Von Matthias Kremp
Das ging mal wirklich schnell. Kaum waren die ersten iPads im New Yorker Büro des SPIEGEL angekommen, traten sie auch schon die Weiterreise nach Deutschland an. Einen Tag später, am Ostersonntag, konnte ich eines der neuen Geräte in Hamburg in Empfang nehmen, ausführlich testen, ausprobieren und begutachten, was es mit Apples Wunderflunder auf sich hat.
Und das iPad wirkt, wie es schon der erste Eindruck andeutete, zunächst wie ein riesiger iPod Touch. Aber das ist nur Optik, Apple-Designer Jonathan Ive hat einfach seinen Stil gefunden, setzt auf Minimalismus, lässt alles weg, was verzichtbar ist. Nur wenige Knöpfe stören die ansonsten glattgeschliffenen und polierten Oberflächen. Was dagegen störend wirkt, sind die Fingerabdrücke, die den Hochglanzbildschirm schnell verschmutzen.
Da ist es schon verwunderlich, dass Apple dem iPad kein Putztuch mit ins Paket legt, wie es bei vielen anderen Hochglanzgeräten ja üblich ist. Ohnehin gibt sich Apple ausgesprochen zurückhaltend, was das mitgelieferte Zubehör betrifft: Ein Netzteil, ein USB-Kabel und ein paar Seiten gedruckte Kurzanleitung liegen neben dem iPad im Karton. Nicht einmal Kopfhörer werden den Käufern spendiert, die für das getestete 16-GB-Modell lässige 500 Dollar (ca. 370 Euro) plus Steuern bezahlen.
Auf Kopfhörer allerdings kann man durchaus verzichten. Zum einen, weil die eingebauten Lautsprecher laut genug sind, um das iPad in ein veritables Küchenradio zu verwandeln, das sogar ein paar Bässe zustande kriegt. Zum anderen, weil das iPad einfach zu groß und zu schwer ist, um als iPod-Ersatz für unterwegs zu taugen.
App-Preise: Jedes Pixel kostet
Als mit dem Internet verbundener Alleskönner für fast alle Informations- und Unterhaltungsbedürfnisse dagegen ist es umso besser geeignet. Die Grundausstattung dafür bringt es bereits mit, es hat den Webbrowser Safari und Apples E-Mail-Programm an Bord. Richtig spannend wird es aber erst nach dem ersten Streifzug durch den App Store. Schon am Tag des Verkaufsbeginns wurde der förmlich überflutet von neuen iPad- und iPhone-Apps, die für den größeren Bildschirm adaptiert wurden.
Einige App-Entwickler sehen in den iPad-Nutzern allerdings offenbar eine Kundschaft, die man stärker schröpfen kann als die iPhone- und iPod-Touch-User. Frei nach dem Motto "jedes Pixel zählt", liegen die Preise für die iPad-Varianten vieler Programme höher als gewohnt. App-Preise wie 4,99 Euro oder 7,99 Euro - bislang eher die Ausnahme - sind bei iPad-Apps nicht ungewöhnlich. Oft bekommt man für die Extra-Euros wenigstens ein paar Extra-Funktionen - und natürlich reichlich schicke Optik.
Das Fluglotsenspiel Flight Control etwa ist in der HD-Version fürs iPad nicht einfach nur größer, sondern enthält neue Spielmodi und 3-D-Grafik. Die Flugsuche-App Kayak hingegen sieht auf dem iPad zwar prima aus, wurde aber einiger Funktionen der iPhone-Version beraubt. Immerhin kostet die Software nichts. Das ist bei der "New York Times" ganz anders, die pünktlich zur iPad-Einführung den Preis für ihr E-Paper-Abonnement um satte 43 Prozent erhöht hat. Statt wie bisher 13,99 Dollar kostet die elektronische Ausgabe der amerikanischen Tageszeitung jetzt 19,99 Dollar.
