ThemaAppleRSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
28.01.2010
 

Neue Erzählformen

Wie Tablets das Zeitunglesen revolutionieren können

Von Konrad Lischka

Die Presseverlage erhoffen sich von Tablets wie dem iPad ihre Rettung. Doch Gedrucktes einfach digital zu verkaufen, wird nicht reichen: Jetzt braucht es Kreativität. Denn auf den neuen Geräten gibt es plötzlich starke Konkurrenz von Fernsehsendern, Web-Medien und ganz neuen Wettbewerbern.


Jennifer Brook hat bei der iPad-Präsentation einen schönen Satz gesagt, der im Getümmel um Steve Jobs' neuen Streichel-Computer ein bisschen untergegangen ist. Die "New York Times"-Managerin präsentierte die iPad-Anwendung ihrer Zeitung mit den Worten: "Ich denke, wir haben die Essenz des Zeitunglesens erfasst."

Das wird Brook wohl nicht ganz so gemeint haben. Aber bezeichnend ist die Aussage schon: Die Macher des wohl angesehensten US-Verlagshauses für journalistische Produkte arbeiten nicht daran, etwas Neues zu erfinden. Sie wollen vor allem ihre alten Produkte auf neue Vertriebswege übertragen.

Das könnte etwas zu kurz gedacht sein. Warum, war bei der iPad-Show ebenfalls zu sehen.

Da zeigte die US-Baseballliga MLB ihre iPad-Anwendung, die den beliebten Sport zu einem neuartigen Erlebnis machen soll. Man kann zwischen mehreren Video- und Audioübertragungen von Spielen wechseln. Man kann währenddessen Statistiken zu einzelnen Spielern aufrufen. Man kann die Spielhistorie des Hitters und Pitchers vergleichen, die gerade gegeneinander antreten. Und in einer Fülle von interessant aufbereiteten Daten wühlen, die für das aktuelle Spiel relevant sind. An der kurzen MLB-Präsentation sind zwei Dinge bemerkenswert, mit denen klassische Medienunternehmen sich wohl auseinander setzen müssen, wenn mobile Endgeräte Mainstream werden - egal, ob das iPad nun floppt oder nicht:

  • In der Baseball-Anwendung lassen sich Text- und Videoangebote nicht mehr klar unterscheiden. Beides geht ineinander über und verschmilzt zusammen mit interaktiven Grafiken zu einem neuartigen Informationsangebot.
  • Die - kostenpflichtige - Anwendung wird von keinem klassischen Medienunternehmen betrieben, sondern von der Baseballliga.

Ob sich nun Tablets wie das iPad durchsetzen oder Mobiltelefone mit weiterentwickelten Displays, ist letztlich egal - klar ist, dass in ein paar Jahren viele Menschen solche Geräte nutzen werden. Und um ihre Aufmerksamkeit und ihr Geld ringen dann nicht nur die Angebote der Zeitungs- und Magazinbranche. Sondern auch jene von Fernsehsendern, Onlineangeboten und völlig neuen Anbietern wie MLB.

Auf dem Vertriebskanal Überallgerät (um es mal nicht Tablet, iPad oder Smartphone zu nennen) wird also mit Sicherheit mehr Vielfalt, aber auch mehr Wettbewerb herrschen. Wer jetzt darauf hofft, mit Apps beim Konsumenten zu kassieren, für den ist es höchste Zeit, sich zu überlegen:

  • was man eigentlich verkaufen will,
  • wie diese Geräte genutzt und
  • wofür die Kunden Geld ausgeben werden.

Der Common Sense in der Medienbranche ist gerade: Man kann für digitale Inhalte künftig Geld verlangen, sobald es neue, bessere Endgeräte gibt - nachdem die Leser im Internet bisher kaum zum Zahlen bereit sind. Zeitungs- und Magazinverlage hoffen, dass Apple mit dem iPad diese Revolution gelingt. Das ist nicht ausgemacht, aber auch nicht völlig abwegig.

Wenn denn das Angebot stimmt.


Die "Essenz des Zeitunglesens" wird da wohl nicht reichen. Wenn die neue Technik so einschlägt, wie sich die Hersteller das vorstellen, sind iPads, künftige Google-Netbooks und Kindles wohl keine Lese-, sondern Guck-, Klick- und Sonstwas-Geräte mit Bewegtbildern und irgendwann auch langen Akkulaufzeiten. Und das bedeutet vor allem für journalistische Onlineangebote einen Umbruch.

Bisher werden sie werktags vor allem im Büro am Schreibtisch gelesen. Die Menschen suchen bei ihnen einen schnellen Überblick mit den wichtigsten Nachrichten und klarer Einordnung.

Anders bei Überallgeräten, die gut, leicht, billig, genügsam und kontrastreich genug sind, um auch im Zug, Bett oder Park, auf dem Sofa oder der Wiese und am Strand genutzt zu werden. Da können andere Darstellungsformen und Themen Zuspruch finden.

