Von Matthias Kremp
Jetzt also auch Sony Ericsson: Mit dem Highend-Modell Xperia X10 stellt das japanisch-schwedische Mobilfunkunternehmen sein erstes Handy mit dem Google-Betriebssystem Android vor. Doch statt sich erst einmal vorsichtig an das neue System heranzutasten, wurde das neue Smartphone mit allem vollgestopft, was ein Smartphone begehrenswert macht - und viel Energie verbraucht.
Der Bildschirm erfüllt locker beide Kriterien. Mit einer Diagonale von vier Zoll (10,1 Zentimeter) und einer Auflösung von 854 x 480 Bildpunkten bietet er reichlich Raum für optische Spielereien, für opulente Hintergrundbilder und viele kleine App-Icons. So ein Luxus-Bildschirm braucht aber leider auch reichlich Energie, um das bunte Treiben zu erhellen. Schaltet sich die Beleuchtung zum Stromsparen ab, sieht man zudem sofort den Nachteil, den ein solcher Touchscreen nun mal mit sich bringt: Er ist über und über mit Fingerabdrücken übersät.
Wenn man darüber hinwegsieht - oder den Schmierkram einfach an der Hose abwischt - macht das riesige Handy-Display dafür richtig Spaß. Unter anderem, weil sich die Entwickler bei Sony Ericsson zwei Applikationen ausgedacht haben, die von dem vielen Platz auch wirklich profitieren. Timescape etwa, das ab Werk auf dem Hauptbildschirm installiert ist, stellt sämtliche Kommunikation, die man per E-Mail, Facebook, Twitter, Telefon oder über die VZ-Netzwerke führt, in einem animierten 3-D-Bilderstrom dar. Die jeweils neues Nachricht liegt dabei zuoberst auf einem virtuellen Bilderstapel, durch den man mit dem Finger blättern kann. Tippt man einen Eintrag an, wird dessen Inhalt in einem kleinen Kästchen angezeigt.
Nicht ohne mein Ladegerät
Grafisch nicht ganz so aufwendig aber immer noch opulent arbeitet die Mediascape-App, die Fotos, Videos und Musik auf dem Bildschirm darstellt. Wie Timescape füllt auch dieses Programm den großen Bildschirm mit so viel Inhalt wie nur möglich. Dazu werden beispielsweise stets zehn Top-Titel aus Sonys Online-Musikshop Play Now samt Plattencover auf dem Bildschirm eingeblendet. Lästig dabei: Die glorreichen Zehn werden bei jedem Aufruf von Mediascape live aus dem Web geladen. Das kostet Zeit und, je nach Datenvertrag, Geld. Ein Aufwand der unnötig erscheint, weil bei Play Now zumindest binnen der zweiwöchigen Testphase kaum Veränderungen auszumachen waren. Kein Wunder, denn bei Preisen von 1,49 bis 1,99 Euro pro Song wird dort wohl kaum jemand groß einkaufen. Aber für Sony ist das neue Handy eben auch eine Werbefläche.
Ein hübsches Extra , das man schnell nicht mehr missen möchte, ist die Möglichkeit, Plattencover für Musik zu laden, die man selbst vom Computer aus auf die Speicherkarte des Handys übertragen hat. Das klappt zwar nicht immer, aber wenn es klappt, hübscht es die digitale Musiksammlung doch nett auf. Offenbar fehlte es den Programmierern dieser Funktion aber an Vertrauen in die Hardware. So verlangt das X10 stets nach W-Lan und Ladegerät, bevor es beginnt, fehlende Cover zu laden, selbst wenn der Akku noch zu 85 Prozent gefüllt ist und die UMTS-Verbindung Vollausschlag anzeigt.
Navigation nur zum Ausprobieren
Während Timescape und Mediascape trotz des schnellen Snapdragon-Prozessors manchmal ins Stottern kommen, profitieren andere Anwendungen ganz offensichtlich von der Prozessor-Power im X10. Google Maps beispielsweise braucht bei guter Netzanbindung nur wenige Sekunden, um den Standort zu ermitteln und die passenden Karten zu laden. Eine Navigationssoftware liefert Sony Ericsson übrigens als Try & Buy-Paket mit. Die Wisepilot genannte Software kann nach dem Probierzeitraum gegen eine Gebühr von 70 Euro für ein weiteres Jahr freigeschaltet werden. Da mittlerweile sogar Nokia seine Navigationssoftware Ovi Maps kostenlos verteilt, ist das weder günstig noch zeitgemäß.
