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16.04.2010
 

iPad-Verkauf

Warum Apple nicht liefern kann

Von Matthias Kremp

iPad-Kartons: Apple kann nur die Nachfrage in den USA befriedigenZur Großansicht
AFP

iPad-Kartons: Apple kann nur die Nachfrage in den USA befriedigen

Der Weltkonzern Apple stellt mit dem iPad stolz ein neues Produkt vor - und muss dann melden: Wir können den Bedarf nicht decken. Wie kann es zu solchen Verzögerungen kommen?

Das iPad ist ein Renner, keine Frage. Mehr als 500.000 Exemplare des handlichen Touchscreen-Rechners konnte Apple seit dem Verkaufsbeginn am Osterwochenende verkaufen - nur in den USA. Das sind nicht nur weit mehr Geräte als im selben Zeitraum seinerzeit vom iPhone verkauft wurden, das sind zu viele. Ganz offensichtlich überfordert von dem großen Erfolg teilte der Konzern am Mittwoch mit, er werde die Auslieferung des Geräts außerhalb der USA um einen Monat verschieben. Man will offenbar versuchen, erst einmal die Nachfrage im Heimatmarkt zu decken.

Apple-Fans und alle, die auf das neue Gerät warten und nicht in Amerika leben, fragen sich: Was ist da los? Wieso kann ein Großkonzern wie Apple in einer solchen Situation nicht mal eben die Produktion hochfahren und mehr Geräte produzieren? Kann doch nicht so schwer sein. Und außerdem hat Apple ja auch etwas davon, schließlich bedeuten mehr verkaufte iPads fettere Gewinne.

Doch so einfach ist das nicht.

Wer in der Computerbranche erfolgreich agieren will, muss weit und weise vorausplanen, lange im Voraus abschätzen, welche Bauteile wann gebraucht werden - und wie viele. Dinge wie Mikroprozessoren, Kondensatoren, Touchscreens, Festplatten und Arbeitsspeicher werden börsenähnlich, abhängig von Angebot und Nachfrage also, zu Tagespreisen gehandelt. Bei hoher Nachfrage können diese abrupt in die Höhe schießen - und jede Preiskalkulation über den Haufen werfen. Generell aber unterliegen alle technischen Produkte eines gegebenen Standards einem Preisverfall: Liegen sie zu lang auf Lager, weil mehr produziert wurde, als umgehend verkauft werden können, werden sie schnell zum Minusgeschäft.

Ist Acer schuld an der späten Einführung neuer MacBooks?

Wer für seine Bestellungen den falschen Zeitpunkt wählt, zahlt also locker mal drauf, muss entweder den Preis seines Produkts erhöhen oder sich mit einer geringeren Marge begnügen. Die eigentlich unverderbliche Ware Hightech wird also disponiert, als ginge es um eine Frischware - anders rechnet sich das nicht.

Großbesteller wie Apple haben da natürlich gute Karten, können günstige Preise aushandeln. Um die Pflicht, rechtzeitig die benötigten Mengen zu ordern, kommen aber auch die ganz Großen nicht herum. Wer zu spät bestellt, geht im schlimmsten Fall leer aus, weil die Fabriken der Zulieferer nicht unbegrenzt Nachschub liefern können.

Wie sehr es manchmal davon abhängt, ob man die richtigen Chips in der richtigen Menge zur richtigen Zeit bestellt, zeigt das Beispiel der aktuellen Apple-Notebooks. Ein Update der Mobilrechner sei längst überfällig - darüber waren sich Beobachter schon vor Monaten einig. Apples alte MacBook-Modelle waren lange genug am Markt, Intel hatte neue Mobil-Prozessoren vorgestellt. Und doch verzögerte sich die Einführung der neuen Modelle von Woche zu Woche.

Vielfach wurde gemutmaßt, das läge einfach an Personalverschiebungen innerhalb Apples: Um das iPad möglichst schnell fertigzustellen, waren etliche Ingenieure und Programmierer aus anderen Projekten abgezogen und dem Apple-Tablet zugewiesen worden.

Wahrscheinlicher ist aber, dass Apple aus einem anderen Grund die neuen MacBooks gar nicht hätte liefern können. Ende März meldete das Branchenmagazin "Digitimes", Intel hätte Nachschubprobleme bei den neuen Notebookprozessoren der Typen i3, i5 und i7. Der Grund war offenbar eine Großbestellung. Während viele Hersteller noch mit der Wirtschaftskrise haderten, hatte Acer demnach optimistische Prognosen für seinen Notebookabsatz erstellt und riesige Menge der neuen Chips bestellt. Für Apples Bedürfnisse mag der verbleibende Nachschub dann nicht mehr gereicht haben.

