vor den Plagen hat....der soll sich anschließend nicht beschweren wenn Inhalte geschaut werden, von denen man nicht begeistert ist.
xcomm 28.02.2019
3. Warum greift unser Jugendschutz nicht bei Youtube, Amazon, Netflix?
bieten die nicht hier Ihre Dienste an, verkaufen Werbung und müssen dann unseren Gesetzen, etwa dem Jugendschutz folgen? Das scheint schon seit Jahren keinen zu interessieren. Diese US-Monster-Konzerne aus dem Valley (eBay, PayPal, Apple, Amazon, Youtube etc. ) scheinen hier alle tun und lassen zu können, was sie wollen - keine Steuern, keine Regeln und kein Jugendschutz. Soll mal der Lotto Laden um die Ecke nicht nach dem Alter fragen, dann ist der dran. An die Grosskonzerne trauen sich unsere Beamten nicht ran. Genau wie bei der Steuer. Amazon lässt chinesische Händler unser Steuer und Regelsystem in großem Stiel umgehen. Was passiert - nichts. Wehe ein kleiner Krauter hier macht da was falsch ... Positives Gegenbeispiel ist SONY PS Network. Extrem pingelig - Fragen nach Ausweis beim Jugendschutz. Aber Prime und Youtube müssen sich darum scheinbar nicht kümmern.
cptlars 28.02.2019
4. interessant
laut diesem Beitrag soll ich eine Urheberrechtsverletzung begehen um meinem Kind kindgerechte Videos zu präsentieren. herunterladen sollte man tunlichst lassen
three-horses 28.02.2019
5. Nicht so wie man denkt.
"wenn Inhalte geschaut werden"...was noch harmlos ist. Es ist das Upload...die Kamera im Kinderzimmer...das kann ein Handy sein oder ein "Baby Sitter". Bei "heise.de" gab es eine Menge Kommentare dazu. Nachwuchs aus dem Kinderwagen.
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