Von Matthias Kremp
Das Über-Thema der Messe ist natürlich 3D. Da gibt es 3-D-Fernseher, 3-D-Blu-ray-Player, 3-D-Surround-Receiver und noch einiges mehr. Das zweite Groß-Thema ist Touch. Nicht, weil man in Berlin auf der Messe die Exponate anfassen darf, sondern weil es neben Touchscreen-Handys und Touchscreen-Tablets auch noch etliche andere Geräte gibt, die irgendwie "touchy" sind. Und dann sind natürlich überall Sensoren drin, das kennt man von Smartphones, die mit Kompass, Gyroskop und Beschleunigungssensor in der Lage sind, jederzeit exakt zu bestimmen, wo im Raum sie sich befinden und wie sie ausgerichtet sind, was für Fußgängernavigation und Augmented-Reality-Anwendungen wichtig ist.
Es gibt aber nur ein Produkt auf der Ifa, das diese drei Kernthemen in sich vereinigt, also Touch hat, Sensoren und auch noch 3D. Das aber ist weder TV noch Multimedia-PC, es ist der Sensortouch 3D - ein Rasierapparat, der laut Hersteller Philips die nun wirklich aller-, allersanfteste Rasur bietet. Und das natürlich in 3D, sensorgesteuert und mit einer Touch-Taste als Einschaltknopf. Manche Begriffe sind eben durchaus ambivalent und unscharf.
Aber nicht nur wegen solcher Kuriosa lohnt ein Streifzug durch die Hallen mit der weißen Ware. Auch weil man neue Vokabeln lernen kann, deren Wichtigkeit einem vielleicht gar nicht bewusst war. "Dampfdurchdringungsvermögen" ist ein solches Wort. Je höher nämlich dieser Wert, umso weniger Chance haben Falten in frischgewaschener Wäsche, der Autorität des Bügeleisens zu trotzen. Getreu dem Motto "Viel hilft viel" blasen moderne Dampfbügeleisen ihre heiße, feuchte Luft mit einem Druck von fünf Bar durch die Klamotten - und ziehen dabei bis zu 3000 Watt aus der Steckdose.
Liebe Heimwerker, nur so zum Vergleich: Die fettesten handelsüblichen elektrischen Abbruchhämmer (25-Kg-Klasse, Steinabtrag um 900 kg/Stunde) bringen es auf etwa die Hälfte dieser Leistungsaufnahme - darüber zieht man Benzinmotoren vor. Noch anschaulicher: Die genannte Wattage des Dampfbüglers entspricht umgerechnet etwa 4,08 PS. Kein Wunder also, dass Hersteller Siemens ein solches Gerät als Dampfstation TS20 Extreme Power bezeichnet. Es ist zu vermuten, dass die Wäsche nachher wahrlich platt ist.
Pommes mit gutem Karma
Extrem lecker ist dagegen, was der Airfryer von Philips mit Tiefkühlpommes anstellt. Die nämlich frittiert das pastellig gefärbte Gerät binnen zwölf Minuten zu einer knackigen und gleichzeitig fettarmen Beilage. Statt die Kartoffelstäbchen wie bei Friteusen üblich in brodelndes Öl zu kippen, werden sie im Airfryer mit heißer Luft zubereitet. Im Grunde funktioniert das nicht viel anders als ein Dampfbügeleisen, nur ist es weniger feucht. Das Resultat, im Selbstversuch erprobt, sind leckere Pommes, die angeblich 80 Prozent weniger Fett enthalten sollen als herkömmlich frittierte (das geht im Heißluftherd natürlich auch). Wer lieber frisches Gemüse frittiert, gibt einen Löffel Olivenöl in den Apparat, mehr ist nicht nötig.
Dass manchmal tatsächlich nicht viel nötig ist, um sich vom Einerlei der Konkurrenz abzuheben, zeigt auch Hausgerätehersteller Miele. Dessen Bodenstaubsauger S670 Efficiency ist doppelt beachtlich. Zum einen, weil sein Design wohl nicht jedermanns Geschmack treffen dürfte. Mit seinem roten Samtüberzug mutet er an wie ein Relikt aus den Siebziger Jahren. Doch der tiefdunkelrote Überzug ist nicht nur modischer Schnickschnack, wie ein Miele-Sprecher erklärt: er erfülle einen echten Zusatznutzen, indem er das Mobiliar schütze. Kleinere Kollisionen, so der Sprecher, puffere der dicke Stoff sanft ab, verhindere dadurch Kratzer im Gestühl. Manchmal wundert man sich, auf welche Ideen Produktentwickler verfallen, wenn sie auf der Suche nach der nächsten großen Neuheit sind.