Die Essenz der Zeitung ist guter Journalismus - nicht Text

Wie die Nutzungsumgebung die Nachfrage verändert, merkt man heute schon bei Online-Videos. Sie werden im Vergleich zum übrigen Internetangebot besonders gern am Abend abgerufen. Eben nicht am Schreibtisch.

Das bedeutet allerdings nicht, dass die Menschen jetzt Fernsehen im Web sehen wollen. Wer digitale Inhalte nutzt, will zwar nicht ständig interagieren und irgendwas anklicken - aber er will die Möglichkeit dazu haben, wenn es ihm in den Sinn kommt. 15 Minuten Internet-Tagesschau zum Stillsitzen und Zugucken sind wohl nicht das ideale Medienangebot für iPad-Nutzer. Da sieht die iPad-Anwendung von MLB schon attraktiver aus, die Text und Video zu einer neuen interaktiven Darstellungsform verbindet.

Sollen nun alle Medienunternehmen diese Darstellungsform übernehmen? Sicher nicht. Das Beispiel zeigt vor allem, dass jetzt Kreativität gefragt ist.

Die Essenz der Zeitung ist guter Journalismus. Wie er auf Überallgeräten wie dem iPad funktionieren kann, ist eine drängende Frage - die mindestens genauso wichtig ist wie die Frage nach Vertriebserlösen.


Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Forum

insgesamt 6533 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
30.07.2010 von Hagbard:

Ob Sie das überzeugt oder nicht, ist zum Glück völlig egal. Es ist eben so wie es ist und das ist gut. Wer sagt, das Erfinder benachteiligt werden? Wenn Sie das glauben, haben Sie das Wesen von Urheberrecht und Patentrecht [...] mehr...

30.07.2010 von Hagbard:

Das beantwortet meine Frage nicht. Die Erlöse aus dem Verkauf von Tonträgern - wem sollen die zufließen? Dem Künstler wollen Sie es nicht geben - wem also dann? Und warum? mehr...

30.07.2010 von thinkglobal: Legal? Illegal? Schei*egal?

Zwei Dinge fallen dem neugierigen Leser diese Threads sehr irritierend, ja sehr befremdend ins Auge: (1) Seit viele Seiten geht es den Diskutanten nicht im Mindesten mehr um die Ausgangsfrage des Threads, oder wenigstens um [...] mehr...

29.07.2010 von DerBlicker: darum geht es nicht

es geht darum, dass Firmen vorschreiben wollen, dass man das Handy z.B. zwei Jahre nur mit einem bestimmten Provider nutzt, Stichwort Sim-Lock, und genau daran muss sich der Verbraucher nicht halten, egal was der Vertrag sagt. [...] mehr...

29.07.2010 von DerBlicker: niemand

darauf hat eben niemand Anspruch, wer viel Geld will, muss auch viel arbeiten, einmal was hin schreiben oder einsingen, reicht eben nicht mehr. mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
alles aus der Rubrik Gadgets
alles zum Thema Apple

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Vote

iPad - ja oder nein?

Kommt ein iPad für Sie in Frage?

  • Ja, wenn es auf den Markt kommt, kaufe ich eins.
  • Nein, so ein Gerät brauche ich nicht.
  • Weiß noch nicht, erst mal in die Hand nehmen.
  • Ich warte erst einmal ab, bis es billiger wird.
  • Ich warte erst einmal ab, ob es sich durchsetzt.

Eckdaten des iPad 1
Name iPad (von Pad = Block)
Gewicht 1,5 Pfund (680 Gramm)
Bildschirm 9,7 Inch (ca. 25 Zentimeter) Durchmesser
Dicke etwa 1,3 Zentimeter
Batterielaufzeit zehn Stunden laut Apple
Standby-Zeit mehr als ein Monat laut Apple
Akku nicht austauschbar
Prozessor Apple-Eigenentwicklung A4, 1 Gigahertz
Speicher 16, 32 oder 64 Gigabyte
Audio Lautsprecher, Mikrofon, Headset
Quelle: Apple
Preis des iPad 1 in Deutschland
16 Giga-
byte
32 Giga-
byte
64 Giga-
byte
nur
W-Lan
379 Euro 479 Euro 579 Euro
W-Lan
und 3G*
499 Euro 599 Euro 699 Euro
*: 3G ist eine mobile schnelle Internet-Anbindung. Stand: 3.3. - Apple hat die Preise für das iPad nach Vorstellung des iPad2 gesenkt

Jetzt auf Facebook

Wie finden Sie Apples Pläne - was erhoffen Sie sich? Diskutieren Sie live mit anderen Lesern:


mehr über SPIEGEL ONLINE auf Facebook...


Jetzt auf Twitter



mehr über unser Angebot auf Twitter...




TOP



TOP