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27.07.2010
 

DVD-Filmbeileger

Freiwild mit Kartoffelbrei

Von Johannes Sträter

Knallharte Gangster, Drogendealer, verzweifelte Ex-Ganoven: Die DVD-Filmbeileger der Publikumsmagazine sind gar nicht sommerlich, überhaupt nicht heiter. SPIEGEL ONLINE empfieht, welche Filmbeilage den größten Thrill verspricht.

Computer Bild

"Das Leben nach dem Tod in Denver", USA 1995. Regie: Gary Fleder. Darsteller: Andy Garcia, Christopher Walken. Format: 1,85:1 (16:9). Länge: 111 Min. FSK: 16 Jahre. Heftpreis: 3,70 Euro.

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Der Exilkubaner Andy Garcia ("Die Unbestechlichen") ist seit Ende der achtziger Jahre Garant für harte Krimis mit Charme. In dem wenig bekannten Gangsterdrama von 1995, das diesmal der aktuellen "Computer Bild" beiliegt, spielt er den smarten Ex-Ganoven Jimmy, der erfolglos versucht, mit seiner Vergangenheit abzuschließen. Seine Videoagentur ist pleite und sein alter Boss, der "Mann mit dem Plan" (Christopher Walken), hat noch eine Rechnung mit ihm offen. Als Jimmy einen letzten Job für ihn erledigen soll, trommelt er seine alte Gang wieder zusammen. Doch alles geht schief und der Boss erklärt die Truppe zum Freiwild.

Bis in die Nebenrollen hinein prominent besetzt, handwerklich sauber produziert und dazu noch mit einem vielseitigen Drehbuch von Scott Rosenberg ("Con Air") ausgestattet hätte dieser Film weitaus mehr Bekanntheit verdient. Stilistisch an Vorbilder wie "Pulp Fiction" angelehnt, zeigt er glaubwürdige Charaktere, die ihre ganz eigenen, spannenden Geschichten erzählen. Gary Felder legte damit die Grundlage zu seinem späteren Durchbruch mit dem Thriller "…denn zum Küssen sind sie da" (1997). Gute Genrekost mit der Tendenz zum Geheimtipp.

Bis 30. Juli im Handel

PC Action

"Uro", N 2006. Regie: Stefan Faldbakken. Darsteller: Nocolai Cleve Broch, Ane Dahl Torp. Format: 2,35:1 (16:9). Länge: 100 Min. FSK: 16 Jahre. Heftpreis: 7,90 Euro.

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Mit dieser Ausgabe verabschiedet sich die "PC Action" nach drei Jahren stilgerecht aus dem Pool der Filmbeileger-Magazine. Das ist schade, denn die Filmauswahl des Spielemagazins sorgte oft für Abwechslung vom Hollywood-Einerlei, was auch der aktuelle, norwegische Polizei-Thriller noch einmal beweist. Der Kriminelle Hans Peter Hansen (Nocolai Cleve Broch) lässt sich von der Antidrogeneinheit URO rekrutieren, um als verdeckter Ermittler ein neues Leben zu beginnen.

Schnell knüpft er Kontakte zum Osloer Drogenmilieu, doch seine Unbeherrschtheit bringt ihn ebenso schnell in Schwierigkeiten. Als er sich auf einen gefährlichen Deal einlässt, verliert er jegliche Kontrolle und wird von seiner eigenen Vergangenheit eingeholt.

Hart, schnörkellos und realitätsnah setzte der preisgekrönte Jungfilmer Stefan Faldbakken ("Anolit") seine Beobachtungen bei einer echten Polizei-Einheit in Szene. Er zeigt keine glänzenden Actionhelden, sondern verletzbare Menschen, deren Entscheidungen oft irrational sind, weil sie unter enormem psychischen Druck stehen. Sein quasi-dokumentarischer Stil überzeugte auch das Publikum beim Filmfestival in Cannes, wo der Streifen in der Sektion "Un certain regard" lief. Freunde kompromissloser, düsterer Drogenthriller werden sich diesem Urteil ohne Zweifel anschließen: sehenswert.

Bis 10. August im Handel

SFT-Magazin

"Stories of Lost Souls", AUS/GB/RA/USA 2006. Regie: Deborra-Lee Furness u.a. Darsteller: Cate Blanchett, Hugh Jackman. Format: wechselnd. Länge: 86 Min. FSK: 12 Jahre. Heftpreis: 4,50 Euro.

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Die "SFT" überrascht diesmal mit einem Genremix von sieben international produzierten Kurzfilmen. Das Besondere daran: In den dramatischen, gruseligen oder satirischen Episoden toben sich durchweg prominente Darsteller aus.

So sehen wir beispielsweise Cate Blanchett ("Babel") furios ein Abendessen aus Würstchen und Kartoffelbrei bereiten, Daryl Hannah ("Kill Bill") als Supermarktaushilfe verzweifeln oder James Gandolfini ("The Mexican") nach einer durchzechten Nacht in der falschen Wohnung aufwachen. Die Güte der Beiträge variiert stark, trotzdem macht es über weite Strecken Spaß, den gestandenen Hollywood-Größen bei ihren Workshop-ähnlichen Kurzauftritten zuzusehen.

Bis 24. August im Handel

TV Movie

"Gangster No. 1", D/GB 2000. Regie: Paul McGuigan. Darsteller: Malcolm McDowell, Paul Bettany. Format: 1,78:1 (16:9). Länge: 99 Min. FSK: 16 Jahre. Heftpreis: 3,50 Euro.

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London 1999: Der ergraute Gangsterboss (Malcolm McDowell) amüsiert sich im Kreis seiner Spießgesellen, als er die Nachricht erhält, dass sein alter Mentor aus dem Knast entlassen wird. 30 Jahre zuvor hatte er ihn als ehrgeiziger Heißsporn (Paul Bettany) vom Thron gestoßen. Voller Unbehagen erwartet er nun seine Rückkehr, denn immer noch glaubt er, seinem Vorbild etwas beweisen zu müssen. Doch der hat ganz andere Pläne…

Bereits 1971 zeigte der junge Malcolm McDowell in Stanley Kubricks Meisterwerk "Clockwerk Orange", wie man pure Gewalt auf die Leinwand bringt. 30 Jahre später hat er die Stafette an Paul Bettany ("Master and Commander") weitergereicht, der in diesem Film voller Wut, Eifersucht und Gier als besessener Nachwuchsgangster glänzt.

Paul McGuigan ("The Reckoning") inszenierte seine Geschichte großartig als Tragödie und lässt dazu in Rückblenden die Atmosphäre der Swinging Sixties wieder aufleben. Unterstützt von den optischen Ideen seines Kameramanns Peter Sova ("Good Morning, Vietnam") und einem passenden Score wird daraus ein Filmerlebnis, an das man sich auch nach ein paar Tagen noch lebhaft erinnert.

Bis 5. August im Handel

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