Die Rückkehr des DOS
Da gilt auch und vor allem für die Entwickler von Waschmaschinen, die sich auf der Ifa mit knuffigen neuen Begriffen zu überbieten versuchen. So gibt es jetzt Geräte, welche die Wäsche mit einem Schaum-Aktiv-System, das bei der Konkurrenz Superschaum-System heißt, besonders schonend reinigen sollen. Gesteuert wird so etwas natürlich nicht von einer gewöhnlichen Elektronik, nein, bei Miele muss dafür eine Super-Elektronik ran. Ob herkömmliche Schaltkreise das nicht schaffen würden?
Und was die älteren PC-Benutzer unter den Messegängern besonders erfreuen dürfte: Sogar das ehrwürdige DOS kommt künftig als saubere Sache zu neuen Ehren. Natürlich nicht als jenes Disk-Operating-System, mit dem die ersten PC gesteuert wurden. Stattdessen heißt es bei Miele jetzt AutoDos und bei Siemens i-Dos und soll der gestressten Hausfrau helfen, indem es Waschmittel automatisch, intelligent und stets in der richtigen Menge zur Schmutzwäsche gibt.
Mehr Nachtstrom
Beides dient, und das ist tatsächlich ein großes Thema auf der Ifa, dem Umweltschutz. Denn die Automatiken sollen auch den Wasserverbrauch selbstständig an die Wäschemenge und deren Verschmutzung anpassen können. Miele allerdings geht noch einen Schritt weiter und will in Kürze mit Tests beginnen, die zeigen sollen, wie viel Energie sich durch die Nutzung sogenannter Smartgrid-Technik einsparen lässt.
Dabei werden über die Stromnetze auch aktuelle Strompreisinformationen übertragen, die von den Maschinen ausgewertet werden können. Auf diese Weise schalten sich die Geräte automatisch nachts zu Zeiten an, wenn die Kraftwerke mehr Strom liefern als abgenommen wird. Diese Energie ist natürlich besonders günstig. Etwa 30 Euro pro Jahr und Waschmaschine werde sich auf diese Weise einsparen lassen, rechnet Miele vor. Vor allem aber soll so die Effizienz und Auslastung der Kraftwerke verbessert werden, was letztlich auch der Umwelt zugute käme.
Allerdings ist der Testlauf vorerst auf Nordrhein-Westfalen und auch dort auf nur einige hundert Haushalte beschränkt - das muss mehr werden.
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anstatt die effizienz zu erhöhen sollen die leute immer mehr strom verbrauchen, der aus kohle, gas und uran gewonnen wird, um den aktienkurs der unternehmen zu steigern. das sieht man daran, daß neuerungen auf diesem gebiet [...] mehr...
Was hat denn MEIN Beitrag, indem ich mich genau darüber lustig mache, damit zu tun? Beschweren Sie sich beim Redakteur, der die Überschrift geschrieben hat, nicht bei mir. Ansonsten kann ich ihnen nur empfehlen, kaufen Sie sich [...] mehr...
Reparaturen sind im Geschäftsmodell der BWLer nicht vorgesehen, um das Wichstum zu steigern muss ständig verkauft werden - darauf hat sich auch mein von Ihnen zitierter Kommentar bezogen. Aber die Verbindung zum Anhalter finde [...] mehr...
>>Kein Wunder also, dass Hersteller Siemens ein solches Gerät als Dampfstation TS20 Extreme Power bezeichnet. Es ist zu vermuten, dass die Wäsche nachher wahrlich platt ist.<< Das ist eine Totgeburt, vor allem wenn [...] mehr...
...wir sind halt doch alle Telefondesinfizierer. Wer mal versucht hat, eine Waschmaschine zu reparieren (oder auch zu bedienen :) ), wird ohne Probleme feststellen, daß die Hersteller/Entwerfer/Ingenieure (gibts da sowas) der [...] mehr...
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