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10.02.2010
 

Neue Netbooks

Dauerläufer trifft Videokünstler

Von Matthias Kremp

Foto: SPIEGEL ONLINE

Was ist besser: Ein kleines Netbook mit großer Ausdauer oder ein großes, das häufig zur Steckdose hechelt? Trotz ähnlicher Technik gibt es bei Kleinst-Laptops oft signifikante Unterschiede. SPIEGEL ONLINE zeigt Stärken und Schwächen neuer Mini-Rechner.

Die Welt der Netbooks hat sich dramatisch gewandelt. Als es mit den kleinen, billigen Laptops losging, waren selbst die Geräte unterschiedlicher Hersteller oft weitgehend identisch. Sie hatten alle denselben Prozessor, oft gleich große Festplatten und die Display-Diagonale pendelte sich bei 10,1 Zoll ein.

Damit ist jetzt Schluss. Immer mehr Hersteller nehmen sich die Freiheit, ihre Netbooks abweichend vom Standard zu konstruieren - auch wenn das ein wenig teurer wird. Gleichzeitig gibt es Geräte, bei denen man sich strikt an die Vorgaben der Hard- und Software-Lieferanten gehalten hat.

Das Acer Aspire One 532 ist so ein Netbook, ganz nach den Wünschen von Intel und Microsoft. Der Hersteller hält sich bis ins Detail an die Vorgaben der beiden Computerkonzerne. Das 532 steht mit seiner Ausstattung prototypisch für eine ganze Generation aktueller Netbooks, denen Intels neuer Atom N450 mit 1,6 GHz als Antrieb dient. Als Betriebssystem ist Microsofts Windows 7 in der nur für Netbooks verfügbaren Starter-Edition aufgespielt.

Diese Kombination bedingt dann auch schon die übrige Ausstattung, denn Microsoft und Intel legen klar fest, mit welchen Hardware-Komponenten ihre Produkte gekoppelt werden dürfen. Entsprechend hat das Acer-Netbook 1 GB Arbeitsspeicher, eine 250 GB Festplatte und einen 10,1-Zoll Bildschirm mit 1024 x 600 Bildpunkten eingebaut, genau wie etliche andere Netbooks auch.

Ein Desktop-Chip treibt den EeePC voran

Beim Asus EeePC 1201N sieht das ganz anders aus. Das fängt schon beim Format an. Immerhin 12,1 Zoll misst der Bildschirm des neuen EeePC in der Diagonale. Angesichts von Desktop-Rechnern mit 27- oder gar 30-Zoll-Bildschirmen mag das mager erscheinen, verglichen mit dem Ur-EeePC von 2007, ist es allerdings gewaltig - und dennoch tragbar. Denn mit 1,46 Kilogramm Gewicht und einer Dicke von 3,3 Zentimetern zerrt der Mobilrechner nicht allzu sehr an den Schultern, wenn man ihn im Rucksack ausführt. Außerdem ist er nur 200 Gramm schwerer als sein 10-Zoll-Konkurrent. Die zusätzliche Fläche, die durch das größere Display gewonnen wird, sorgt dafür, dass die Tastatur angenehm groß ausfällt, die Tasten weit genug auseinander liegen, um auch ohne hinzusehen gut getroffen zu werden.


Dass Asus dem 1201N einen Intel-Chip aus der Atom-330-Baureihe einpflanzt, ist allerdings ungewöhnlich. Intel selbst möchte diesen Prozessor nur in Mini-Desktop-PC, den sogenannten Nettops, verwendet sehen, Microsoft will ihn nicht mit seinem Netbook-Windows verheiraten. Das ist einerseits ärgerlich, weil der EeePC dadurch ein wenig teurer wird. Andererseits bekommt man hier aber auch mehr fürs Geld, weil Asus sich durch die Verwendung eines normalen Windows 7 Home Premium an keinerlei Vorgaben mehr halten muss.

