Sonntag, 22. November 2009

Netzwelt



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11.11.2009
 

Mobilfunk der Zukunft

Nokia startet Aufholjagd gegen Apple

Aus Espoo berichtet Stefan Schultz

Wer die schlauesten Handy-Anwendungen anbietet, wird den Mobilfunkmarkt der Zukunft beherrschen. Momentan hat Apple die Nase vorn - jetzt versucht Nokia, mit neuen Angeboten zu kontern. In Testlaboren bastelt der Telefonriese Applikationen, die die Realität erweitern sollen.

Stellen Sie sich eine Handy-Anwendung vor, die über einen Tastsensor Ihren Stresslevel misst und die zu ihrem Gemütszustand passende Musik abspielt. Dass Sie die Nummer des Notrufs wählen und ein Arzt, der sich zufällig in einem benachbarten Gebäude aufhält, automatisch darüber informiert wird. Oder dass Sie Ihr Smartphone in der Stadt auf Gebäude richten und das Telefon ihnen anzeigt, wie ihre Umgebung vor 50 oder 100 Jahren ausgesehen haben dürfte.

Augmented Reality, erweiterte Realität, heißt das Schlagwort für solche Tech-Visionen, die Wissenschaftlern zufolge in den kommenden Jahren die Mobilfunkbranche durcheinanderwirbeln könnten. Es geht um Bilder und Videos, um Informationsschilder und Töne, die das Smartphone dem Nutzer an Ort und Stelle aus dem Internet saugt und auf dem Display mit dem Abbild der Wirklichkeit kombiniert. Das Handy wird so zu einer Art Sinneserweiterung.

Die großen Player im Handy-Markt, aber auch Forschungsinstitute wie das MIT oder SRI International erforschen solche Technologien bereits jetzt in ihren Laboratorien. Ein Unternehmen, das sich derzeit intensiv damit beschäftigt, wie Smartphones unsere Realität erweitern können, ist auch Nokia. SPIEGEL ONLINE hat sich auf der Veranstaltung The Way We Live Next, auf der der finnische Handy-Riese alljährlich neue Produkte vorstellt, nach der Zukunftstechnologie umgesehen.

Eine der Trumpfkarten

"Die Möglichkeit, per Handy ortsbezogene Informationen abzurufen, ist bereits jetzt ein bedeutsames Wettbewerbsmerkmal", sagt dazu Entwicklungschefin Mary McDowell. Die direkte Einblendung dieser Informationen an Ort und Stelle sei die logische Weiterentwicklung dieser Dienste.

Marktexperten halten Augmented Reality ebenfalls für einen der Hebel, die die Nutzung des Mobilfunks der vierten Generation befördern. Ein Grund dafür sei, dass die Marktteilnehmer viel dafür tun dürften, die nächste Mobilfunk-Runde nicht von Anfang an zum Gegenstand von Preiskämpfen werden zu lassen und sich stärker über neue Funktionalitäten und Inhalte von der Konkurrenz abzuheben, sagt Kai Bender, IT-Experte und Partner der Unternehmensberatung Oliver Wyman.

Diese Entwicklung deutet sich bereits an. Die Macht auf dem Mobilfunkmarkt wird zusehends darüber definiert, wie schlau die Handy-Anwendungen sind, die ein Konzern anbietet. Je stärker und vielfältiger die Dienste, die auf einem Smartphone verfügbar sind, desto größer werden die Verkaufschancen.

Die "Business Week" sieht wegen dieser Entwicklung sogar schon das Zeitalter der "App Economy" anbrechen. Den weltweiten Branchenführer Nokia aber stellt diese Entwicklung vor beträchtliche Probleme. Denn in punkto Handy-Software hat sich der Konkurrent Apple mittlerweile einen deutlichen Vorsprung erarbeitet.

Gut hunderttausend Programme bieten die Amerikaner mittlerweile für ihr iPhone an. Nokia hat gerade mal einige tausend Anwendungen in seinem Ovi Store. Das schlägt sich offenbar auch auf die Smartphone-Verkäufe nieder: In diesem Segment hat Nokia gegenüber der Konkurrenz deutlich Anteile verloren.

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