Berlin - Die besten Musikspieler haben oft schlechte Kopfhörer. Auch wenn das nicht in jedem Fall zutrifft: Mitgeliefertes Zubehör ist oft ein klangliches Desaster, manchmal ist es sogar schlichtweg nicht vorhanden. Auf der Internationalen Funkausstellung (Ifa) vom 3. bis 8. September in Berlin haben viele Hersteller deshalb neue mobile Klangwandler im Programm. Vom Kopfhörer bis zu erstaunlich gut klingenden Aktivboxen für Notebook und PC.
"Die jungen Leute kennen Stereoanlagen in klassischer Form ja gar nicht mehr", meint Holger Biermann, Chefredakteur des Audiomagazins "Stereoplay". Musikgenuss finde immer mehr im öffentlichen Raum statt. Kopfhörer so groß wie Ohrenwärmer sind längst modisches Accessoire. 2009 sind Biermann zufolge erstmals mehr Kopfhörer als Hifi-Boxen verkauft worden.
Sennheiser präsentiert auf der Messe zwei Neuheiten mit Bluetooth-Anbindung. Der Kopfhörer PXC 360 BT (350 Euro) sowie das Headset MM 550 Travel (400 Euro) lassen sich drahtlos mit Musik- und Videospielern koppeln, können aber auch über das beiliegende Kabel angeschlossen werden. Beide Kopfhörer eliminieren Umgebungslärm aktiv mit Gegenlärm. Die Bedienelemente sind - etwas gewöhnungsbedürftig - auf der Außenseite der Kopfhörermuschel angebracht.
Neuseeländisches Schafsleder?
Eigentlich für ihre High-End-Lautsprecher bekannt hat auch der Hersteller Bowers&Wilkins (B&W) jüngst sein allererstes Kopfhörermodell auf den Markt gebracht. Der P5 kostet 300 Euro und verspricht Tragekomfort mit Ohrpolstern aus weichem, neuseeländischem Schafsleder. Wer ein spezielles Anschlusskabel nutzt, soll darüber die neuesten iPhone- und iPod-Modelle steuern können - sowohl per Knopfdruck als auch über Sprachbefehle. Zum Test lädt auf der Ifa die "iZone" ein, ein eigener neuer Bereich nur für Apple-Zubehör.
Beyerdynamic reist mit einem neuen "High-End-Kopfhörer für die Straße" zur Messe. Das 890 Euro teure Modell T5p soll selbst aus leistungsschwachen Musikspielern und bei stark datenreduzierter Musik Klangfülle generieren. Das 1,20 Meter kurze Anschlusskabel mit Winkelstecker ist für den Betrieb unterwegs ausgelegt, lässt sich aber auf vier Meter verlängern - etwa für den Anschluss an die Anlage zu Hause oder an den Fernseher im Hotelzimmer.
17 Zentimeter müssen reichen
Auch in den eigenen vier Wänden soll das Musikhören heute möglichst flexibel sein. "Audiophilen Spitzenklang für den Schreibtisch" verspricht beispielsweise B&W seinen Kunden in Form des neuen Hifi-Computerlautsprechers MM-1, der zum Preis von 499 Euro pro Paar erhältlich ist. Die 17 Zentimeter hohen Zwei-Wege-Aktivboxen sollen auch ohne Subwoofer eine gute Basswiedergabe erzielen. An den Lautsprechern finden sich Kopfhörer- und ein USB-Anschluss.
Auch kleinere Firmen bringen transportable Lautsprecher auf den Markt, darunter der kleine Berliner Aktivboxen-Hersteller Adam. Seine Antwort auf MP3-Spieler, Notebooks und Netzwerkplayer ist die auf der Ifa vorgestellte Artist-Serie. Der kompakteste der Multimedia-Lautsprecher mit eingebauter Verstärkereinheit ist der Artist 3 (252 mal 150 mal 185 Millimeter). Zum Stückpreis von 325 Euro gibt es unter anderem Kompatibilität zu Smartphones und beliebigen anderen Abspielgeräten über Klinkenbuchse, USB-Schnittstelle oder Cinch-Anschluss. Mit Subwoofer, Säulen- und Center-Lautsprecher aus der Artist-Serie können die kleinen Boxen zum Surround-Mehrkanalsystem ausgebaut werden, für das dann jedoch rund 3000 Euro anfallen.
Stefan R. Weißenborn, dpa
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