Ich gebe zu, ich bin vorbelastet. Mein erstes Grafiktablett, ein Artpad von Wacom, schaffte ich mir 1994 an. Das knapp DIN A5 kleine graue Plastikding sollte meine Maus ersetzen, das Navigieren auf großen Bildschirmen beschleunigen - und das machte es gut. Die Funktionen zum Zeichnen und Malen nutze ich nur am Rande, musste das digitale Zeichenbrett nach dem Kauf eines neuen Computers einmotten. Der hatte den nötigen Anschluss nicht mehr, das Brettchen wanderte in den Keller.
Jetzt, Jahre später, hat Wacom ein Grafiktablett vorgestellt, das die Nachfolge des längst ollen Artpad antreten könnte, ein per Finger bedienbares Modell mit Multitouch-Fähigkeiten, das Bamboo Pen & Touch. Und das ist wirklich mal was anderes, wurde ganz offensichtlich von vornherein auch als Mausersatz konzipiert und bringt seine Malfunktionen eher als Beigabe mit.
Tatsächlich landete mit dem 90 Euro teuren Gerät eine Mischung aus iPhone- und Touchscreen-PC-Funktionen auf meinen Schreibtisch. Aber kann ein Touch-Tablett tatsächlich einen Touchscreen ersetzen? Die Idee jedenfalls ist verlockend und verspricht entspannteres Arbeiten als am Touchscreen-PC, bei dem man den Arm erheben muss, um den Bildschirm berühren zu können. Das Bamboo liegt dagegen in entspannt zu erreichender Distanz auf dem Tisch.
Wichtiger noch: Während die meisten Touchscreen-PC derzeit nur die Bewegungen eines einzigen Fingers auswerten können, ist das Bamboo Multitouch-fähig. Es kann die Bewegungen von zwei Fingern gleichzeitig verfolgen, eine Fähigkeit, die für die sogenannte Gestensteuerung unverzichtbar ist. Die Online-Hilfe des Bamboo listet mehr als ein Dutzend solcher Gesten auf, mit denen sich beispielsweise Bilder vergrößern, verkleinern oder drehen lassen. Wer schon mal ein iPhone benutzt hat, kennt das. Die übrigen Gesten erinnern an Funktionen, die mit den Touchpads moderner Notebooks möglich sind. So kann man scrollen, indem man mit zwei Fingern horizontal oder vertikal über das Tablett streicht.
Zumindest mir war es aber nicht vergönnt, alle versprochenen Funktionen wirklich zu nutzen. Die im Wacom-Kontrollfeld aufgeführte Aktion "Ziehen einrasten" etwa, die eine gedrückte Maustaste simuliert, funktionierte bei mir nicht. Dabei wäre sie durchaus wichtig, soll sie es doch ermöglichen, Objekte auf dem Desktop mit dem Finger anzutippen und dann zu verschieben. So aber musste ich stets eine der vier ExpressKeys genannten Tasten des Tabletts drücken, um tatsächlich einen Mausklick auszulösen. Schlimm ist das nicht, aber eben doch eine Einschränkung.
Allerdings scheint man sich bei Wacom darüber im Klaren zu sein, dass nicht alle Möglichkeiten des neuen Grafiktabletts intuitiv begreifbar sind. Wohl deshalb wird mit Wacoms Steuersoftware nicht nur ein PDF-Handbuch, sondern auch ein umfangreiches Lernprogramm installiert. Schaden kann das kaum. Wer zum ersten Mal mit einem solchen Tablett umgeht, würde viele Funktionen ansonsten wohl weder bemerken noch vermissen, was schade wäre.
Mit digitalem Radiergummi
Das gilt auch für die eher traditionellen Funktionen des Bamboo. Denn wer damit malen will, kann natürlich auch das gerne tun. Ein Zeichenstift liegt dem Bamboo Pen & Touch extra zu diesem Zweck bei, lässt - seiner druckempfindlichen Spitze sei Dank - Strickdicke oder -intensität fließend variieren. Wie bei einem Bleistift steckt am rückwärtigen Ende ein Radiergummi - oder zumindest dessen in Plastik gepresste Entsprechung. Die Funktion jedenfalls ist dieselbe: Radieren einfach durch umdrehen. Das ist praktisch.
