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Der neue iPod nano Krasse Kameraeffekte und ein niedliches Radio

Mit Videokamera und Radio: Der neue iPod nano
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SPIEGEL ONLINE

Noch MP3-Player oder schon Camcorder? Apple hat den iPod nano mit Videokamera, Radiofunktion und anderen Extras aufgewertet. Matthias Kremp hat ausprobiert, wie gut sich der schlanke Winzling als Kamera-Ersatz macht - und als Trainingshelfer für Fitnessfreunde.

Eines wird mir unmittelbar nach dem Auspacken klar: Ich habe mir die richtige Farbe ausgesucht. Knallrot ist der neue iPod nano, den ich da in Händen halte. Klar, es gibt den schlanken MP3-Player in neun schicken Farben, aber das Rot sieht eben nicht nur gut aus. Für jeden verkauften roten iPod nano, den es ab 139 Euro gibt, spendet Apple einer Stiftung einige Dollar für den Kampf gegen Aids, Tuberkulose und Malaria. Das ist gut fürs Karma und hört sich als Begründung für die Wahl der Warnfarbe ganz toll an. Und gefragt wird man bei dieser Farbe öfter mal.

Aber ich schweife ab. Eigentlich soll es hier ja um die Technik des neuen - oder doch zumindest überarbeiteten - MP3-Players gehen. Und schon dieser Satz ist irgendwie falsch, denn ein MP3-Player ist der iPod nano ebensowenig wie fast alle anderen Geräte, die man heutzutage so benennt. Schließlich ist er eigentlich ein Multimedia-Player, kann er doch auch Bilder und Videos anzeigen - und jetzt sogar aufnehmen.

Glaubt man Apple, ist diese Fähigkeit - der nano als Videokamera - das Highlight des neuen Modells. Naja, zumindest neu ist sie. Von außen erkennt man die Videokamera an einer winzigen Linse nebst noch viel kleinerem Mikrofon. Hobbyfilmer werden bei den technischen Daten der Minikamera zusammenzucken. Die Auflösung des Videochips ist auf 640 x 480 Bildpunkte (VGA-Auflösung) beschränkt, weit von HD-Fähigkeiten entfernt. Fotos kann man damit gar nicht schießen. Steve Jobs begründet diesen Mangel damit, dass der Videochip besonders flach sein muss, um in den schlanken nano zu passen. Fotofähige Chips seien deutlich dicker.

Terminator-Look und Wärmebildeffekt

Aber filmen reicht erst einmal vollkommen aus. Schließlich will Apple mit der Videofunktion dieselben Kunden erreichen, die sich in den USA zu Tausenden begeistert Flip-Camcorder kaufen, Minimal-Videokameras, die in etwa genauso teuer sind wie ein iPod nano. Für diese meist jugendliche Zielgruppe sind die Videofähigkeiten des neuen iPod perfekt geeignet.

Zum einen, weil die Bildqualität bei guter Beleuchtung wirklich gut ist. Um kleine Filmschnipsel per E-Mail zu versenden oder via YouTube zu veröffentlichen, reicht's allemal. Außerdem kann man die Aufnahmen mit Videoeffekten verfremden, sie kaleidoskopartig verzerren und spiegeln, sie in Schwarzweiß altern lassen, ihnen den Look von Wärmebildaufnahmen oder die Sichtweise eines Terminators verpassen. Der einzige Haken dabei: Man muss bereits vor der Aufnahme auswählen, welchen Effekt man benutzen will, nachträglich geht gar nichts.

Das Radio ist ein Hit

Viel mehr darf man der Videofunktion aber auch nicht abverlangen. Sobald das Licht gedimmt wird, lassen die Sehfähigkeiten des Kameraauges nach, werden die Aufnahmen zu rauschenden Erlebnissen. Strand also ja, Tanzfläche eher nicht. Über spontane Schnellschüsse hinausgehende Funktionen gibt es nicht, nicht einmal einen Digitalzoom hat Apple spendiert.

