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06.10.2009
 

Windows Mobile 6.5

Microsoft floppt mit iPhone-Killer

Von Matthias Kremp

Foto: SPIEGEL ONLINE

Es sieht zwar verdammt gut aus, ist aber kein iPhone-Killer: Microsofts neues Handy-Betriebssystem Windows Mobile 6.5 glänzt zwar mit einer innovativen Oberfläche und teilweise vereinfachter Bedienung. Unter der schönen Schale aber verbergen sich reichlich Altlasten - und ein Software-Shop ohne Auswahl.

Ob das Absicht war? Auf Microsofts Venture Capital Summit soll Microsoft-Chef Steve Ballmer persönlich eine Breitseite gegen Microsofts neues Handy-Betriebssystem Windows Mobile 6.5 abgefeuert haben. Via Twitter zitierte ihn Paul Jozefak mit den Worten, Microsoft habe sein Handy-Betriebssystem vollkommen vermasselt, Ballmer würden sich wünschen, Windows Mobile 7 wäre schon fertig.

Nach einer Woche Windows Mobile 6.5 kann ich diesen Wunsch verstehen.

Relativ schnell machte sich bei mir der Eindruck breit, Microsofts Programmierer hätten nicht genug Zeit gehabt, das System wirklich konsequent umzukrempeln. Schließlich soll ganz oben auf der Pflichtenliste gestanden haben, Windows Mobile touchtauglich zu machen. Genau das scheint den Entwicklern erst einmal wunderbar gelungen zu sein. Auf dem Homescreen, sozusagen dem Desktop des Handys, findet man jetzt eine in großen Lettern gesetzte Liste von Themen wie Musik, Telefon, E-Mail und Kalender. Der jeweils ausgewählte Begriff wird von einem dicken Balken eingerahmt, dessen Verhalten ungewöhnlich und neu ist. Man kann sowohl die Liste unter dem Balken hindurch scrollen als auch den Balken selbst entlang der Liste bewegen. Das ist schön, intuitiv und schnell. Bravo.

Hinzu kommt, dass jeder Listeneintrag Informationen bereitstellen kann. Eine kleine Zahl neben dem Listeneintrag E-Mail zeigt an, wie viele ungelesene Mails noch warten. Ebenso wird angezeigt, wie viel Anrufe man nicht beantwortet hat oder wie viele SMS darauf warten gelesen zu werden. Außerdem kann jede Zeile mehrere Informationen, also etwa mehrere E-Mail-Konten, aufnehmen. Zwischen denen wechselt man einfach per Fingerstrich. Hier ist Microsoft eindeutig auf dem richtigen Weg in Richtung Touchscreen-Oberfläche.


Steigt man dann aber eine Ebene tiefer in das neue Windows ein, ist der schöne Schein schnell verflogen. Der Kalender etwa, nur einen Fingerklick vom Homescreen entfernt, unterscheidet sich nur in Teilen von seinem Vorgänger. So gibt es ein neues Menü namens "Menü" (wer denkt sich so etwas aus?) mit einigen Grundfunktionen, die sich prima per Finger bedienen lassen.

Wählt man dort aber beispielsweise "Neuer Termin" aus, landet man in derselben fingerunfreundlichen Eingabemaske wie eh und je. Hier kommt man nur mit spitzen Fingern weiter. Verwunderlich: Tippt man in eines der Eingabefelder, öffnet sich nicht, wie man es erwarten würde, eine virtuelle Tastatur, sondern es passiert das, was man eben nicht erwarten würde: gar nichts. Beim Testgerät ließen sich erst nach dem Aufschieben der eingebauten Tastatur eigene Texte eintippen. Gut, dass das Samsung-Testgerät eine Tastatur hat.

Touchscreen mit Stiftbedienung

Gut auch, dass Samsungs Ingenieure das bisschen Platz, das sich noch in dem etwas dicklichen Gehäuse freimachen ließ, genutzt haben, um einen Stift unterzubringen. Das mag für ein Touchscreen-Handy ungewöhnlich sein. Aber der Stift ist überraschend häufig nötig. Insbesondere, wenn man sich durch altbackene Menüs mit kleiner Schrift auf weißem Grund hangeln muss, wie etwa beim Kalender oder den regionalen Einstellungen.

Das ändert sich auch dann nicht wirklich, wenn man ins "Start"-Menü wechselt. Das ist eigentlich kein Menü mehr, sondern eine mit Icons bebilderte Liste der installierten Anwendungsprogramme. Vom Telefon über E-Mail bis zum RSS-Reader sind hier schon vom Start weg Dutzende Anwendungen abrufbar. Das ist einerseits schön, weil man viel Auswahl hat, vom Start weg weit mehr Funktionen geliefert bekommt als man erwartet. Lästig ist nur, dass man auf eben diese Icon-Ansicht festgenagelt ist. Denn, sich auf diese Weise durch mehr als 50 Symbole zu hangeln, kostet manchmal Zeit und Nerven. Schöner wäre es, wenn man auch ganz pragmatisch auf eine schnelle Listenansicht umschalten könnte.

Probleme mit dem W-Lan

Optisch hübsch gelöst ist die Verbindungsaufnahme mit drahtlosen Netzwerken. Hier wird das Windows-Handy wie eine Sonne im Zentrum eines Sonnensystems, umgeben von Planeten (das sind Funknetzwerke) dargestellt. Per Fingertipp auf ein solches Symbol werden die entsprechenden Konfigurationsdialoge aufgerufen, über die man beispielsweise das Netzwerk-Passwort eingeben kann. Im Test funktionierte das aber nicht immer problemlos. So nahm das Handy nicht automatisch Kontakt zu bekannten Netzwerken auf, vergaß bereits eingegebene Passworte. Gelegentlich stürzte sogar die komplette W-Lan-Software ab.

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