New York - Der Internetkonzern Google treibt offenbar seine Pläne zur stärkeren Vernetzung von Fernsehen und Internet mit Hilfe von Hardwarepartnern voran. In Kooperation mit dem Chiphersteller Intel und dem Elektronikkonzern Sony will Google unter anderem Software entwickeln, mit der Nutzer über ihren Fernseher parallel auf TV-Programme und auf Internetangebote zugreifen können, berichtete das "Wall Street Journal" am Donnerstag unter Berufung auf Insider.
Auch der Computerzubehörhersteller Logitech spiele bei den Google-Plänen eine wichtige Rolle. Wie die Fernsehzukunft dann aussähe, kann man sich denken: Wer kein abgespecktes, sondern echtes Internet auf den Fernseher bringen will, braucht eine Funk-Tastatur oder Ähnliches. Die neue Technologie könnte künftig direkt in Fernsehgeräte, aber auch Blu-ray-Player und Set-Top-Boxen verbaut werden.
Die Grundidee des Projektes sei eine TV-Plattform, die den Zuschauern die Nutzung von Internetanwendungen wie Twitter oder sozialen Netzwerken ermöglicht, während sie fernsehen, schreibt die "New York Times" am Donnerstag unter Berufung auf die vielzitierten "Kreise" - offiziell will keines der angesprochenen Unternehmen Stellung beziehen. Das Ganze soll auf Intel-Chips und dem Google-Betriebssystem Android aufbauen, das auch auf diversen Smartphones läuft.
Ein Prototyp für eine Set-Top-Box sei bereits gebaut und werde in Kooperation mit dem US-Satelliten-TV-Anbieter Dish Network getestet. Angeboten würde in diesem Test unter anderem der Direktzugriff auf Inhalte des Google-Videoportals YouTube, das man auch nach Inhalten durchsuchen könne.
Prinzipiell ist das alles nichts Neues: Einige Fernseher und Set-Top-Boxen ermöglichen bereits Zugang zu Internetinhalten. Die Geräteauswahl ist bisher allerdings gering. Eine Settop-Box oder Hardware-Software-Module in anderen Peripheriegeräten könnten zudem alle Fernseher auch nachträglich internetfähig machen - so wie das bereits jetzt viele Streamingboxen tun. Technisch wird in der Regel allerdings ein Entweder-oder-Zugang angeboten, keine Parallelnutzung von Web und TV.
Parallelnutzung? Unbedingt: Das ist die neue TV-Normalität
Telekomkonzerne wie die Deutsche Telekom sehen in der Konvergenz von Telekommunikation, Internet und Unterhaltungsmedien neue Wachstumschancen. Dafür muss man kein Sherlock Holmes sein: Tatsächlich ist die Parallelnutzung von TV und Web bei jüngeren Zielgruppen längst der normale Medienalltag, herkömmlicher TV-Konsum ohne parallele Netz-Nutzung zunehmend die Ausnahme. Folgerichtig verschiebt sich der TV-Konsum seit einigen Jahren vor den Rechner, jüngere Zielgruppen wandern quasi ab aus dem Wohnzimmer - ein erhebliches Problem auch für werbefinanzierte TV-Sender.
Bereits Anfang März war berichtet worden, dass Google mit Dish eine Settop-Box testet, die nicht nur Online-Inhalte zugänglich machen, sondern auch TV-Inhalte durchsuchen und den Zuschauer mit passender Werbung versorgen soll. Dabei handelt es sich augenscheinlich um das gleiche Projekt, das, wie jetzt klar wird, aber nicht nur werbliche Anwendungen erlaubt, sondern auch inhaltliche.
Google arbeitet damit weiter an seiner Allgegenwart, die zunehmend kritisch gesehen wird: Das Unternehmen hat in den letzten Jahren seine Reichweite zu monopolhafter Stellung ausbauen können und expandiert in letzter Zeit merklich in immer mehr Marktsegmente.
Während das klassische Suchgeschäft von Google weltweit dominiert wird - 42 Prozent aller Online-Werbeumsätze fließen in Googles Taschen -, laufen aber längst nicht alle Projekte der kalifornischen Firma so wie gewünscht: Zu einem veritablen Flop scheint sich beispielsweise das Google-Handy Nexus One zu entwickeln, von dem Google 74 Tage nach Veröffentlichung nur knapp 135.000 Stück verkauft haben soll. Apple setzte nach der Vorstellung seines iPhone im gleichen Zeitraum mit knapp über eine Million Geräten fast siebeneinhalbmal so viel ab wie Google. Nicht nur das ist ärgerlich für Google: Anfang März hatte Apple den Nexus-Hersteller HTC verklagt, weil dieser angeblich Patente von Apple verletzt haben soll.
pat/ddp/dpa/Reuters
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