Und auch eine kleine Schaltwippe für den Zeigefinger findet sich auf dem Stift. Sie dient dazu, Funktionen oder Tastenkombinationen aufzurufen. Für mich, das musste ich bei meinen Versuchen schnell feststellen, ist ein solcher Stift aber ganz offensichtlich nicht das Eingabemedium der Wahl. Zeichenversuche erreichten bestenfalls Grundschulniveau, meine Handschrift erwies sich als inkompatibel, sowohl zu Windows 7 als auch zu Mac OS X.
Ohne Kabel geht da nichts
Das Umschalten zwischen Touch-Bedienung und Stifteingabe funktioniert dankenswerterweise vollautomatisch. Sobald sich der Stift der Tablettoberfläche annähert, werden Fingerbewegungen ignoriert, nur noch der Stift beachtet. Andernfalls wäre man auch aufgeschmissen, müsste damit rechnen, dass jede versehentliche Berührung des Tabletts ungewollt eine Aktion auslöst.
Eine Batterie braucht der Stift trotzdem nicht, da er drahtlos vom Tablett mit Strom versorgt wird. Das Tablett selbst muss allerdings per USB mit dem Computer verbunden werden. Damit kann man leben, schöner wäre es aber drahtlos. Nicht nur, weil dann nicht noch ein Kabel auf den Schreibtisch herumzappeln würde, sondern weil das Tablett dann auch als Fernbedienung taugen würde, für Mediacenter-PC beispielsweise. Aber auch daran arbeitet man bei Wacom schon, hat aber offenbar noch ein paar technische Hürden zu überwinden.
Fit für Windows 7
Eben deshalb war es ganz richtig, das Bamboo Pen & Touch jetzt einzuführen. Das Konzept der Fingerbedienung ist dank Dutzender Touchscreen-Handys weithin bekannt. Vor allem aber kommt in Kürze Windows 7 auf dem Markt, dem Microsoft all jene Touch-Funktionen eingepflanzt hat, die bisher Tablet-PCs vorbehalten waren - und einige Multitouch-Funktionen. Mit der finalen Version des neuen Microsoft-Betriebssystems arbeitet das Bamboo jedenfalls problemlos zusammen, taugt nicht nur als Mausersatz, sondern auch zum Hinkritzeln handschriftlicher Notizen. Dasselbe gilt für Apple Ink, die weitgehend vernachlässigte Stift-Technologie von Mac OS X.
Aber braucht das irgendjemand? Notebook-User nicht, denn zumindest aktuelle Notebooks haben Touchpads eingebaut, die einige der Bamboo-Funktionen beherrschen. Bei Desktop-Rechnern sieht das anders aus. Wer von seiner Maus genervt oder auch am Computer nicht auf das iPhone-Feeling verzichten will, liegt mit einem Touch-Tablett richtig. Billiger als ein Touchscreen-PC ist es mit seinem Kaufpreis von 90 Euro allemal - viel billiger.
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Es wäre schön, wenn das Gerät, für das Windows 7 Betriebssystem, für das es angeblich gemacht wurde, auch funktioniert. Das Rotieren von Bilder z.Bsp. in der windowseigenen Bildanzeige geht nicht, im Gegensatz zu Vista und XP. [...] mehr...
Jetzt sitze ich drei Tage dran und bin sehr zufrieden damit. Das Touchpad ist präzise und die Gesten sehr intuitiv. Wenn man zeitweilig mehr Präzision braucht, kann man immer auch den Stift in die Hand nehmen. Die Beschwerden, [...] mehr...
Ich arbeite am PC, die ganze Zeit (Programmierer), und diese Behauptung kann ich nicht unterschreiben... Trackpads sind im Vergleich zur Maus extrem unpräzise, allein schon aufgrund der Abbildungsfläche, kein Wunder auch bei [...] mehr...
Und für lockere Bedienung ohne Maus und Tastatur, also z.B. schon zurückgelehnt, habe ich eh schon lange eine Alternative... es gibt da einen lustigen Adapter, mit dem kann man die Wii-Bedienung für den PC nutzen...... So'n [...] mehr...
Warum braucht man eine maus zum Spielen, wenn man so gewohnt im Umgang mit dem Toucpad ist? Hat eine Maus vielleicht doch Vorteile? Ich zumindest schließe meistens bei fremden Notebooks meine Maus an, denn die Präzision bei [...] mehr...
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