Samsung hat gelernt, vor allem von Apple. Auf ähnliche Weise wie das amerikanische iPod-Unternehmen vor großen Produktankündigungen kleine Details durchsickern lässt, um Aufmerksamkeit zu erzeugen, bedient sich auch der koreanische Konzern jetzt der Mittel viraler Werbung. In einem kurzen Webvideo, nur 20 Sekunden lang, kündigt das Unternehmen seinen ersten Tablet PC an, das Galaxy Tab. Gerüchte über dieses Anti-iPad hatte es schon seit Monaten gegeben, durch die Video-Web-Seite sind sie nun bestätigt worden: Samsungs Tablet wird bald vorgestellt werden, am 2. September auf der Ifa in Berlin.
Die Meldung von Samsungs PR-Vorstoß hat sich binnen Stunden durch Gadget-Blogs und Nachrichten-Web-Seiten verbreitet. Schließlich hatten die Koreaner sich zu den Meldungen über ihr Tablet-Projekt bisher eher bedeckt gehalten. Erste Gerüchte über das Gerät, das zunächst noch als Galaxy Tape bezeichnet wurde, machten schon im Juni die Runde. Offiziell bestätigt wurde seine Existenz Anfang August von einem nicht genannten Samsung-Vertreter, allerdings ohne technische Details preiszugeben.
Das hat sich mit der Veröffentlichung des Teaser-Videos jetzt geändert. Viel ist dem Filmchen nicht zu entnehmen, das als einziger Inhalt auf einer eigens dafür eingerichteten Web-Seite in einer Endlosschleife läuft. Aber das wenige an Infos, das Samsung da einblendet, reicht schon, um sich ein ungefähres Bild von Samsungs Einstieg ins Tablet-Geschäft zu machen.
Wischen statt Tippen
Zudem scheinen zwei Kameras eingebaut zu sein. Im Text zum Video ist von Videochat die Rede, wozu eine Frontkamera eingebaut sein müsste, die zum Nutzer hin ausgerichtet ist. Im Video ist außerdem eine Kameralinse zu sehen, die in der rechten oberen Ecke auf der Rückseite montiert ist. Sie wird nicht nur zum Fotografieren genutzt werden, sondern auch für Augmented-Reality-Anwendungen (AR), bei den Realbilder mit Informationen aus dem Internet überlagert werden. In einigen Galaxy-Handys verwendet Samsung hierzu die AR-Software Layar.
Für die Texteingabe hat Samsung offenbar die Swype-Technik integriert. Statt die Buchstaben eines Wortes nacheinander anzutippen, wischt man per Swype von einem Buchstaben zum nächsten, ein nicht ganz neues Verfahren, das zunächst sehr ungewohnt ist, aber nach kurzer Eingewöhnung erstaunliche schnelle Texteingaben ermöglicht. Was sich in der Praxis noch zeigen muss, ist, wie sehr der Bildschirm durch das ständige Gewische verschmutzt.
Als Betriebssystem will Samsung löblicherweise die aktuelle Android-Version 2.2 verwenden. Löblich deshalb, weil es immer noch etliche Hersteller gibt, die Handys und Tablet mit längst veralteten Android-Varianten, vorzugsweise der Version 1.6, ausstatten und eine späteres Update lediglich in Aussicht stellen. Nur durch Android 2.2 wird das Unternehmen zudem sein Versprechen eines "vollständiges Webbrowsers" einlösen können, denn in Android 2.2 läuft auch Adobe Flash, dem Apple den Zugang zu iPhone und iPad versperrt.
Plastik statt Alu
Einen ersten öffentlichen Auftritt hat das Galaxy Tab auch schon gehabt, wohl unabsichtlich. In einem Nahverkehrszug nahe Sydney erspähte der australische Journalist Sanjiv Sathiah das ihm bis dahin unbekannte Gerät und filmte es mit seiner Handy-Kamera. Darauf angesprochen, wollte der Besitzer des Tablets keine genauen Angaben machen, schwärmte aber, es sei "anders als das iPad" und "großartig".
Ob das Galaxy Tab diesen Vorschusslorbeeren und dem Hype, den das Samsung-Video erzeugt hat, gerecht werden kann, wird man freilich erst beurteilen können, wenn es in Berlin sein offizielles Debüt gibt. Apple-Fans, das scheint klar, werden auf jeden Fall etwas daran auszusetzen finden. Und sei es nur das Gehäuse, das angeblich nicht wie bei iPad aus Aluminium, sondern aus Kunststoff hergestellt wird. Wir werden sehen.
mak
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Netzwelt | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Gadgets | RSS |
| alles zum Thema Samsung | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH