Von Konrad Lischka
Es gibt sie also doch: Seit Jahren verspricht der legendäre Digitalkamerahersteller Red (mit der Red One wurden zum Beispiel "District 9", "Che" und "Antichrist" gedreht) eine kleine, einigermaßen bezahlbare Videokamera für ambitionierte Amateure. Die Red Scarlet sollte 2009 erhältlich sein, war dann aber nur in den Produktankündigungen zu sehen. Auf der CES zeigten Red-Manager nun ein funktionierendes Scarlet-Modell.
Mitte des Jahres soll es dann angeblich so weit sein: Für knapp 5000 US-Dollar soll ein Komplettset der Scarlet mit Objektiv (8-fach-Zoom), Gehäuse, Touchscreen, Compact-Flash-Modul und Fernbedienung auf den Markt kommen. Wenn die Scarlet-Videokamera in diesem Jahr nun wirklich erscheint, wird sie den großen Fotoherstellern auf dem Videomarkt große Probleme bereiten: Canon und Nikon werben für ihre teuren Spiegelreflexkameras (für das Gehäuse einer Canon 5D Mark II und Nikon D700 zahlt man knapp 2000 Euro) mit den HD-Video-Fähigkeiten.
Für Videofilmer ist die versprochene Auflösung der Red Scarlet interessant: Bis zu 120 Einzelbilder in der Sekunde mit einer Auflösung von 3072 mal 1728 Pixeln soll die Kamera aufzeichnen. Da können die Spiegelreflex-Filmer kaum mithalten, die zeichnen Videos nur mit 30 Einzelbildern in der Sekunde bei einer Auflösung von 1920 mal 1080 Bildpunkten auf.
Besonders interessant macht die Red Scarlet der modulare Aufbau des Systems: Wer viele Nikon- und Canon-Objektive besitzt und nur der HD-Videos wegen ein neues Gehäuse kaufen will, kann auch ein Scarlet-Gehäuse mit Adapter für Nikon- oder Canon-Objektive kaufen (angeblich für weniger als 2800 US-Dollar). Wie gut die Objektive mit dem Sensor der Scarlet zusammenarbeiten, müssen Tests erst noch zeigen.
Dem Digitalkameramarkt kann die Konkurrenz von Red nur guttun: Von Canon und Nikon hat man seit Jahren keine Innovation außerhalb der vorgegebenen Bahnen gesehen. Ihre Digitalkameras haben dieselbe Bauform wie ihre filmbasierten Vorläufer vor zwei Jahrzehnten. Kleine Kameras mit großen Sensoren haben weder Canon noch Nikon im Angebot, zum Filmen taugen die Spiegelreflex-Klötze nur sehr eingeschränkt.
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