Mittwoch, 10. Februar 2010

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20.11.2009
 

Neuer Google-Coup

Navi-Mammuts sind vom Aussterben bedroht

Von Christian Stöcker und Matthias Kremp

REUTERS/ Google

Sie haben 2500 Euro für das Navi-System in ihrem Auto ausgegeben? Kann man machen, muss man aber nicht. Denn der Markt für die Orientierungshelfer gerät ins Rutschen. Newcomer werden brutal unter Druck gesetzt - und der Gigant Google könnte am Ende als Sieger dastehen.

Die Zukunft des Internets liegt auf der Straße. Daran zweifelt kaum jemand, der jetzt schon in der komfortablen Situation lebt, ein internetfähiges Handy mit entsprechendem Datenvertrag zu besitzen - gerade unterwegs ist man häufig darauf angewiesen sich schnell Informationen oder Orientierung zu verschaffen, und was wäre da besser geeignet, als die universelle Antwortmaschine Internet?

Doch mobiler Web-Zugriff ist nur der erste Schritt. Der zweite und dritte werden dafür sorgen, dass sich der Globus nach und nach mit einem unsichtbaren Netz aus Informationen überzieht, ohne die wir alle bald nicht mehr auskommen wollen werden. Das Fenster in dieses Informationsuniversums wird das Handy sein. Die Verschmelzung von satellitengestützter Navigation, Karten- und Bildmaterial von jedem beliebigen Ort und all der Information, die das Netz über viele Orte auf diesem Planeten bereithält, ist noch nicht einmal ansatzweise erschlossen.

Wie die mobile Navigations- und Informationszukunft aussehen wird, kann man heute schon erahnen. Was allerdings in diesen Tagen erst deutlich wird, ist, wie brutal der Überlebenskampf auf diesem doch eigentlich noch jungen Markt geworden ist. Am Ende könnte einmal mehr Google als Sieger dastehen. Für Branchengiganten wie Tomtom, Garmin und auch Nokia brechen sehr schwere Zeiten an.

Wie erbittert der Kampf um die Umsätze bereits tobt, zeigt der Fall des Branchenneulings Skobbler: Die Firma, ursprünglich ein Projekt von Navigon, wurde 2008 als selbstständiges Unternehmen ausgegründet und bot zunächst eine Navi-Software mit integrierter Umkreissuche für Handys von Herstellern wie Nokia, LG und Samsung an. Als aber eine Skobbler-Version für das iPhone in Apples App Store erschien, wurde es turbulent. Die Software war plötzlich Megaseller und Zankapfel zugleich.

Billig-Software gefährdet Mega-Erlöse

"Zuerst hat uns Navigon noch zu dem überraschenden Erfolg gratuliert", sagt Skobbler-Mitgründer Marcus Thielking SPIEGEL ONLINE. Als Skobbler dann aber binnen weniger Tage zur meistverkauften Anwendung im App Store wird, wendet sich das Blatt. Offensichtlich greifen iPhone-Anwender, die eine Navi-Software suchen, jetzt lieber zu Skobbler als zur Navigon-Lösung. Eine verständliche Entscheidung. Skobbler ist zwar bei weitem nicht so umfangreich wie die Software von Navigon, wird aber zur Einführung für 3,99 Euro angeboten. Die Navigon-Software kostet dagegen, je nach Kartenabdeckung, zwischen 70 und 100 Euro. Skobbler ist ein Schnäppchen für Pragmatiker.

Skobblers Erfolg schadet Navigons und Apples Umsätzen gewaltig. Genaue Angaben darüber, um wie viel Geld es dabei geht, oder wie viele Exemplare einer App man verkaufen muss, um im App Store auf dem ersten Platz zu landen, machen weder Apple noch die im App Store vertretenen Anbieter. Man kann allerdings davon ausgehen, dass zumindest ein paar tausend pro Tag verkaufter Exemplare nötig sind, um an die Spitze zu kommen. Je nach Preis kann ein Topseller also durchaus fünf- bis sechsstellige Umsätze generieren - täglich.

Auf einmal übte irgendjemand Druck auf Skobbler aus. Wer genau das ist, mag die Firma zunächst nicht verraten. Thielking spricht im Skobbler-Blog nur von Anrufen, die "nicht nett" seien, und erklärt lediglich, "Konstellation und Schlagkraft der 'Anrufer'" könnten " ein wirklich ernstes Problem für Skobbler insgesamt" werden. Erst jetzt erklärt das Unternehmen, Navigon habe offenbar versucht Apple dazu zu bewegen, Skobbler aus dem App Store zu entfernen. Navigon wollte zu dem Vorwurf auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE derzeit keine Stellung nehmen.

Zunächst fügte sich die kleine Firma den Forderungen: Marcus Thielking meldete im Skobbler-Blog, man werde den Preis für die Applikation bereits ab dem 17. Oktober, gut einen Monat früher als geplant, auf 7,99 Euro erhöhen. Zudem müsse man den Anbieter des Kartenmaterials wechseln. Bisher nutzte Skobbler die Karten der Nokia-Tochter Navteq in Lizenz. Diese Lizenz ist dem Unternehmen nun offenbar entzogen worden.

Das Resultat dieser Ankündigung und der Verdopplung des Preises: Skobbler verliert binnen kürzester Zeit seinen Spitzenplatz im App Store, ist mittlerweile nicht einmal mehr in den Top 10 vertreten. Gerüchten zufolge ging die Zahl der verkauften Skobbler-Apps seither um mehr als die Hälfte zurück. Mittlerweile hat Navigon Klage gegen Skobbler eingereicht. Als Reaktion hat die kleine Firma den Preis für ihre Lowcost-Software vorerst wieder gesenkt, auf 4,99 Euro.

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