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23.10.2009
 

Psystar Rebel EFI

Software soll PC zu Macs machen

Von Matthias Kremp

Psystar-Web-Seite: Per "Rebel EFI" soll man Standard-PC in Macs verwandeln könnenZur Großansicht

Psystar-Web-Seite: Per "Rebel EFI" soll man Standard-PC in Macs verwandeln können

Einen PC billig kaufen, dann einen teuren Mac daraus machen - eine neue Software soll die Apple-Umrüstung von Computern auch für Normalanwender möglich machen. Dahinter steckt eine Firma, die schon seit eineinhalb Jahren Mac-Nachbauten anbietet und sich einen langen Rechtsstreit mit Apple liefert.

Die Software Rebel EFI von Psystar soll es leichter machen als je zuvor, Apples Betriebssystem Mac OS X auf Standard-PC zu installieren. Bisher hatte die Firma aus Miami sich darauf beschränkt, vorkonfigurierte Computer zu verkaufen, auf denen Mac OS X bereits installiert ist. Die neue Software hingegen soll es quasi jedermann ermöglichen, seinen Heim-PC zum Mac-Klon zu machen.

Bis vor etwa eineinhalb Jahren schafften das nur sehr ambitionierte Bastler. Einen sogenannten Hackintosh zusammenzubauen, erforderte erhebliche Online-Recherchen nach den passenden Treiberprogrammen und Anpassungen, die Standard-Hardware Mac-OS-X-kompatibel machten. Im Frühjahr 2008 erschien dann plötzlich die Garagenfirma Psystar auf der Bühne, bietet seither PC an, auf denen Apples Mac OS X läuft, die aber viel billiger sind als die Originale. Tester bemängelten bei Psystars Nachbauten vor allem mangelnde Verarbeitungsqualität und laute Betriebsgeräusche.

Vermutungen, Apple werde dem Klon-Hersteller mit Hilfe seiner Rechtsabteilung bald den Saft abdrehen, bewahrheiteten sich bisher nicht. Zwar liefern sich die Firmen Scharmützel vor Gericht, ein Sieger ist aus den Streitigkeiten bisher aber nicht hervorgegangen. Im Gegenteil. Seit Anfang des Jahres bietet auch die deutsche Zwei-Mann-Firma Hypermeganet eigene Pseudo-Macs an. Zudem beliefert Art Studios Entertainment PC-Bastler mit dem USB-Modul EFI-X, das ebenfalls Standard-PC-Hardware für Mac OS X zugänglich macht. Das kostet allerdings - inklusive Versand, Steuern und Zoll - in Deutschland fast 240 Euro, was den Preisvorteil des Selbstbau-Macs arg schrumpfen lässt.

Systemvoraussetzungen - Fehlanzeige

Diese Hürde wollen die Mac-Kloner von Psystar jetzt fallen lassen. Ihre Software kostet vergleichsweise günstige 50 Dollar, also rund 33 Euro. Was man dafür bekommt, kann man vorher ausprobieren. Das Software-Paket selbst nämlich kann man als Testversion kostenlos von der Web-Seite des Herstellers herunterladen. Natürlich ist diese Testversion eingeschränkt, läuft nur zwei für Stunden und stellt laut Psystar "nur eingeschränkte Hardware-Funktionen" bereit.

Diese zwei Stunden aber wird man auch brauchen, um auszuprobieren, ob der Hack-Trick mit dem eigenen PC auch wirklich funktioniert. Mit Angaben darüber, welche Hardware Rebel EFI tatsächlich erkennt und welche Zusatzgeräte die Software unterstützt, hält sich die Firma nämlich zurück. Sie lässt lediglich wissen, dass nur Intel-Prozessoren der Typen Core 2 Duo, Core 2 Quad, i7 und Xeon unterstützt werden. Ansonsten hilft nur ausprobieren. Gerade die Suche nach angepasster Treibersoftware, die PC-Komponenten in Pseudo-Macs einbindet, gehört zu den Aufgaben, die Hackintosh-Bastler oft tagelang beschäftigen.

Dass Psystar damit rechnet, dass es Probleme mit einzelnen Bauteilen oder PC-Zubehör geben könnte, zeigt sich schon an der Software selbst. Die enthält einen eigenen Menüpunkt für Supportanfragen. Über den sollen Anwender Probleme mit bestimmten Bauteilen berichten, in der Hoffnung, von Psystar entsprechende Updates zu bekommen. In Fällen besonders störrischer Geräte hofft die Firma, man werde diese einschicken, damit entsprechende Treiber programmiert werden können.

"Psystar Certified"

Normalerweise aber erkennt die Software laut Psystar "die installierten Komponenten selbst und installiert die entsprechenden Treiber". Und überhaupt sei die Software ja nicht einzig dafür geschrieben, Mac OS X auf PC zu bringen. Der "Darwin Universal Boot Loader", kurz DUBL, den Rebel EFI auf der Festplatte installiert, könne auch Windows 7, XP, Vista und Linux laden.

Bleibt die Frage, wie Apple wohl auf Psystars neuen Schachzug reagiert. Gegen die Klon-Computer des Unternehmens konnte die Firma um Steve Jobs bisher nichts ausrichten, dürfte von dem neuen Angebot kaum begeistert sein. Und das nicht nur, weil Psystar es PC-Usern jetzt so leicht macht, das für nur 29 Euro angebotene Mac OS X 10.6 auf ihren Rechner zu installieren.

Wenig amüsiert dürften die Kalifornier vor allem darüber sein, dass Psystar seine Klon-Software jetzt auch anderen PC-Herstellern anbietet. Die sollen ihre Rechner künftig mit vorinstalliertem DUBL und einer Mac-OS-X-DVD DVD als eigene Mac-Nachbauten anbieten, hofft Psystar - versehen mit dem Siegel "Psystar Certified" als Qualitätsgarant.

Wenn das keine Steilvorlage für Apples Anwälte ist.

mak

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