Bis zu zehnmal schneller

Das Resultat: mehr Speicher, eine größere Festplatte und mehr Leistung. Denn obwohl der Atom 330 fast zwei Jahre alt ist, während der N450 des Acer-Netbooks nagelneu auf den Markt kommt, hat er mehr Dampf unter der Haube. Als Dualcore-Chip kann er mehr Aufgaben gleichzeitig erledigen als sein junger Bruder. Beim Umgang mit den beiden Geräten zeigt sich das drastisch: Während das Aspire One oft widerwillig zu reagieren scheint, fallen die Antwortzeiten beim EeePC deutlich kürzer aus. Zudem kommt ihm nVidias Ion-Chipsatz in Sachen Grafik zu Hilfe, was sich deutlich in den Leistungsmessungen widerspiegelt. Gut zehnmal schneller als das Acer-Netbook berechnet der EeePC 3D-Grafiken.

Leistungsmessungen
Acer Asprie One 532 Asus EeePC 1201N
3D Mark 06* 142 1596
Windows-7-Index* 2,3 3,3
*Höhere Werte sind besser
Zahlenmäßig ist das schön, zu spüren bekommt man davon nichts, zumindest nicht bei Spielen. Während das Aspire One 532 in dieser Disziplin unerträglich langsam dahintuckert, erreicht der EeePC 1201N immerhin das Prädikat "sehr langsam". Das ist ein Fortschritt, als Spielmaschinchen taugt trotzdem keines der beiden Netbooks. Als Multimedia-Flunder bietet sich der EeePC dagegen durchaus an. Die Ion-Grafik sorgt dafür, dass HD-Videos auf dem HD-Ready-Display (1366 x 768 Pixel) und auch auf einem per HDMI angeschlossenen Fernseher ruckelfrei und in guter Qualität abgespielt werden können.

Zu schlapp für den Atlantik

Das ist einerseits prima, hat aber seinen Preis, der in Form von Akku-Laufzeit zu zahlen ist. Nach vier Stunden Dauerlauf geht dem EeePC 1201N die Puste aus, selbst wenn man ihn nur mäßig belastet. Lässt man ihn ein Video abspielen, ist es mit seinem Durchhaltevermögen schon nach 2 Stunden und 45 Minuten vorbei. Für einen Blockbuster reicht das, für einen Transatlantikflug nicht.


Deutlich genügsamer gibt sich da Acers Aspire One. Zwar kann er keine HD-Videos auf einen Fernseher ausgeben, hält dafür aber beim Abspielen sagenhafte sechseinhalb Stunden lang durch. Mehr Film auf einmal erträgt man sowieso nicht. Vollkommen irre wird es, wenn man nur gelegentlich ein wenig Text in den Acer tippt, Mails abfragt oder im Web surft. Teilweise meldete der Aspire One erst nach elf Stunden Brennschluss, sicherte alle Dateien und schaltete sich aus Energiemangel ab. In der Regel hielt es über acht Stunden aus - Respekt.

Akku-Laufzeit
Acer Asprie One 532 Asus EeePC 1201N
… beim abspielen eines Videos ca. 6,5 Std. ca. 2,75 Std.
… bei geringer Belastung ca. 8-10 Std. ca. 4 Std.
Die Frage, ob nun das eine oder andere der beiden Testgeräte besser ist, lässt sich so nicht beantworten. Das Acer patzt bei der Leistung. Zumindest dem subjektiven Eindruck bei der Nutzung nach unterscheidet sich der neue Atom-Chip in nichts von seinem Vorgänger, der ja mit derselben Taktfrequenz lief. Wenn der Rechner einmal läuft, läuft er gut. Zumindest, solange man ihn nur mit Routineaufgaben wie Texten, einfachen Webseiten und E-Mails traktiert. Schon ein aufwendiges Flash-Overlay wird dagegen in Zeitlupe über den Bildschirm geschoben, von 3D-Spielen ganz zu schweigen. Filme lassen sich immerhin in PAL-Auflösung gut abspielen. Mehr wäre sowieso Unsinn, da die Auflösung des Bildschirms zu gering ist, externe Bildschirme nur per VGA angeschlossen werden können.

Bitte eine Kreuzung

Als Ausgleich für die lahme Performance punktet das Aspire One mit einer Ausdauer, die locker für einen Arbeitstag reicht. Für ein ernsthaftes Arbeitsgerät sind allerdings Tastatur und Bildschirm eigentlich ein wenig zu klein. Das gilt umso mehr, wenn man den EeePC daneben stellt. Dessen Display bietet fast doppelt so viel Arbeitsfläche, die von Programmen wie Word dankbar in Anspruch genommen wird. Und auch Videos, vor allem wenn sie in HD gespeichert sind, profitieren enorm von der HD-Ready-Auflösung und sehen auf dem glänzenden Display richtig gut aus.

