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13.01.2010
 

Messefazit

Eine Woche Vaporware

Von Matthias Kremp

Was war das für eine tolle Veranstaltung: Auf der Unterhaltungselektronikmesse CES in Las Vegas wurden 3-D-Fernseher präsentiert, biegsame E-Book-Reader gezeigt und Dutzende neue Netbooks angekündigt. Wirklich kaufen kann man von all dem Hightech-Klimbim aber kaum etwas.


Nach vier Tagen CES muss man sich fragen: Und, was gab's Neues? Einiges, lautet die vorschnelle Antwort. Hardware-Hersteller und Technikzulieferer übertrumpften sich Tag um Tag mit immer neuen, oft beeindruckenden Ankündigungen. Aber dabei blieb es dann meist auch. Viele Geräte, die da als wegweisende Technologieträger, als trendige Hightech-Entwicklungen zu bestaunen waren, sind nicht mehr als genau das: Technologieträger und Trendmarken - echte Produkte sind sie nicht.

Das fängt schon bei den E-Book-Readern an, die eines der Trend-Themen auf der wichtigsten jährlichen Messe für Unterhaltungselektronik waren. Schon am 4. Januar, drei Tage vor der Messeeröffnung am 7. Januar, machte die Firma Skiff mit ihrem Skiff-Reader auf sich aufmerksam - mit großem Erfolg. Das verwundert auch nicht wirklich, denn das Ding ist ungefähr so groß wie ein Blatt DIN-A4-Papier und nur ein paar Millimeter dünn, kann aufgrund seines Spezialdisplays auf Basis einer Metallfolie schön fotogen gebogen und verdreht werden.

Das macht Hoffnung auf bessere Zeiten für E-Books, die ihr Dasein bislang in klobigen Plastikkisten wie Amazons Kindle oder den Sony-Readern fristen mussten. Immerhin, einen Vertriebspartner, die US-Telefongesellschaft Sprint, konnte der Hersteller schon vorweisen. Sonst aber schwiegen sich die Firmenvertreter aus. Wann wird das Gerät in den Handel kommen? Kein Kommentar. Was wird es kosten? Kein Kommentar. Kann man es auch außerhalb der USA kaufen und benutzen? Kein Kommentar.

Ein wenig, aber nur ein wenig besser sah es da schon bei Plasticlogic aus, die wenige Tage später ihren Que vorstellten. Für den Dresdener Kindle-Konkurrenten gibt es immerhin schon einen Termin für den Verkaufsbeginn, der auf April festgelegt wurde. Und auch gar nicht bescheidene Preise konnte der Hersteller schon nennen - für die USA. Darüber, wann und zu welchen Preisen es das Gerät hierzulande zu kaufen geben wird, sind sich die Dresdener noch unsicher.

Die Chip-Hersteller sind den Hardware-Produzenten zu schnell

Kaum besser sah es beim Techniklieferanten Qualcomm aus. Dessen Mirasol-Displays beeindruckten Publikum und Profis gleichermaßen. Ihnen wird vorausgesagt, dass sie in Kürze die aktuellen Schwarzweiß-Bildschirmchen in E-Books ablösen werden. Gründe dafür kann man reihenweise anführen: Mirasol bietet Farbe, es kann Videos darstellen und verbraucht angeblich sogar weniger Strom als die E-Ink-Displays aktueller Lesegeräte. Bislang aber gibt es kein einziges konkretes Produkt, nicht einmal einen Hinweis oder gar ein Veröffentlichungsdatum für ein Gerät mit Mirasol-Bildschirm.

Das liegt irgendwie auch in der Natur der Sache. Qualcomm ist Technikhersteller, verdient sein Geld mit Mikrochips, die beispielsweise Handys antreiben. Darauf, wer wann und wie diese Techniken einsetzt, hat das Unternehmen wenig Einfluss. Entsprechend hat es gefühlt Jahre gedauert, bis Qualcomm mit HP endlich ein Unternehmen vorzeigen konnte, das ein Mini-Notebook auf Basis von Qualcomms Snapdragon-Chips und gesteuert von Googles Android OS vorzeigen konnte. Aber selbst das war - Sie ahnen es - bloß ein Prototyp.

Ein Schicksal freilich, das Qualcomm mit seinem Konkurrenten Freescale teilt. Dessen Messe-Highlight war ein Tablet-Prototyp mit abnehmbarer Tastatur, der nach Freescales Wunsch schon im Sommer zum Kampfpreis von 200 Dollar in den Handel kommen soll - wenn sich dafür ein Hersteller findet.

Alle reden über Apple

Ganz erstaunlich war auch, zu beobachten, dass trotz des Mega-Aufgebots in Las Vegas ständig über Apple gesprochen wurde. Und das, obwohl Apple die CES traditionell meidet und seit diesem Jahr sogar seinen ebenso traditionellen Auftritt auf der sonst fast parallel stattfinden Macworld Expo abgesagt hat. Damit hat sich das Unternehmen gänzlich von Messeaktivitäten freigemacht, kündigt Produkte nur noch nach dem eigenen Terminplan an.