Comics kommen klasse
Ob die Hoffnung der Verlage berechtigt ist, man könne auf diese Weise die wegbrechende Leserschaft der gedruckten Zeitung ersetzen, bleibt abzuwarten. Grundsätzlich jedenfalls macht das iPad als E-Book-Reader eine gute Figur. Auch wenn hier - wie auf spezialisierten Readern wie Amazons Kindle - kein E-Paper-Display zum Einsatz kommt, wirkt die Schrift gestochen scharf. Ein Detail, das man als Bettleser schnell zu schätzen lernt, ist eine Art Hold-Taste für die Drehsensoren des Bildschirms. Sie arretiert den Bildschirminhalt in seiner aktuellen Position. Ohne ihn würden die Buchseiten ständig ihre Ausrichtung ändern, wenn man sich im Bett bewegt.
Spannend dürfte sowieso werden, welchen Einfluss das iPad auf die E-Book-Reader haben wird. Amazon hat zum Verkaufsstart prompt eine iPad-Version seiner Kindle-Software herausgegeben, die Apples Gerät zum schärfsten Konkurrenten für den Kindle-Reader des Online-Versenders macht.
Parallel dazu haben etliche US-Verlage Zeitungen und Zeitschriften wie das "Wall Street Journal", die "USA Today" oder "Men's Health" als iPad-Version herausgebracht. Der Comic-Verlag Marvel bietet über eine App seine Bilderbücher zum Kauf an, unterstützt das Schmökern beispielsweise durch eine Funktion, die den Leser Bild für Bild durch den Comic führt. Auf dem iPad-Bildschirm sieht das klasse aus.
Und auch den Zeitungen kann man gute Qualität zuschreiben, denn nett anzusehen und gut zu lesen sind sie alle. Die Möglichkeiten, die so ein vernetzter Mobilcomputer bietet, schöpfen sie aber kaum aus. Auch nicht, wenn das "WSJ" bei jedem Start nach aktuellen Artikeln sucht und seine Texte mit kleinen Videos aufpeppt. Das lässt sich gut lesen, lässt aber auch noch reichlich Raum für Innovation.
iPod-Apps im Pixelmodus
Das gilt allerdings für etliche Apps. Manch neue iPad-Anwendung, wie etwa die von Ebay, wirkt, als wäre sie mit der heißen Nadel gestrickt, um zum Verkaufsbeginn dabei sein zu können. Positive Gegenbeispiele wie die App der IMDB (Internet Movie Database) oder der Player des US-TV-Senders ABC zeigen aber auch, was sich mit dem iPad alles anstellen lässt und lassen hoffen, dass es vergleichbare Angebote auch hierzulande geben wird, etwa von ProSiebenSat.1 - denn ideal ist der Medienträger iPad vor allem für Serienformate.
Was dagegen nur wenig Spaß macht, sind iPod-Apps auf dem iPad. Sie werden entweder in einem kleinen Fenster auf dem Bildschirm in Originalgröße angezeigt, was einen schwarzen Rand von fast vier Fünfteln des Displays entstehen lässt. Oder man tippt auf die Vergrößerungstaste, dann werden sie zwar bildschirmfüllend angezeigt, zeigen aber hässliche Pixeltreppen.
Was nervt
Und es gibt noch weitere Macken, die sich erst zeigen, wenn man eine Weile mit dem iPad hantiert hat:
Nicht jeder kann es aufladen: Im Test verweigerte das iPad an mehreren Computern - auch Macs - die Stromaufnahme. Im Display wird dann angezeigt: "Lädt nicht". Per Netzteil hingegen funktioniert das Aufladen zuverlässig. Vermutlich benötigt der Akku einen relativ hohen Ladestrom, den nicht alle USB-Anschlüsse liefern können.
Ein Account muss erst einmal reichen: Das iPad weigerte sich, zumindest im ersten Durchlauf, E-Mail-Accounts mit einem Computer zu synchronisieren. Erst als in iTunes die Option "Informationen auf diesem iPad ersetzen" angeklickt war, funktionierte der Datenaustausch - dann aber auch reibungslos.
W-Lan mit begrenzter Reichweite: Viele Erstkäufer berichten von Problemen mit der Reichweite drahtloser Netzwerke. In Gebäuden lässt die Leistung schon nach einer Zwischenwand deutlich nach, nach einer zweiten bricht die Netzanbindung teilweise ab, ein Phänomen, das wir bestätigen können. Möglicherweise sind die W-Lan-Antennen im iPad-Gehäuse zu gut abgeschirmt.
