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02.02.2010
 

Digital Graffiti

Virtuelle Orientierungshilfen für reale Räume

Digital Graffiti: Studenten an der Uni Linz bekommen ortsbezogene Infos per W-Lan-OrtungZur Großansicht
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Digital Graffiti: Studenten an der Uni Linz bekommen ortsbezogene Infos per W-Lan-Ortung

Wo ist meine Vorlesung? Wie komme ich zur Abschlussparty? Antworten auf diese Fragen bekommen Studenten der Universität Linz künftig automatisch aufs Handy geschickt - ein intelligentes Informationssystem samt Ortsbestimmung per W-Lan macht's möglich.

Ein neuartiges Informations- und Kommunikationssystem können demnächst die Studenten in Linz nutzen. Das gemeinsam mit Siemens entwickelte System Digital Graffiti zeigt ihnen auf dem Handy an, in welchem Hörsaal ihre Vorlesung stattfindet oder wo gerade eine Fete gefeiert wird. "Digital Graffiti ermöglicht es, Mitteilungen gewissermaßen in den öffentlichen Raum zu sprayen, ohne dass dieser verschmutzt wird", erklärt der Leiter des Instituts für Wirtschaftsinformatik an der Johannes-Keppler-Universität Linz, Gustav Pomberger.

Die geokodierten Informationen können gezielt für bestimmte Nutzer und in bestimmten Zeiträumen zugestellt werden. Das Projekt ist ein Beispiel für standortbezogene Dienste ("location based services"), die den jeweiligen Aufenthaltsort des Nutzers dazu verwenden, die in diesem Kontext gerade nützlichen Informationen anzuzeigen. Im Unterschied zu anderen Diensten kommt bei Digital Graffiti keine GPS-Ortung zum Einsatz, sondern eine besondere W-Lan-Technik. Diese funktioniert auch in Gebäuden und geschlossenen Räumen mit einer Genauigkeit von drei bis fünf Metern.

"Wir haben mehrere Access Points installiert und an einzelnen Punkten gemessen, wie hoch die Feldstärke im W-Lan-Netz ist", erklärt der Projektleiter bei Siemens Corporate Technology (CT), Dieter Kolb. "Aufgrund eines Vergleichs mit der Datenbank wird dann die genaue Position ermittelt." Und weil sich die Feldstärke ändert, wenn etwa ein neuer Schrank aufgestellt wird, werden die Daten mehrfach ermittelt: "Das ist ein lernendes System, das im Lauf der Zeit immer besser wird."

Das Handy des Studenten oder der Studentin meldet dem Uni-Server in regelmäßigen Abständen den Standort. "Jetzt schaut der Server in seiner Datenbank nach und fragt: Was gibt es an dieser Stelle für Informationen, die relevant sind?" Die Ergebnisse werden in Datenpakete im Format des Internet-Protokolls (IP) verpackt und an das Handy geschickt.

Kreative Möglichkeiten für Social Networking

Eine Kartensoftware zeigt die Informationen auf dem Handy an, wobei der Nutzer filtern kann, was er sehen will - so dass etwa nur Vorlesungen, nur Seminare oder nur die nächsten Verbindungen im öffentlichen Nahverkehr angezeigt werden. Die Studenten können auch Informationen untereinander austauschen - etwa um Kommilitonen zu einem Fest einzuladen oder einen Partner für das gemeinsame Lernen in einem Seminar zu finden. "Wir sind gespannt, welche Kreativität die Studenten entwickeln, um dieses System für ihr Social Networking zu verwenden", sagt Projektleiter Kolb.

Der Name Digital Graffiti leitet sich von der Möglichkeit ab, Botschaften an beliebigen Stellen für bestimmte Empfänger zu hinterlegen. "Wenn der Adressat den definierten Raum betritt und die auf ihn speziell zugeschnittenen Bedingungen erfüllt sind, wird für ihn das Graffito sichtbar, und er bekommt die Daten auf sein Handy geliefert", erklärt Siemens.

Die Graffiti-Applikation ist ein Java-Programm, das auf allen Mobiltelefonen läuft, die diese Technik unterstützen. Im Test mit 200 Nutzern der Universität kamen vor allem Nokia-Geräte der N- und E-Reihe sowie Sony-Ericsson-Handys zum Einsatz. Ab März soll Digital Graffiti dann allen mehr als 13.000 Studenten der österreichischen Universität wie auch den 2.000 Mitarbeitern zur Verfügung gestellt werden.

Neben der mit MySQL laufenden Uni-Datenbank können auch externe Datenbanken eingebunden werden. Die Uni Linz gehört zu den ersten großen Anwendungen für das System. Geplant sind auch Lösungen für Flughäfen. Nach Angaben Kolbs werden zurzeit Gespräche mit mehreren Betreibern geführt. Weitere Anwendungsmöglichkeiten werden im Tourismus sowie bei der Steuerung von Warensystemen in der Industrie gesehen. "Wir sind dabei, Lösungen in ganz unterschiedlichen Bereichen zu entwickeln", erklärt Kolb.

Professor Pomberger versichert, dass kein Student Angst haben muss, dass mit dem neuen Informationssystem die Dauer seines Aufenthalts in der Uni-Kneipe festgehalten werde. "Im Unterschied zu Google und anderen tracken wir nicht", erklärt der Informatiker. "Der Server weiß nach einer Sekunde nicht mehr, wo der Nutzer war."

Peter Zschunke, apn

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