Sehr ungewöhnlich: Selbstgedrehte Videos holt man auch am Mac nicht mit iTunes oder iPhoto aus dem Player heraus. Stattdessen muss man das Gerät als Festplatte konfigurieren, neue Filme händisch mit Hilfe der Computermaus aus dem Speicher des Players auf die Festplatte des Computers kopieren. PC-User kennen solche Vorgehensweise schon länger, für Apple-Anwender ist das neu.

Im Grunde weit bemerkenswerter als die neue Kamera ist aber ohnehin das Radiomodul des iPod nano. Mit dessen Integration kommt Apple einem oft geäußerten Wunsch vieler Anwender nach und schließt eine Lücke zu anderen Playern. Seit Jahren provozierte Apples Weigerung, ein Radio in iPods einzubauen, verständnisloses Kopfschütteln. Schließlich verfügen heutzutage selbst viele Billighandys über diese Technik.

Inkompatible Radiosender

Umso mehr wundere ich mich, dass Steve Jobs dieses Element in seiner Rede nur am Rande erwähnte. Denn eigentlich ist das Radio das heimliche Highlight des neuen iPod. Der Grund: die von Apple um den Radioempfänger gestrickte Software. Per Druck auf die Pause-Taste lässt sich das laufende Programm anhalten und später fortsetzen, etwa so wie man es von der Timeshift-Funktion digitaler Videorecorder kennt.

Einen Schritt weiter geht die Option, einzelne Musiktitel in Radiosendungen zu markieren, abzuspeichern und beim nächsten Synchronisationsvorgang mit iTunes abzugleichen. Die Software liefert daraufhin nicht nur die Erkenntnis, was man da gehört hat, sondern führt gleichzeitig - Achtung, Gewinnerzielungsabsicht - zum entsprechenden Download im iTunes Store, so dass man den Song sofort kaufen kann. Chapeau, das ist konsequent.

Benutzen kann man die sogenannte iTunes-Kennzeichnungsfunktion trotzdem nicht. Denn damit sie funktioniert, müssen die Radiostationen ihre Sendungen mit entsprechenden Tags versehen, die es iTunes erst ermöglichen, einzelne Lieder zu identifizieren. Ob ein Sender diese Tags mitsendet, zeigt ein kleines Symbol auf dem Display an. Bei Ausprobieren des nano-Radios habe ich dieses Mini-Icon allerdings weder in London noch in Hamburg, trotz gefühlt 20 ausprobierter Radiofrequenzen, auch nur ein einziges Mal zu sehen bekommen.

Tausend Schritte musst du tun

Also muss - oder darf - ich wohl auch weiterhin Radio hören, ohne gleich im Anschluss von iTunes zum Kauf der gerade gehörten Songs animiert zu werden. Schlimm ist das nicht. Die so gewonnene Zeit sollte ich lieber in meine Fitness investieren, um die sich der nano mit seinem eingebauten Schrittzähler jetzt auch noch kümmern will. Der macht externe Geräte, wie man sie bisher brauchte, um den nano als Trainingshilfe zu verwenden, überflüssig. Auf Wunsch registriert das Gerät kontinuierlich, wie viel Bewegung man bekommen hat, rechnet abhängig vom Körpergewicht den Kalorienverbrauch aus - ungefähr.

Nicht ungefähr, sondern ganz genau funktioniert die Voice-Over-Funktion. Auf Knopfdruck spricht sie den Titel des gerade gehörten Songs samt des Namens des Interpreten in die Kopfhörer. Kennt man schon vom iPod shuffle, macht aber auch am nano Spaß. Bleibt die Frage, warum das nicht auch die klassischen iPods können. An deren Rechenleistung kann es kaum liegen.

Aber bei Apple ticken die Uhren eben anders. Daran haben sich bislang weder das Unternehmen noch dessen Kunden gestört. So muss man iPod-Fans auch nicht sagen, dass andere Player schon lange mit eingebauten Radio geliefert werden. Und man muss ihnen auch nicht sagen, dass nahezu jedes Kamerahandy ebenso brauchbare Videos aufzeichnet wie der nano. Beim iPod zählen eben nicht nur die technischen Daten und Fähigkeiten. Es ist die Kombination aus elegantem Design und einfach bedienbarer Technik, die bei vielen Kaufreflexe auslöst.

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