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22.03.2010
 

Das Anti-iPad aus Deutschland

Wie das WePad Verlage befreien soll

Von Matthias Kremp

Deutsche Konkurrenz für Apple: Das WePad aus Berlin
Fotos

Das WePad soll mehr sein als bloß ein Gegenstück zum iPad. Im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE erklärt der Chef des WePad-Herstellers neofonie, wie er Verlage von den Fesseln des App Store befreien will, warum er Apple trotzdem liebt - und wo der US-Konzern Fehler macht.

War das noch Guerilla-Marketing oder bloß von Apple abgekupfert? Als Helmut Hoffer von Ankershoffen, Geschäftsführer der Berliner Technologiefirma neofonie, beschloss, sein neustes Produkt bekannt zu machen, stellte er es nicht auf einer großen Technikmesse aus und verschickte auch keine Pressemeldung. Stattdessen gründete er still und leise eine Facebook-Gruppe zu einem Gerät names WePad. Binnen kürzester Zeit schlossen sich dort mehrere hundert Fans des bis dato unbekannten Geräts zusammen, bevor die Presse Wind von der Aktion bekam.

Die Frage, warum er diesen Weg gewählt hat, um das WePad bekannt zu machen, erklärt der neofonie-Chef damit, dass er Apple und dessen Marketing-Strategie seit langem beobachte. Das US-Unternehmen profitiert enorm von seinen treuen Anhängern, die das Marketing für neue Apple-Produkte freiwillig, kostenlos und oft unbewusst übernehmen, dabei aber überzeugender sind, als es eine Werbekampagne je sein könnte. Diesem Prinzip folgend wollte Hoffer von Ankershoffen erst einmal eine Community zum WePad aufbauen, bevor er mit dem Gerät und den dazu gehörenden Software-Produkten, dem eigentlichen Kern seiner Anstrengungen, selbst an die Öffentlichkeit geht.

Diese Strategie ist aufgegangen. Als am Donnerstag die ersten Berichte über das unter Geheimhaltung entwickelte Gerät im Internet auftauchten, war die Resonanz enorm. Neben zahllosen Blogeinträgen, Online- und Zeitungsartikeln wurde das 170-Personen-Unternehmen neofonie von einer Flut an Anfragen aus dem Ausland bestürmt, berichtet Hoffer von Ankershoffen. Er habe Anrufe aus den USA, Russland, Japan und anderen Ländern erhalten, auch von Verlagen, die sich für das Gerät interessieren, das es mit Apples iPad aufnehmen soll.

Technik geht vor Design

Dabei könne es das WePad, was das Design angeht, nicht mit Apples iPad aufnehmen, erklärt der neofonie-Chef im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Optisch habe Apple mit seiner extremen Reduktion wie immer ganze Arbeit geleistet. Technisch aber läge das WePad mindestens auf Augenhöhe mit dem Apple-Produkt, übertreffe dieses in mancherlei Hinsicht sogar.

So verfüge es mit Intels Atom N450 (der aktuellen Generation der Netbook-Prozessoren) beispielsweise über den deutlich leistungsstärkeren Prozessor, ist mit zwei USB-Anschlüssen und einem Speicherkartensteckplatz viel besser erweiterbar als Apples Gerät. Zudem beherrscht es Adobe Flash, eine Technik, die viele multimediale Angebote im Netz voraussetzen, die in Apples iPad aber nicht stattfindet. Zugunsten dieser Leistung und Erweiterbarkeit habe man beim Design eben Kompromisse eingehen müssen. Hässlich ist das WePad trotzdem nicht geworden, soweit man das anhand der wenigen bisher veröffentlichten Fotos beurteilen kann.

Einzig bei der Akku-Laufzeit müsse sich das WePad Apples iPad geschlagen geben, gesteht Hoffer von Ankershoffen ein. Mit sechs Stunden bietet es deutlich weniger als die zehn Stunden Akku-Laufzeit, die Apple für sein Tablet verspricht. Grundsätzlich aber sind solche Angaben immer mit Vorsicht zu genießen, da kaum ein Hersteller erklärt, wie diese Zahlen zustande kommen, für welche Art der Nutzung sie gelten.

Ein App Store, der schneller ist

Natürlich werde es auch einen App Store für das WePad geben, bestätigt Hoffer von Ankershoffen. Genau wie etwa bei Apple oder Nokia müsse auch dort jedes eingereichte Programm zunächst einen Qualitätssicherungsprozess durchlaufen, bevor es veröffentlicht wird. Im Gegensatz zum Verfahren bei den großen Konkurrenten sollen die Wartezeiten bis zur Veröffentlichung beim WePad aber erheblich kürzer ausfallen. Denn mit Apples Problemen, die vor allem aus der schieren Masse neuer Apps entstehen - täglich werden mehrere hundert iPhone-Apps eingereicht - wird das WePad vorläufig nicht zu kämpfen haben. Eine ungemein pragmatische Umschreibung dafür, dass das Softwareangebot für das Gerät zur Markteinführung noch übersichtlich sein wird.

