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11.01.2010
 

Cloud Computing

Schwarmintelligenz für Alt-Elektronik

Nokia-Handys, vorvorvorletzte Generation: Per Cloud-Computing ins Web gewuchtetZur Großansicht
REUTERS

Nokia-Handys, vorvorvorletzte Generation: Per Cloud-Computing ins Web gewuchtet

Twitter auf einem Navigationsgerät, Online-Videos auf einem Uralt-Handy, MP3-Radio auf der Spielkonsole: Ein Berliner Unternehmen will scheinbar veralteter Hardware die Möglichkeiten des mobilen Webs nahebringen. Cloud Computing und die Hilfe eines der MP3-Erfinder sollen den Erfolg bringen.

Wer das Internet mobil nutzen will, muss keine neue Hardware kaufen. Nicht weniger als das verspricht eine Technologie, die von einem Berliner Start-up entwickelt wurde und von einem der MP3-Erfinder, Karl-Heinz Brandenburg, unterstützt wird. Das Unternehmen will "dumme Geräte" scheinbar schlau machen, will scheinbar völlig veralteten Mobiltelefonen und anderen technisch unterbelichteten Gadgets die Möglichkeiten moderner Smartphones und Notebooks zugänglich machen.

"Als ich diese Leute zum ersten Mal traf, hörte sich das für mich verrückt an", sagte Brandenburg der Nachrichtenagentur AFP in Las Vegas. Aber ihn habe man schließlich auch nicht ernst genommen, als er mit der Entwicklung des MP3-Formats begann. Heute ist die Technik, die er mit einem Forschungsteam am Fraunhofer Institut für Integrierte Schaltungen entwickelte, ein weltweit verbreiteter Standard für Audiodateien, die im Netz, auf Handys, Computer und etlichen anderen Geräten genutzt wird.

Am Rande der Unterhaltungselektronikmesse CES zeigte Brandenburg nun in einer Suite im Las Vegas Hilton, wie die Technik von Perfect Stream funktionieren soll. Anhand diverser Beispielgeräte wurde dabei demonstriert, wie scheinbar vollkommen veraltete Hardware Anwendungen abspielt, für die sie eigentlich gar nicht geeignet ist. So wurden beispielsweise Videos auf einen digitalen Bilderrahmen und ein altes Nokia-Handy überspielt, obwohl diese Geräte eigentlich gar nicht dafür vorgesehen sind.

Der Trick bei dem Verfahren, das Perfect Stream anwendet, ist es, nahezu jegliche Inhalte speziell für das jeweilige Endgerät aufzubereiten. Normalerweise wäre ein solches Verfahren viel zu aufwendig, weil ein Anbieter solcher Dienste große und teure Rechnerparks betreiben müsste, um beispielsweise Videos in die exakte Auflösung und Farbtiefe des jeweiligen Gerätes umzurechnen. Die Berliner aber wollen diese Arbeit via Cloud Computing ins Internet auslagern, wollen die Rechenleistung des Netzes nutzen, um die Arbeit zu erledigen.

Mobiles Internet für Technik-Oldies

Die einzige Grundvoraussetzung sei, dass das jeweilige Endgerät Audio- und Videofähig ist, erklärt das Berliner Unternehmen. Mehr wird nicht erwartet. Die Perfect-Stream-Software erkenne dann selbstständig, um was für ein Gerät es sich handelt und setze den Umwandlungsprozess in Gang. Dabei soll der Dienst nicht ausschließlich auf Audio- und Videodateien beschränkt sein. Auch Twitter-Meldungen oder Nachrichten-Feeds sollen über das System auf allerlei Endgeräte übertragen werden können. Selbst Spielkonsolen und Navigationsgeräte werden als potentielle Empfänger genannt.

Dass die Berliner ihr System gerade jetzt in Las Vegas präsentieren, kommt genau zum richtigen Zeitpunkt. Denn die Technik könnte Mobilnetzbetreiber auch helfen, die Auslastung ihrer Netze besser zu steuern. Etwa, indem sie bei hoher Auslastung die Qualität der ausgelieferten Videoströme reduzieren oder die beste Bild- und Tonqualität nur Premiumkunden anbieten. Netzbetreibern wie AT&T könnte eine solche Technik gerade jetzt aus der Patsche helfen, steht deren Netz doch wegen Überlastungsproblemen immer wieder in der Kritik. Offenbar surfen die so sehr umworbenen iPhone-User mehr, als das Netz verkraften kann.

Da kämen den Betreibern Anwender gerade recht, die nicht mit einem Highspeed-Smartphone eine Web-Seite nach der anderen aufrufen, twittern was das Zeug hält und unterwegs Internetradio hören, sondern sich bescheiden mit maßgeschneiderten und deshalb wenig datenintensiven Online-Datenströmen beliefern lassen. Nur den Handy-Herstellern dürfte das kaum gefallen, wenn plötzlich längst als veraltet und zum Ersatzkauf abgeschriebene Mobilfunk-Oldies Erstkontakt zu Twitter und Co. aufnehmen können.

mak

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Das Endgerät ist beim Cloud Computing nur ein Fenster auf einen stets aktuellen Datenbestand. Wer am Rechner einen Termin einträgt, sieht ihn später auch beim Blick in den Handy-Kalender, wer mobil einen Kontakt einträgt, kann ihn später am PC abrufen - immer nur online, versteht sich. Das Gleiche gilt für Adressbücher, E-Mails, online abgelegte Fotos, Dokumente und so weiter.






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