Vollends überzeugen kann aber eigentlich keines der beiden Testgeräte: Dem Acer fehlt die Kraft, dem Asus die Ausdauer. Könnte man die beiden Laptops miteinander kreuzen, hätte man wahrscheinlich das perfekte Netbook: Es würde 400 Euro kosten, hätte ein entspiegeltes 12,1-Zoll-HD-Display und würde die Sparsamkeit des neuen Intel-Atom-Chips mit der Grafik-Perfomance von nVidias Ion-Chips kombinieren.

Kann mir bitte mal jemand so etwas bauen?

Netbooks im Vergleich
Acer Asprie One 532 Asus EeePC 1201N
Prozessor Intel Atom 450, 1,6 GHz Intel Atom 330, 1,6 GHz
Grafikkarte Mobile Intel NM10 Express nVidia Ion
Bildschirm 10,1 Zoll LED-LCD 12,1 Zoll LED-LCD
Auflösung 1024 x 600 1366 x 768
Arbeitsspeicher 1 GB DDR2-RAM 3 GB DDR2-RAM
Festplatte 250 GB 320 GB
Optisches Laufwerk - -
Drahtlose Schnittstellen W-Lan 802.11b/g/n, Bluetooth 2.0 +EDR W-Lan 802.11b/g/n, Bluetooth 2.1 +EDR
Anschlüsse 3 x USB, VGA, Audio-In, Audio-Out, 10/100 MB/s Lan, Cardreader 3 x USB, VGA, HDMI, Audio-In, Audio-Out, 10/100 MB/s Lan, Cardreader
Betriebssystem Windows 7 Starter Edition Windows 7 Home Premium
Akku 6 Zellen, 5800 mAh, 63 Wh 6 Zellen, 5600 mAh, 63 Wh
Abmessungen 25,9 x 18,5 x 2,5 cm 29,6 x 20,8 x 3,3 cm
Gewicht 1,25 Kg 1,46 Kg
Besonderheiten Webcam, Mikrofon Webcam, Mikrofon
Preis 350 Euro 450 Euro
Alle Angaben beziehen sich auf die getesteten Konfigurationen

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insgesamt 10 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
11.02.2010 von GM64: Sehr nett

etwas teuer. Es ist nett, dass man die Teile austauschen kann, viel netter wäre es, wenn man die erst gar nicht kaufen müsste. Wenn man auf die Festplatte und das WLAN Modul verzichten könnte, wäre das Gerät billiger. Inzwischen [...] mehr...

11.02.2010 von chu84k4: Hi

Naja, es ist ja auch eher ein Artikel über die Geräte selber und die sind ab Werk meist mit MS-Windows ausgestattet. Was ich aber nicht verstehe ist, warum so viele Netbook-Hersteller auf MS-Windows setzen. MS-Windows ist [...] mehr...

10.02.2010 von ====: Warum nicht beides?

Wie wär es denn mit einem Kompromiss? Sie sprechen von dem Netbook eeepc Asus 1201N. Der Kompromiss wär aber der Netbook Asus eeepc 1201HA! Er sieht rein äußerlich baugleich zu einem 1201N aus, befindet sich doch im Inneren [...] mehr...

10.02.2010 von volky: Os

Warum werden hier nur Leistungsdaten von WIN bekannt gegeben? Ich war so satt von den Typen, hab vor einem Jahr alle meine Rechner auf Linux (Ubuntu) umgestellt, kein Win mehr...und ich bin gluecklich. Zum Vergleich: Mein [...] mehr...

10.02.2010 von chu84k4: Klein, ausdauernd, robust.

Bei Netbooks ganz klar klein und ausdauernd. Robust wäre auch wichtig. Das Teil sollte auch kleinere Stürze und Würfe unbeschadet überstehen :-o. Mir hat immer das OpenPandora gut gefallen. Leider stecken sie ständig in [...] mehr...

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