Das Angebot war verlockend: Auf der Website tomatolei.com konnte man sich Windows XP herunterladen, kostenlos und gecrackt. So war die sonst teure Software auch ohne einen gültigen Lizenzschlüssel auf jedem PC installierbar. Kein Wunder also, dass sich die Piraten-Website jahrelang enormer Beliebtheit erfreute. Doch damit ist seit Februar dieses Jahres Schluss, jetzt wurde den Betreibern in China der Prozess gemacht, die Beschuldigten zu harten Gefängnis- und Geldstrafen verurteilt.
Dabei liefen die Geschäfte vier Jahre lang offenbar prima. Im Mai 2004 begann der Programmierer Hong Lei gemeinsam mit seinem Partner Sun Xiansheng seine modifizierte Windows-XP-Version im Web anzubieten. Unter dem Titel Tomatengarten wurde die Software über eine eigens für den Software-Vertrieb eingerichtete Website verteilt. Geld verdienten die Betreiber nicht etwa, indem sie ihre Raubkopien verkauften, sondern schlicht durch den Verkauf von Anzeigenplätzen auf ihrer Web-Seite, die im Laufe der Jahre zunehmend populär, immer umfangreicher und professioneller wurde - und weitgehend ungestört ihre Dienste anbot.
Zehn Millionen illegale Windows-XP-Kopien
Im Februar 2009 kam das Aus, die Web-Seite wurde geschlossen. Wer jetzt die URL www.tomatolei.com eingibt, landet bei der Suchmaschine Google. Hong Lei und seine Kompagnons hingegen landen vorerst im Gefängnis. Hong und Sun wurden zu je dreieinhalb Jahren Haft und Geldstrafen von je einer Million Yuan (102.300 Euro) verurteilt, zwei Mittäter müssen für je zwei Jahre hinter Gitter. Zudem wurde die Chengdu Share Software Net Co. zu einer Geldstrafe von 8,7 Millionen Yuan (890.000 Euro) verurteilt und drei Millionen Yuan von ihrem Unternehmensgewinn eingezogen. Die Firma hatte die Web-Seite der Raubkopierer gehostet.
Der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua zufolge ist damit der bisher größte Fall von Software-Piraterie in China abgeschlossen worden. Wie die "Shanghai Daily" berichtet, sollen in den fast fünf Jahren, in denen die Tomatengarten-Gang aktiv war, rund zehn Millionen Exemplare von Windows XP von der Web-Seite heruntergeladen worden sein.
Druck aus dem Westen
Aus eigenem Antrieb sind die chinesischen Behörden dennoch nicht gegen die Profi-Piraten vorgegangen. Erst als die Business Software Alliance, eine US-Organisation, die gegen Raubkopierer vorgeht, sich offiziell über das illegale Treiben beschwerte, wurden die Ermittler aktiv.
Seit Jahren tobt ein erbitterter Streit zwischen den USA und China über das amerikanischen Urheberrechtsorganisationen, Lobbyisten und Politikern zufolge viel zu lasche Vorgehen chinesischer Behörden gegen Software- und Filmpiraten. Dass nun so öffentlichkeitswirksam gegen die Betreiber eines illegalen Angebots vorgegangen wurde, kann man als Zeichen dafür sehen, dass man seitens Chinas bemüht ist, dem Westen gegenüber Entschlossenheit im Kampf gegen illegale Kopien zu zeigen.
Ist das Glas halbvoll oder halbleer?
Der Kongressabgeordnete Howard Berman etwa sagte der Nachrichtenagentur Reuters: "Chinas Bemühungen, Urheberrechtsverletzungen zu stoppen, sind schwach und ineffektiv - sie drohen mit Stärke, sind aber schwach bei der Umsetzung." Zudem gebe es noch Hunderte andere chinesische Web-Seiten, die illegale Downloads und Links zu Raubkopien anböten. Berman profiliert sich seit Jahren als Verfechter eines härteren Vorgehens gegen Raubkopierer.
Die Business Software Alliance hingegen gibt sich diplomatisch, lobt das energische Vorgehen der chinesischen Behörden. In einer offiziellen Stellungnahme heißt es: "Das Urteil in diesem Fall manifestiert das Ende des größten chinesischen Software-Piraten-Syndikats und ist ein Meilenstein für Chinas Bemühungen im Kampf gegen Internetpiraterie."
Mak/Reuters/AP
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