Von Martin Heller und Matthias Kremp
Da wird was los sein, das war klar. In ihrer Einladung versprach die Berliner Neofonie GmbH, man werde "das WePad erstmals live erleben" können, wenn man sich am 12. April zu einer Pressekonferenz in Berlin einfinde. Der Hinweis, man rechne "mit einem hohen Interesse von Medienvertretern" und bitte deshalb "um möglichst frühzeitige Anmeldung", schien gerechtfertigt. Immerhin sollte es um den Touch-PC gehen, mit dem ein mittelständisches Unternehmen sich gegen Apple und sein iPad in Stellung zu bringen versucht - sogar die internationale Presse berichtete vorab über das "german tablet".
Und tatsächlich, als die Pressekonferenz am späten Montagnachmittag in einem Berliner Apartmenthotel beginnt, ist der Andrang beachtlich. Und die Neugier ist groß: Gibt es das wirklich? Gesehen hat es noch niemand. Die Bilder, die von dem Gerät kursieren (siehe Fotostrecke) sind allesamt Computergrafiken, haben mit einem realen Gerät nichts zu tun. "Ich suche die versteckte Kamera", sagt eine Journalistin während der Pressekonferenz.
Seit drei Jahren arbeiten die Entwickler an dem Produkt, heißt es dann. Und ganz bescheiden gibt man zu verstehen, das WePad solle mitnichten ein iPad-Killer sein. Vielmehr soll es eine Alternative dazu darstellen, denn: "Es kann mehr als ein iPad geben." Trotzdem hat man das Projekt unter großer Geheimhaltung betrieben. "Undercover" habe man es gebaut, sagt Helmut Hoffer von Ankershoffen, Chef der Firma Neofonie, die jetzt gemeinsam mit Partnerfirma 4tiitoo die WePad GmbH gegründet hat.
"Nur ein Demonstrationsfilm"
Dabei scheint nicht immer alles glatt gelaufen zu sein. Das Gerät, das auf der Pressekonferenz gezeigt wird, sei erst zehn Minuten vor dem Termin eingetroffen - "es hing beim Zoll in Köln fest", sagt einer der Männer, die für die chaotische Pressearbeit verantwortlich scheinen. Einem TV-Team hatte man versprochen, es schon zwei Stunden zuvor abfilmen zu dürfen. Daraus ist nun offensichtlich nichts geworden.
Der Begeisterung für das Thema tut das keinen Abbruch. Als Hoffer von Ankershoffen plötzlich ein WePad in die Höhe streckt, wird er augenblicklich von rund 20 Fotografen und zehn Kamerateams bestürmt. Alle wollen einen Schnappschuss von dem Mann, der Apples Steve Jobs herausfordert. Das Blitzlichtgewitter passt gut in die Choreografie, liefert einen kräftigen Kontrast zu den minutiös geplanten Bühnenshows des großen Konkurrenten.
Als die Pressekonferenz dann nach rund einer Stunde zu Ende geht, fragt ein Fotograf skeptisch, ob einer der Macher den Touchscreen einmal vorführen könne - und entzaubert damit viel von der Magie des vorher gezeigten Geräts. Denn die Antwort, die ihm Stephan Odörfer, Mitbegründer der Firma 4tiitoo und Mit-Geschäftsführer der WePad GmbH, gibt, ist ein klares Nein. Auf dem Bildschirm laufe nur ein Demonstrationsfilm, erklärt der Manager und liefert damit den Nährboden für neue Spekulationen.
Auslieferung im August
Schon beim Rausgehen raunt ein Zweifler: "Alles ein großer Fake." Einer der vielen Fachjournalisten, die sich erhofft hatten, das Gerät selbst einmal in die Hand nehmen, damit herumspielen zu können, ist nicht minder enttäuscht: "Etwas mehr Kontakt zum Gerät wäre auf einer Pressekonferenz schon schön gewesen", sagt er.
Zweifel werden diskutiert, ob das Gerät überhaupt schon ansatzweise marktreif ist. Immerhin hatte die Neofonie angekündigt, mit dem WePad auf den Markt zu kommen, noch bevor die ersten iPads in Deutschland ausgeliefert werden. Daraus wird nichts werden, so viel ist jetzt klar. Vorbestellungen sollen ab dem 27. April angenommen werden, ein sogenannter Soft-Launch, also die Auslieferung in homöopathischen Dosen, ist für den Juli geplant. Erst im August rechnen die Entwickler damit, WePads in nennenswerten Stückzahlen liefern zu können.
Ein Sonderangebot aber wird das WePad auch dann nicht werden. Immerhin 449 Euro soll das kleine Modell mit 16 GB Speicher und W-Lan kosten, die 32-GB-Variante mit UMTS und GPS soll für 569 Euro in den Handel kommen. Wie viel Apples iPad dagegen kosten wird, ist noch nicht bekannt, deutlich teurer wird es nicht werden. Dafür soll das WePad inklusive Dock, Tragetasche und einer drahtlosen Tastatur geliefert werden. Bei Apple müsste man für dasselbe Zubehör locker über hundert Euro bezahlen.
Viel Feind, viel Ehr'
Allerdings: Bei Apple kann man das auch. Das WePad hingegen bleibt vorerst weiter ein Phantom. Was in Berlin gezeigt wurde, kann man bestenfalls als eine Absichtserklärung bezeichnen: Erst wenn daraus endlich ein echtes Produkt wird, das man anfassen und ausprobieren kann und das die Produktmanager auch aus der Hand geben mögen, wird das WePad vielleicht wirklich zu dem, als was es gern gesehen wird, zum Anti-iPad.
Doch selbst dann dürfte es nicht leicht werden, gegen die übermächtige Konkurrenz anzustinken. Und das nicht nur wegen Apple. Auch die anderen PC-Hersteller schlafen nicht. Ebenso wollen Handy-Marktführer Nokia sowie der Suchmaschinen-Konzern Google bald eigene Tablet-Rechner im Stil des iPad vorstellen. Da wird die Neofonie weit mehr als ein paar Demovideos und einen Prototyp brauchen, um gegen diese geballte Marktmacht zu bestehen.
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So meinte ich es auch ;-) mehr...
Bleibe ich. Daß jeder Geräte auseinandernehmen kann, ist kein Verdienst Apples. In Bezug auf neue Modelle und sonstiges ist Apple aber intransparent - zu den Gerüchten, daß Apple bestimmte Meldungen vorab lanciert kann ich [...] mehr...
Ach wieso das denn? -- Bei Apple wird sogar jedes neue Gadget / Produkt innerhalb weniger Tage nach Vorstellung von einer ganzen Gemeinde von "Aufschraubern" und "Experten" buchstäblich zerlegt, Komponenten [...] mehr...
Also, Transparenz gibt es bei Apple und anderen auch nicht. Das stört mich auch nicht weiter. Dreistes Schwindeln hingegen schon. mehr...
Kleiner Nachtrag: Natürlich sollte das Wepad eine "zweite Chance" bekommen. In keinem Bereich ist es gut, wenn nur ein Konzern eine marktbeherrschende Stellung hat, Konkurrenz ist gut für den Verbraucher. Aber etwas [...] mehr...
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