Und der sieht, glaubt man dem "Wall Street Journal", eine aufsehenerregende Veranstaltung am 27. Januar vor. Dann soll das Apple-Tablet, angeblich iSlate genannt, vorgestellt werden. Aber auch nur vorgestellt. In den Handel kommt es erst im März, wenn die Gerüchte stimmen. Probleme mit den Touchscreen-Displays sollen die Produktion aufgehalten haben. Die Frage, wann und ob das Gerät auch auf den deutschen Markt kommt, sollte man sich vorerst verkneifen. Das hängt von zahlreichen Faktoren ab. Und da nicht einmal klar ist, ob es das Ding überhaupt gibt, lohnt sich auch das Spekulieren kaum.

3D ohne Inhalte?

Immerhin aber dürfte der iPod-Konzern bald neue Notebooks versandbereit haben. Im Mobilbereich steht Apple schließlich schon fast in einer Bringschuld. Die Macbook genannten Mobilrechner sind ein Kassenschlager. Kein anderer Mac verkauft sich so gut wie das 13-Zoll-Macbook. Dass es davon bald neue Modelle geben wird, liegt auf der Hand. Schließlich hat Intel gerade erst neue Mobilprozessoren vorgestellt. Da gehört es bei Apple gewöhnlich zum guten Ton, diese möglichst bald einzusetzen.

Ähnlich sieht es bei den 3-D-Fernsehern aus. Die werden, so stellen es einige Hersteller in Aussicht, schon ab März in den Läden stehen. Das hört sich schon mal gut an. Zumindest, sofern man mit den teuren neuen Hightech-TVs nicht in 3-D fernsehen will. Das Henne-Ei-Prinzip zeigt sich hier einmal in einer ganz anderen als der üblichen Ausprägung. Dieses Mal eilen die TV-Hersteller in Erwartung satter Gewinne mit einer Technik voran, für die es bisher kaum Inhalte gibt. Denn selbst wenn irgendwann im späteren Verlauf des Jahres 2010 tatsächlich 3-D-fähige Blu-ray-Player auf den Markt kommen oder Spielkonsolen 3D lernen, sieht es um passende Filme und Spiele noch ziemlich düster aus.

Wenig Neues bei Netbooks

Und düster sieht es derzeit auch bei den Netbooks aus. Die sollten mit Einführung neuer Atom-Chips von Intel eigentlich einen Innovationsschub bekommen. Immerhin werden viele der aktuellen Modelle immer noch von Chips angetrieben, die seit Mitte 2008 im Umlauf sind. Doch der erhoffte Leistungssprung ist ausgeblieben. Zwar haben im Vorfeld und auf der CES selbst Dutzende Firmen Netbooks mit den neuen Intel-Chips der Pine-Trail-Generation angekündigt, doch die unterscheiden sich nur marginal von ihren Vorgängern. Weiterhin rechnen sie mit nur einem Prozessorkern, haben 10-Zoll-Bildschirme und dürfen maximal 1 GB Arbeitsspeicher mitbekommen. Für HD-Video und PC-Spiele ist das aber meist zu schlapp.

Dabei wäre gerade bei den Netbooks leistungsmäßig noch reichlich Luft nach oben. Wie das gehen könnte, hat nVidia mit seinem Ion-Chipsatz längst vorgemacht. Netbooks, in denen diese grafikstarken Chips mit Intels Atom kombiniert werden, taugen weit besser als Multimedia-Minis als all die Standard-Netbooks, die sich aufgrund der von Intel und Microsoft vorgegebenen Beschränkungen oft nur durch Gehäusefarbe, Material und ein wenig Design unterscheiden. Dabei hat nVidia mittlerweile schon die zweite Generation dieser Chips am Start und bewirbt sich seit der CES mit seinen neuen Tegra-Chips als Lieferant für Tablet-PC-Hersteller, die ihren Kunden 3-D-Videos, Flash-Web-Seiten und 3-D-Spiele bieten wollen. Aber auch dazu hat sich noch kein Tablet-Hersteller bekannt.

Bleibt abzuwarten, was die für Anfang März terminierte Cebit, im Fahrwasser der CES, bringen wird. Möglich, dass sie zum Erfüllungsgehilfen der CES mutiert, zu einer Messe, auf der jene Geräte als reale Produkte präsentiert werden, welche in Las Vegas angekündigt wurden.

Wahrscheinlich ist das aber nicht.

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Ich teile diesen Wunsch. Grundsätzlich. Das ganze Blu-Ray/HD DVD-Hickhack zum Beispiel war unerträglich und hat, denke ich, die ganze Industrie beschädigt. Andererseits: Früher wurden Features in Hardware gegossen; da waren [...] mehr...

13.01.2010 von tetaro: Moderne Zeiten

Es ist natürlich einfach zu behaupten, der Kunde sei schuld. Aber es gibt doch himmelweite Unterschiede zwischen dem Einführen neuer Technologie z.B. in den 80/90ern (CD/DVD Player -- zwar anfangs teuer, aber standardisiert und [...] mehr...

13.01.2010 von tetaro: Moderne Zeiten

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13.01.2010 von Wintermute: Lob der Vaporware

Ich kaufe jetzt seit beinahe 30 Jahren Technik. Und interessiere mich selbstverständlich dafür, wie es weiter geh; im nächsten Jahr, mit der neuesten Version. (Man kennt ja die ganzen idiotischen Futterneid-Nöte: Kaum trägst du [...] mehr...

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