Von Matthias Kremp
Manchmal können Trends ganz schön nerven. Aktuelles Beispiel: Das Brimborium um 3-D-Fernseher. Auf der Ifa in Berlin konnte man kaum eine Messehalle durchqueren, ohne das eine oder andere Mal mehr oder minder rabiat auf die Vorzüge der unterschiedlichsten 3-D-TV-Geräte hingewiesen zu werden. Dabei zeigte sich einmal mehr, dass es anderslautenden Aussagen entgegen wohl doch die Größe ist, die zählt.
Diesen Eindruck musste man zumindest auf dem Panasonic-Messestand bekommen, wo der größte Full-HD-3-D-Plasmafernseher der Welt ausgestellt wurde. Imposante 3,86 Meter Bilddiagonale weist das Wohnzimmer-Monstrum auf, überragt mit einer Bildhöhe von 1,80 Meter viele der staunenden Besucher. Für ein überaus detailliertes Bild sorgen 4096 x 2160, also insgesamt 8,84 Millionen, Bildpunkte. Ab Anfang 2011 soll man das gigantische Gerät kaufen können, für das Panasonic "ein echtes Marktbedürfnis" sieht.
Käufer, die ein solches Bedürfnis verspüren, sollten aber vor allem ein dickes Portemonnaie und einen günstigen Stromanbieter haben. Denn auch wenn der Hersteller noch keinen Preis festgelegt hat, dürfte der in ebenso imposanten Regionen liegen wie die Größe des Fernsehers. Und das gilt auch für die laufenden Kosten. Denn während normale Plasma-TV-Geräte endlich auf vertretbare Verbrauchswerte kommen, legen die 3-D-Modelle wieder kräftig zu, verbrauchen gern ein paar hundert Watt mehr als ihre 2-D-Gegenstücke. Für Panasonics Riesen-TV dürfte das umso mehr gelten.
3D ohne schwarze Balken
Auf ein ebenso großes Bild bei sicher deutlich geringerem Platz- und hoffentlich auch Stromverbrauch darf man dagegen bei Samsungs Full-HD-3-D-Heimkinoprojektor hoffen, der bereits ab Oktober in die Regale der Händler geschoben werden soll, mit 5000 bis 6000 Euro aber weit jenseits des Schnäppchenhorizonts platziert wird. Dasselbe gilt auch für den Cinema 21:9 Platinum, der 3-D-Filme im Kinoformat, also ohne schwarze Balken, wiedergeben kann. Mit einem Listenpreis von 4200 Euro belastet er das Konto zumindest im direkten Vergleich noch vergleichsweise moderat.
All diesen Geräten gemein ist allerdings, dass man spezielle 3-D-Brillen braucht, um den 3-D-Effekt auch wirklich genießen zu können. Und die haben gleich mehrere Nachteile, die sie zu einem der größten Ärgernisse der Messe machen. Sie sind meist klobig, mehr oder minder hässlich und wegen der eingebauten Elektronik relativ schwer. Manche Nutzer klagen zudem über das Flimmern dieser sogenannten Shutterbrillen. Vor allem aber sind sie teuer und so inkompatibel zueinander, wie sie nur sein können. Wer also Freunde zum 3-D-Filmabend einlädt und sie bittet, ihre eigenen Brillen mitzubringen, sollte darauf achten, dass diese auch vom Hersteller des eigenen Fernsehers stammen. Denn eine Samsung-Brille harmoniert nicht mit dem Philips-TV und die von LG nicht mit dem Panasonic-Fernseher.
Ein Lösung für das Brillenproblem?
Einen Ausweg aus diesem Dilemma sollen universell nutzbare 3-D-Brillen bringen, wie sie die Firmen Xpand und Monster Cable auf der Ifa angekündigt haben. Die einfachere Variante ist dabei das Modell von Xpand, das sich automatisch an verschiedene Steuersignale anpasst und auch in einigen 3-D-Kinos funktionieren soll. Für 130 Euro soll das elektronische Nasenfahrrad im Oktober in den Handel kommen, ist damit nicht erheblich teurer als die Brillen der TV-Hersteller, die meist knapp hundert Euro kosten.
Mit 250 Euro fast doppelt so teuer ist dagegen das System von Monster Cable. Der Grund dafür soll die eigene Funkübertragungstechnik sein, erklärt der Hersteller. Die Infrarotsignale des Fernsehers werden dabei von einem Empfänger aufgenommen und an die Brille gefunkt. Synchronisationsprobleme, wie sie bei der Steuerung per Infrarot auftreten können, sollen damit ausgeschlossen werden.
Dass es auch viel einfacher geht, demonstriert dagegen LG auf seinem Messestand. Dort zu sehen ist der wohl größte Full-HD-3-D-OLED-Fernseher der Welt. Dessen gewaltiger Vorteil: Zum 3-D-Gucken reicht eine einfache, billige Polarisationsbrille wie im Kino. LG selbst hat Modelle im Angebot, die ein wenig an Pilotenbrillen erinnern, vor allem schön leicht sind und in der Produktion sicher nur wenige Euro kosten. Allerdings funktionieren die eben nur mit OLED-TVs, und die sind klein, selten und teuer. Der neue von LG beispielsweise, der größte seiner Art, ist mit 31 Zoll kleiner als die kleinsten Standard-TV, die es auf 32 Zoll bringen, und hat bisher nicht mal einen Preis. Wie hoch der liegen wird, lässt sich allerdings leicht abschätzen. Das aktuelle Modell mit 15 Zoll Diagonale verkauft LG für 2000 Euro. Der passt in den "Großen" gleich viermal hinein.
Doch auch wenn man das Geld für solche Spielereien hat, bleibt die Frage, ob man wirklich mit einer Spezialbrille vor der Glotze sitzen will. An Lösungen für dieses Problem arbeiten die Hersteller intensiv, bisher aber ohne brauchbare Ergebnisse. Philips etwa zeigte schon vor zwei Jahren Fernseher mit 3-D-Effekt ohne Brille auf der Ifa - und tut das auch dieses Jahr wieder. Andere Hersteller zeigen ähnliche Exponate, doch alle eint, dass sie Prototypen sind, Forschungsexemplare, auf denen die erzielbare 3-D-Qualität kaum überzeugen kann. Unter anderem, weil man nur aus bestimmten Blickwinkeln einen echten 3-D-Effekt sieht.
Im Kleinen hingegen klappt 3D ohne Brille teilweise schon sehr passabel. Bei Nintendos neuer Mobilkonsole 3DS beispielsweise und bei einem Handy-Prototypen, den Sharp ausstellt. Die Firma Aiptek zeigt sogar einen 3-D-Camcorder, der Videos nicht nur in 3D aufnehmen, sondern auch so anzeigen kann. Profiqualität bekommt man damit nicht hin, dafür aber für 199 Euro ein schönes Spielzeug - wenn auch nur ein kleines.
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Netzwelt | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Gadgets | RSS |
| alles zum Thema Ifa | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH