Von Johannes Sträter
"Freeway", USA 1996. Regie: Matthew Bright. Format: 1,78:1 (16:9). Länge: 97 Min. FSK: 16 Jahre. Preis: 3,70 Euro.
Die 16-jährige Vanessa (Reese Witherspoon) kann wenig erschüttern, doch als ihre Mutter und ihr Stiefvater schon wieder wegen Drogenbesitzes verhaftet werden, hat sie endgültig genug und büxt der Jugendfürsorge aus. Die einzige Hoffnung ist ihre Großmutter, doch auf dem Weg dorthin trifft sie den scheinbar feinsinnigen Psychologen Bob Wolverton (Kiefer Sutherland), der es in Wirklichkeit auf sie abgesehen hat. Vanessa wehrt sich erfolgreich, aber die Polizei glaubt dem abgebrühten Teenager kein Wort.
Frei nach dem Märchen vom Rotkäppchen und dem bösen Wolf debütierte Matthew Bright unter den Augen von Produzent Oliver Stone ("JFK") mit einem typischen Film der neunziger Jahre. Angelehnt an die absurden Gewaltorgien von Stones "Natural Born Killers" (1994), aber in der Konsequenz deutlich unernster, lassen Reese Witherspoon ("Pleasantville") und Kiefer Sutherland ("24") alle Zügel los. Fein dosiertes Überagieren und allerlei bizarre Situationen bieten beste Trash-Unterhaltung mit einem Hang zur Groteske, die man wohl am besten als Crossover-Kino bezeichnen kann: gewaltvolle Action, dialoglastiges Drama und ein wenig Krimispannung.
Bis 27. August im Handel
"Infernal Affairs 3", HK 2003. Regie: Andrew Lau, Alan Mak. Format: 2,35:1 (16:9). Länge: 102 Min. FSK: 16 Jahre. Heftpreis: 3,99 Euro.
Mit dem dritten Teil des ebenso gefeierten wie komplexen Asia-Thrillers "Infernal Affairs" (2002) lösen sich auch die letzten Rätsel um das Schicksal des Undercover-Polizisten Yan (Tony Leung) und seinem Widerpart, dem Undercover-Banditen Ming (Andy Lau). Beide waren als geniale Spitzel der jeweiligen Gegenseite tief in den Krieg zwischen der lokalen Mafia und der Polizei Honkongs verstrickt, nur Yan verlor am Ende des zweite Teils dabei sein Leben.
Zehn Monate später kehrt Ming nun wieder zu der internen Ermittlungsabteilung der Polizei - den "Internal Affairs" - zurück, um dort seine Spuren als Maulwurf zu verwischen. In Rückblenden wird so manche Episode aus der Vergangenheit geklärt, aber auch ein neuer Mann ins Spiel gebracht, der Mings doppeltes Spiel in der Gegenwart massiv bedroht.
Als Martin Scorsese ("Taxi Driver") 2006 mit dem amerikanisierten Remake "The Departed" einen seiner finanziell erfolgreichsten Filme schuf, war die Trilogie des Regieduos Lau und Mak ("Confession of Pain") bereits Legende. Perfekt ausgespielt von den beiden mittlerweile weit über Asien hinaus bekannten Stars Andy Lau und Tony Leung ("Hero") hat auch der dritte Teil das Potential zu einem fesselnden, zwischen Drama und Actionthriller austarierten Filmerlebnis - allerdings mit einer Einschränkung: Wer die beiden ersten Teile nicht kennt, wird viele Anspielungen nicht verstehen und nur den halben Spaß daran haben.
Bis 22. September im Handel
"36 Stunden bis zum Tod", CDN/USA 1999. Regie: Yves Simoneau. Format: 1,78:1 (16:9). Länge: 91 Min. FSK: 16 Jahre. Heftpreis: 4,50 Euro.
Nach überstandenem Herzinfarkt entdeckt Brauereibesitzer Noah Stone (Treat Williams), dass sein Bruder in der Zwischenzeit von dem Mafia-Emporkömmling Morano (Saul Rubinek) erpresst wird. Die gemeinsame Firma und das Leben der ganzen Familie stehen auf dem Spiel. Noahs Versuch, mit der Polizei eine schnelle Lösung zu finden, endet fast in einer Katastrophe. Nun machen sich er und seine Kumpels daran, die Pläne des Fieslings auf eigene Faust zu durchkreuzen.
Treat Williams machte seit seinem Durchbruch als Oberhippie in Milos Formans Rockoper "Hair" (1979) eine solide, aber eher flache Schauspielkarriere. Ähnlich unspektakulär, aber durchaus kurzweilig, zeigt Yves Simoneau ("Free Money") mit seiner Variation eines altbekannten Filmplots, wie ein harmloser Familienvater dem skrupellosen Verbrecher Paroli bietet. Die zynische Rolle des Bösewichts darin verkörpert Saul Rubinek ("Nichts als Ärger"), den man hierzulande vor allem als Psychiater aus der Fernsehserie "Frasier" kennt. Genau dorthin gehört auch dieser kleine Krimi: In das Umfeld gehobener Fernsehproduktionen.
Bis 28. September im Handel
"Long Weekend", AUS 2008. Regie: Jamie Blanks. Format: 2,40:1 (16:9). Länge: 84 Min. FSK: 16 Jahre. Heftpreis: 3,50 Euro.
Die Ehe von Carla (Claudia Karvan) und Peter (James Caviezel) hat ihre besten Tage hinter sich. Bei einem Campingwochenende am einsamen Strand gibt das Paar sich eine letzte Chance, doch der Trip gerät zum Fiasko. Während Peter seiner Outdoor-Leidenschaft frönt und Carla sich nach städtischer Bequemlichkeit sehnt, treten beide die Wildnis um sie herum mit Füßen. Als Peter dann auch noch die Leichen anderer Camper entdeckt, ist der Alptraum perfekt.
Jamie Blanks ("Düstere Legenden") modernisiert in seinem Remake einen gleichnamigen Mysterystreifen von 1977, der schon damals erfolgreich zeigte, wie man mit wenig Mitteln große Wirkung erzielt. Die Natur wird darin zum Katalysator für die Probleme eines rücksichtslosen Yuppie-Paares, auch wenn die Drehbuchideen dazu stellenweise übertrieben symbolisch wirken. In der strahlenden Idylle des südaustralischen Wilson Promontory Nationalparks lässt Blanks einen subtilen Horror wachsen, der Freunde des expliziten Schockers enttäuschen wird. Alle anderen erwartet jedoch ein gut gefilmter, bis zuletzt packender Mysterythriller mit zwei überzeugenden Darstellern.
Bis 2. September im Handel
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