Kennen Sie peri-Xanthenoxanthen? Macht nichts, so lange Sie kein Chemiker sind, müssen Sie das auch nicht. Trotzdem werden Sie diesen Stoff, einen sogenannten organischen Halbleiter, möglicherweise in den kommenden Jahren kennenlernen, nur nicht unter diesem Namen. Denn peri-Xanthenoxanthen ist die Grundlage für eine neue Technik, mit der es den Ingenieuren des Sony-Konzerns gelungen ist, Bildschirme nicht nur extrem flach, sondern auch extrem flexibel zu machen.
Wie flexibel diese neuen Displays tatsächlich sind, zeigte das Unternehmen auf dem Fachsymposium SID (Society for Information Display) im amerikanischen Seattle. Dort zeigten sie eine Maschine, die einen solchen Bildschirm kontinuierlich auf- und wieder abrollte - während darauf ein Film abgespielt wurde (siehe Video unten).
Der Bildschirm ist so enorm biegbar, weil er nicht aus herkömmlichen, kristallinen Halbleitermaterialien wie Silizium aufgebaut ist. Stattdessen verwenden die Sony-Forschen organische Stoffe wie eben jenes schwer aussprechbare peri-Xanthenoxanthen. Solche Materialien haben für den Hersteller gleich mehrere Vorteile. So sind die daraus hergestellten Schaltkreise und Isolatoren nicht nur biegsam, sondern können auf eine Trägerfolie quasi aufgedruckt werden. Weil dieser Vorgang außerdem weniger Material und Energie benötigt als die herkömmliche Halbleiterherstellung, soll das Display laut Sony auch umweltfreundlicher sein. Demnach müssten Roll-Displays auch billiger als normale werden.
Die Maße und technischen Daten des Prototyps würden perfekt zu vielen aktuellen Smartphones passen. Die Auflösung des Roll-Displays gibt Sony mit 432x240 Pixeln an, was im Bereich aktueller Handys liegt. Die Bildschirmdiagonale ist mit vier Zoll (10,2 Zentimeter) aber deutlich größer als die meist knapp über drei Zoll großen Bildschirme der meisten Smartphones.
Klobig würde ein Handy auf Basis der neuen Technik trotzdem nicht sein, schließlich lässt sich der Bildschirm um eine Rolle mit einem Radius von nur vier Millimetern aufrollen. Klein genug, um wie ein Kugelschreiber in der Tasche getragen zu werden, aber immer noch mit ausreichend Platz für eine Menge Handy-Technik. Der Bildschirm selbst würde den Zylinder, um den er gewickelt wird, dabei kaum dicker machen. Nur 80 Mikrometer soll das fertige Display dick sein. Zum Vergleich: Laut Wikipedia ist ein menschliches Haar durchschnittlich 70 Mikrometer dick.
Wer bei dieser Vorstellung schon in Richtung Geldbörse schielt und sich fragt, wann man denn ein solches bleistiftgroßes Handy wird kaufen können, hat vermutlich noch reichlich Zeit, um das dafür nötige Kleingeld anzusparen. Denn noch ist der Bildschirm zum Aufrollen nur ein Prototyp. Das Einzelstück soll zeigen, dass es diese Technik gibt und dass sie beherrschbar ist. Jetzt aber müssen erst einmal die Herstellungsprozesse erfunden werden, mit denen sich solche Displays in großen Mengen und zu möglichst niedrigen Preisen produzieren lassen.
Und es müssen sich Designer und Elektronikexperten finden, die aus der Idee ein richtiges Produkt machen.
mak
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