Dieses Manko soll ausgebügelt werden, indem in das Linux-Betriebssystem des WePad so etwas wie ein Android-Modus eingebaut wird. Der soll es ermöglichen, Apps aus dem Google Marketplace, wie man sie auf Google-Handys verwendet, auch auf dem WePad auszuführen. Wie das im Einzelnen funktionieren wird, mochte der neofonie-Chef ebenso wenig preisgeben wie Details zum Betriebssystem selbst oder zu Details der Benutzeroberfläche.

Wichtiger als das WePad: Eine Software für Verlage

Doch scheint es nicht nur das WePad zu sein, um das es Hoffer von Ankershoffen geht. Wichtiger scheint ihm der WeMagazine Publisher zu sein, eine Software, die es Verlagen ermöglichen soll, ihre Print-Produkte schnell und einfach auf digitale Lesegeräte wie das WePad zu bringen - ohne Umweg über Apple. Denn in Apple sehen viele Verlage mittlerweile einen potentiellen Gegner. Seit der US-Konzern vermeintlich oder tatsächlich pornografische Inhalte aus seinem App Store aussondert, fürchten viele Verleger, Apple könnte seine Zensurmaßnahmen auch auf ihre Inhalte ausdehnen.

Beim WePad und dem WeMagazine Publisher soll das völlig anders sein, verspricht Hoffer von Ankershoffen gegenüber SPIEGEL ONLINE. Er will den Verlagen jede Freiheit darüber lassen, wann, wie und zu welchem Preis sie ihre Produkte für das WePad veröffentlichen.

Der WeMagazine Publisher arbeite beispielsweise direkt mit dem Adobe-Layoutprogramm Indesign zusammen, erklärt Hoffer von Ankershoffen. Dabei vereinfache die Software den Umwandlungsprozess vom Print-Produkt zum digitalen Medium, indem sie Druckseiten nach ihrem Inhalt analysiert und automatisch einem dem Druck-Layout äquivalenten Online-Layout zuordnet. Von einer solchen Software träumen Verleger schon lange. Ob der WeMagazine Publisher dieses Versprechen halten kann, muss er erst noch beweisen.

"Ich verehre Steve Jobs"

Allerdings, und das zeigt wie wenig wichtig das WePad für die Ziele von neofonie eigentlich ist, soll die Software laut Hoffer von Ankershoffen digitale Inhalte nicht nur für das WePad, sondern für alle Computer, auf denen Adobes Laufzeitumgebung Air läuft, generieren können. Und das sind vom Grundsatz her fast alle Computer mit Linux-, Mac-OS-X- oder Windows-Betriebssystem. Damit nicht genug, werde die Software in einem Format auch Inhalte für Apples iPad erzeugen können, verspricht Hoffer von Ankershoffen, und bietet Verlegern damit quasi eine Möglichkeit an, Inhalte für das iPad zu erstellen und zu vertreiben.

Dabei habe er eigentlich nichts gegen Apple, sagt der Manager, dessen Unternehmen auch Software für Apples iPhone entwickelt. "Ich verehre Steve Jobs und ich liebe mein Macbook Air", erklärt Hoffer von Ankershoffen. Aber Apple mache eben auch Fehler, wird oft als zu selbstbewusst wahrgenommen. Diese Fehler wolle er mit dem WePad nicht machen. Verlage, Softwareentwickler und Kunden sollen von der Offenheit seines Systems überzeugt werden, nicht von dessen Design.

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31.03.2010 von m-pesch: ...

Und warum ist ihnen 500 € für einen Spielcomputer nicht zu teuer? Haben sie so viel Geld einfach übrig oder müssen sie dafür andere Anschaffungen erst mal zurückstellen? mehr...

26.03.2010 von M. Michaelis: ...

Ich finde an Apple nicht alles super. Und um Prinzipien geht es mir nicht. Das Angebot in Apples Appstore ist reichlich genug um nahezu Anforderungen abdecken zu können. Es herrscht ja dort wahrlich kein Mangel. Eher ein [...] mehr...

25.03.2010 von stormking: .

Der Unsinn findet sich ganz auf Ihrer Seite. Unter "Bashing" versteht man normalerweise, kein gutes Haar am Objekt der Kritik zu lassen und nicht etwa, einen ganz bestimmten Umstand gezielt zu kritisieren. Aber [...] mehr...

25.03.2010 von M. Michaelis: ...

Unsinn. Sie demonstrieren hier klassisches Apple-Bashing. Religös ist ihre universelle No-Go-Liste. Da geht es nur ums Prinzip. Offenheit als Selbstzweck. Mich interessiert nur ob ein System meinen Nutzungsanforderungen [...] mehr...

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WePad - Technische Daten
Prozessor Intel Atom N450, 1,66 GHz
Display 11,6 Zoll
Auflösung 1366 x 768 Pixel
Speicher 16 GB (optional 32 GB)
Erweiterung SD-Karten-Steckplatz
Bluetooth ja, Version 2.1
W-Lan 802.11n
GPS optional
UMTS optional
Abmessungen 28,8 x 19 x 1,3 cm
Gewicht 800 Gramm (mit UMTS 850 Gramm)
Sonstiges Webcam, Mikrofon, Audioausgang
Preis keine Angabe






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