Manchmal ist es Handy, wo es Notebook sein sollte: Die Online-Bürosoftware Google Docs beispielsweise sieht auf dem iPad-Display erst einmal klasse aus. Damit hat es sich dann aber auch. Denn obwohl reichlich Platz wäre, eine virtuelle Tastatur vorhanden ist, bleibt man zum Betrachten der Online-Dokumente verdammt, kann Texte und Tabellen nicht bearbeiten. In Googles Tabellenkalkulation funktioniert das Scrollen in großen Tabellen nur mühsam, man bleibt quasi auf die erste Seite beschränkt. Aber das kann man wohl kaum Apple vorwerfen. Hier ist Google gefragt, nachzubessern.
Home, sweet home
Wirkliche Einschränkungen aber sind all diese Mankos nicht. Auf der Haben-Seite verbucht das iPad immer noch genügend Vorteile, die seine wenigen Macken vergessen lassen. Das sind vor allem sein brillantes, knapp zehn Zoll großes Display, das zwar glänzt, aber mit seiner Helligkeit doch gut gegen einfallendes Sonnenlicht ankämpfen kann. Eine etwas höhere Auflösung würde ihm noch gut zu Gesicht stehen, wenn es darum geht, HD-Filme abzuspielen.
Sein zweiter großer Pluspunkt ist sein Akku, den man zwar nicht selbst auswechseln kann, der die versprochenen zehn Stunden Dauerbetrieb dafür aber locker bewältigt, auch wenn man Videos anschaut oder viel im Web surft. Vor allem aber profitiert das iPad von den Grundlagen, die mit iPod und iPhone gelegt wurden: Es gibt ein üppiges Film- und Musikangebot sowie mehr als 150.000 Apps, von denen viele jetzt an das neue Gerät angepasst werden.
Denn gerade die Apps sind es, die den Reiz des iPad ausmachen, wenn sie gut gemacht sind, das Gerät selbst ist nur hübsch poliertes Metall und Glas. Davon hält man beim iPad allerdings genug in den Händen, um schnell zu merken, für die U-Bahn ist das nix. Zu schwer, zu unhandlich ist es mit seinen 680 Gramm geworden.
Zu Hause stört das freilich nicht. Apples PR-Bilder und Videos haben es schon angedeutet, am bequemsten geht man damit um, indem man die Beine hochlegt, den Bildschirm an seine Oberschenkel anlehnt. Diese Position macht aber auch klar, dass das iPad vor allem ein Freizeitspaß ist. Es lässt uns Medien konsumieren, und das auf hohem Niveau. Wer viel schreibt, Bilder oder Videos bearbeiten will, ist mit einem Desktop-PC oder Notebook besser beraten - bis es eine iPad-App dafür gibt.
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Ob Sie das überzeugt oder nicht, ist zum Glück völlig egal. Es ist eben so wie es ist und das ist gut. Wer sagt, das Erfinder benachteiligt werden? Wenn Sie das glauben, haben Sie das Wesen von Urheberrecht und Patentrecht [...] mehr...
Das beantwortet meine Frage nicht. Die Erlöse aus dem Verkauf von Tonträgern - wem sollen die zufließen? Dem Künstler wollen Sie es nicht geben - wem also dann? Und warum? mehr...
Zwei Dinge fallen dem neugierigen Leser diese Threads sehr irritierend, ja sehr befremdend ins Auge: (1) Seit viele Seiten geht es den Diskutanten nicht im Mindesten mehr um die Ausgangsfrage des Threads, oder wenigstens um [...] mehr...
es geht darum, dass Firmen vorschreiben wollen, dass man das Handy z.B. zwei Jahre nur mit einem bestimmten Provider nutzt, Stichwort Sim-Lock, und genau daran muss sich der Verbraucher nicht halten, egal was der Vertrag sagt. [...] mehr...
darauf hat eben niemand Anspruch, wer viel Geld will, muss auch viel arbeiten, einmal was hin schreiben oder einsingen, reicht eben nicht mehr. mehr...
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