"Designed by Apple in California"

Zu ähnlichen Engpässen kam es auch schon mit Intels Atom-Chips. Zeitweilig konnte eine neue Generation der auf diesen Chips basierenden Netbooks nicht geliefert werden, weil Intel nicht in der Lage war, die Billig-Prozessoren in ausreichender Menge zu fertigen. Das Hochfahren der Produktionsanlagen für solche Komponenten dauert manchmal Monate, weil die komplexen Herstellungsverfahren oft noch während der laufenden Produktion von Fehlern bereinigt und verbessert werden müssen.

Hinzu kommt, dass beispielsweise Apple seine Produkte fast ausschließlich von Fremdfirmen herstellen lässt. Nur das Design und die Technik werden von Apples Mitarbeitern, beispielsweise am Firmensitz in Cupertino, erarbeitet. Die Geräte selbst, egal ob iPod shuffle, Macbook Air oder Magic Mouse, werden nach Apple-Vorgaben in Asien gebaut. Firmen wie Foxconn, Compal und Quanta gehören mit ihren Niederlassungen in Taiwan und China zu Apples festen Hardware-Lieferanten. Es hat einen Grund, weshalb auf Apples Kartons stets zu lesen ist "Designed by Apple in California", denn die Produktion läuft anderswo.

Das Abgeben der Produktion an andere hat aber auch zur Folge, dass Apple seine Produktionsmenge nicht beliebig variieren kann. Die Zulieferer versuchen natürlich, ihre Fabriken optimal auszulasten, nehmen so viele Aufträge an wie möglich, können nicht die Produktion für einen Auftraggeber abbrechen, um einen anderen bevorzugt zu beliefern. Andernfalls wären sie bald pleite.

Knapp daneben

Manchmal aber ist es einfach nur so, dass die hohe Nachfrage nach einer bestimmten Komponente den Markt quasi austrocknet. Seit Apple in fast allen seinen iPod-Musikplayern den sogenannten Flash-Speicher anstelle von Festplatten verwendet, ist das Unternehmen der mit Abstand größte Abnehmer von Flash-Chips in der Computerbranche. Im Februar 2009 etwa meldete das Techblog D:All Things Digital, Apple habe bei Samsung Flash-Chips in einem Umfang geordert, der die Fabriken der Koreaner mehrere Monate auslastet. Da Samsung allein für rund 40 Prozent der weltweiten Produktion solcher Chips verantwortlich ist, bedeutete das, dass etliche andere Hersteller von Flash-MP3-Playern Versorgungsprobleme bekamen.

Genau umgekehrt ergeht es jetzt Apple selbst. Als das Management des Konzerns die Einführung des iPad plante, hat es offenbar vergleichsweise konservative Schätzungen über den zu erwartenden Absatz gemacht. Verständlich ist das. Das iPad war bis vor zwei Wochen noch eine große Unbekannte. Niemand wusste oder konnte einschätzen, wie gut das Gerät bei den Kunden ankommt. Zur Sicherheit hat man es dann wohl bei einer wöchentlichen Produktionsmenge belassen, die Spielraum ließ, die Lieferungen nötigenfalls zu bremsen, falls sich das iPad als Ladenhüter erweisen sollte. Doch genau das Gegenteil scheint der Fall zu sein.

Der Grund für die Verzögerungen bei der Auslieferung des iPad liegt also vermutlich einfach im Management, das sich mit seinen Prognosen schlicht verschätzt hat. Ein typischer Fall von "dumm gelaufen".

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Eckdaten des iPad
Name iPad (von Pad = Block)
Gewicht 1,5 Pfund (680 Gramm)
Bildschirm 9,7 Inch (ca. 25 Zentimeter) Durchmesser
Dicke etwa 1,3 Zentimeter
Batterielaufzeit zehn Stunden laut Apple
Standby-Zeit mehr als ein Monat laut Apple
Akku nicht austauschbar
Prozessor Apple-Eigenentwicklung A4, 1 Gigahertz
Speicher 16, 32 oder 64 Gigabyte
Audio Lautsprecher, Mikrofon, Headset
Markteinführung am 3. April (nur W-Lan, nur in den USA), Ende April (W-Lan und 3G, auch in Europa)
Quelle: Apple





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