Von Christian Stöcker und Matthias Kremp
Der Coup, den Google in den USA gelandet hat, steht auch Europa vermutlich in nicht allzu langer Zeit bevor. Er basiert auf der Tatsache, dass die Streetview-Kameraautos, die seit vielen Monaten durch deutsche Städte fahren, in Wahrheit trojanische Pferde sind - sie tun viel mehr, als nur Straßenzüge und Häuserfronten zu fotografieren. Für Turn-by-Turn-Navigation braucht man sehr spezielle Informationen - wo ist eine Einbahnstraße, wie viele Fahrspuren gibt es, welche Geschwindigkeitsbegrenzungen gelten wo? Manche kann man sich wohl aus Datenbanken besorgen, andere müssen vor Ort erhoben werden - und natürlich die Karteninformation selbst. All das haben die Streetview-Autos in den USA bereits erfasst, was Google auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE bestätigte. Deshalb steht auf den Googlemaps-Karten für Nordamerika als Rechteinhaber nun nicht mehr TeleAtlas oder NavTeq in der rechten unteren Ecke - sondern Google.
Was das bedeutet, illustriert man am besten mit zwei schlichten Zahlen: 2,7 Milliarden Dollar - soviel hat Tomtom im Juli 2007 für den Karten-Anbieter TeleAtlas bezahlt. Und 8,1 Milliarden Dollar - soviel zahlte Nokia zwei Monate später für den einzigen echten TeleAtlas-Konkurrenten NavTeq. Googlemaps bestanden lange Zeit fast ausschließlich aus dem Material der beiden Mapping-Giganten. Schon im September 2008 jedoch trennte sich der Suchmaschinenkonzern von NavTeq. Im Oktober 2009 war dann TeleAtlas dran. Nun steht auf allen Karten für die USA rechts unten: Copyright Google.
Im Handstreich und nahezu unbemerkt hat sich der Suchmaschinen-Konzern seine eigenen Karten gemalt, komplett mit allen Informationen, die man zum Navigieren braucht. Es liegt auf der Hand, dass die laut Google "Dutzenden" Streetview-Autos, die noch bis Ende November durch Deutschland fahren, genau den gleichen Auftrag haben wie ihre Kollegen in den USA. Ein Telefon mit Gratis-Navi für Deutschland oder ganz Europa dürfte nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen. Streetview Deutschland jedenfalls soll es im Frühjahr, spätestens in der ersten Hälfte 2010 geben.
Geschäftsmodell Vor-Ort-Online-Werbung
Googles Pläne zu erraten ist nun nicht mehr weiter schwierig: Die äußerst mächtige Verbindung von Ortsinformation und Sachinformation, die mobile Navigationsgeräte nun bieten können, ist für Kunden unheimlich nützlich. Für Google dagegen ist sie eine völlig natürliche Erweiterung des eigenen Geschäftsmodells: "Sponsored Links" zu nahegelegenen Restaurants, Autowerkstätten, Tankstellen oder Einzelhändlern könnten für die Werbetreibenden womöglich noch effektiver sein als die bezahlten Suchergebnisse, mit denen der Konzern bislang seine Milliarden verdient. Das Geschäftsmodell "kostenlos für den Kunden" hat sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich als anderen überlegen erwiesen.
Eine Einschränkung gibt es allerdings: Um die Google-Navigation zu nutzen, muss man per Datenverbindung auf einen Server zugreifen - kontinuierlich. Besonders bei internationalen Reisen könnte das ein nicht zu vernachlässigender Stolperstein für Googles Strategie werden - Daten-Roaming ist immer noch absurd kostspielig.
Es ist also im Interesse des Konzerns, möglichst schnell und möglichst flächendeckend preisgünstige mobile Daten-Flatrates durchzusetzen. Mobilfunkanbieter, die ihren Kunden Google-Handys anbieten wollen, können sich wohl auf äußerst harte Verhandlungen mit den Suchmaschinisten einstellen. Den Navigationsgeräte-Herstellern dagegen werden Verhandlungen nicht mehr helfen - sie können nur überleben, wenn ihre Produkte so viel besser sind, dass zumindest einige Kunden weiterhin dafür zahlen wollen. Dass die aber lieber sparen, zeigt eindrücklich der Fall Skobbler.
Auf anderen Social Networks posten:
Das Schöne an den Navis ist ja, daß man sie nicht kaufen MUß! Nach wie vor gibt es Papierkarten, und Nach-dem-Weg-Fragen ist auch nicht verboten. Ich bin einer dieser "Navi-Junkies". Habe bereits 2006 für stramme 300€ [...] mehr...
Dann fragen Sie mal die,die einfach mal so eben von der CIA gekidnappt worden sindund in Gefängnissen irgendwo unschuldig einsitzen. mehr...
Da spricht mir endlich einer von der Seele. Wie haben den all die Menschen bis jetzt überleben können,so ganz ohne Navi. Scheinen ja alle ohne Navi ganz aufgeschmissen zu sein und alle fahren natürlich nur zu unbekannten [...] mehr...
das Ziel ist doch eigentlich immer gleich, bequem und sicher ankommen. Ich habe Zweifel an der Datensammlung und -verwertung Googles und werde das System sicher nicht nutzen. Mit einem handelsüblichen TomTom für 200 € fahre ich [...] mehr...
Ich fahre seit drei Jahren mit TomTom auf Smartphone Auto, Motorrad und Fahrrad. Ausreichende Lösung für 90€. Google Maps für Mobile steht dem nichts nach, bis auf die Sprachausgabe. Wenn das jetzt bald funktioniert sieht es für [...] mehr...
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