Ein Glanzlicht ist dagegen die 8-Megapixel-Kamera des Xperia. Die ist zwar nicht die Schnellste und erreicht aufgrund des winzigen Gucklochs, durch das Licht auf den Bildchip fällt, auch nicht annähernd die Bildqualität einer normalen Digitalkamera, weist dafür aber einige Funktionen auf, die das Fotografieren unterwegs verschönern. Vor allem das Geotagging der Fotos, also das Einbinden von GPS-Ortsinformationen in die Bilder, gehört dazu. Mit Hilfe dieser Daten lassen sich am Computer schöne Reisekarten erstellen.
Groß und Griffig
Nicht ganz so perfekt arbeitet die Auslöseautomatik, die Bilder knipsen soll, sobald die anvisierte Person lächelt. Sie funktioniert ebenso durchwachsen wie bei vielen anderen Kameras, die Ähnliches anbieten. Und auch die Gesichtserkennung, die bis zu fünf häufig fotografierte Personen automatisch erkennen, die Bilder entsprechend markieren soll, erreicht zwar oft eine hohe Trefferquote, aber eben nicht immer.
Was mich beim Umgang mit dem X10 wirklich erstaunt hat war, dass es in der Hand größer wirkt als ein nahezu gleich großes iPhone. Im Unterschied zum Apple-Handy hat das Xperia X10 mehr Ecken und Kanten. Dafür schmiegt sich sein samtig matter Rücken angenehm in die Handfläche, vermittelt eine wärmere und griffigere Haptik als der klavierlackschwarze Rücken des Apple-Modells.
Das nächste Update kommt bestimmt
Eine Entscheidung, die Sony Ericsson beim Xperia X10 getroffen hat, scheint allerdings vollkommen unverständlich. Statt der aktuellen Android-Version 2.1 ist auf dem Gerät die längst veraltete Variante 1.6 installiert. Dadurch müssen X10-Käufer beispielsweise auf die Sprachwahlfunktionen und die aktiven Bildschirmhintergründe des aktuellen Betriebssystems verzichten. Zudem wurde die genutzte Android-Variante unter anderem um ihre Diktierfunktion beschnitten. Einige dieser Fehlstellen lassen sich zwar mit Apps aus dem Android Market auffüllen, so elegant wie die integrierten Funktionen ist das aber nicht.
Immerhin: Sony Ericsson hat angekündigt, das Xperia X10 kontinuierlich mit neuer Software zu verbessern. Ein größeres Update, womöglich auf eine neue Android-Version, ist für die zweite Jahreshälfte geplant. Wenn der Hersteller dann gleich auf Android 2.2 aufrüstet, würde er dem X10 damit auch Flash-Fähigkeiten einimpfen, die dem Gerät bislang noch fehlen.
So betrachtet, ist das Xperia X10 ein guter Kauf: Man bekommt schon jetzt eines der besten Android-Handys, das nur bei der Software noch ein wenig schwächelt und kann darauf hoffen, in einigen Monaten kostenlos neue Funktionen nachrüsten zu können. Kein schlechter Deal.
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Stimmt, das iPhone gibt's ja quasi geschenkt...als ob nicht gerade Apple für seine überzogenen Preise bekannt wäre. Sorry, jetzt fällt's mir wieder ein - Apple macht ja keine Mobiltelefone sonder Lifestyle Produkte, na dann [...] mehr...
In den Apple-Threads lesen Sie sich in der Regel gaaanz anders. mehr...
Da wird man noch zum Apple Fan. Aber man kann es ja vielleicht selber weiter programmieren ;) Wenn die Software offen steht, dann weiß man wenigstens was man hat. Der Preis ist ja auch nur für Manager. Wer hat schon so viel [...] mehr...
Die Kamera ist, wie bei allen anderen Android-Geräten auch, schlichtweg unbrauchbar, da man sie nicht manuell einstellen kann. Blende und Belichtungszeit sind nicht einmal über das Android-API direkt veränderbar. Eine Ausgabe [...] mehr...
"Kein schlechter Deal"?? Hallo? Man kauft ein Gerät, dass zwar hardwaremäßig Top ist - aber softwaremäßig bereits bei Erscheinen veraltet ist. Und darf dann "darauf hoffen", dass SE die Software [...] mehr...
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