23. September 2009, 13:03 Uhr

Touchscreen-Computer

So soll Microsofts Klapp-Tablet aussehen

Von Matthias Kremp

Im Netz ist ein Video aufgetaucht, das eine Art Tablet-PC mit zwei Touchscreens und Stiftbedienung zeigt. Das elegant gestylte Gerät mit einer klaren Oberfläche und intuitiver Bedienbarkeit soll von Microsoft stammen. Noch aber ist eine Animation einziger Hinweis auf seine Existenz.

Das "Courier" genannte Gerät gibt es wirklich, da sind sich zumindest die Autoren des Gadget-Magazins Gizmodo sicher. Die Entwicklung befinde sich bereits in den letzten Zügen des Prototypen-Stadiums, könnte also bald abgeschlossen werden. Das dürfte aber ein wenig optimistisch sein. Denn das Video und all die Fotos von dem Gerät, die Gizmodo aufbietet, zeigen eindeutig computergenerierte Grafiken, sogenannten Renderings. Die sehen zwar toll aus, müssen mit einem tatsächlichen Produkt aber nicht all zu viel gemein haben.

Was da gezeigt wird, macht in der Tat Appetit auf mehr. Zwei Touchscreen-Bildschirme mit sieben Zoll Diagonale sind zusammenklappbar nebeneinander in einem Lederetui angeordnet. Wohl wegen dieser buchartigen Konstruktion wird das Gerät auch nicht als Tablet-PC, sondern als Booklet, Büchlein, bezeichnet. Das Display soll offenbar flexibel per Finger oder Zeigestift (Stylus) bedient werden können.

Und auch Multitouch-Gesten, wie man sie vom iPhone kennt, sind offenbar eingeplant. Man kann also mehrere Finger gleichzeitig benutzen, um bestimmte Aktionen wie etwa das Vergrößern von Bildern auszulösen. An der Außenseite ist eine Digitalkamera angebracht, die auf den Gizmodo-Bildern allerdings mit einer merkwürdigen Beschriftung zu sehen ist. Rund um das Objektiv ist zu lesen "3MP VGA 4x Zoom + Flash". Hier passen die Bezeichnungen 3MP, für drei Megapixel, und VGA, für 640 x 480 Bildpunkte, nicht so recht zusammen.

Aber das müssen sie auch nicht, denn noch ist das virtuell gefilmte Gerät augenscheinlich nur dazu gedacht, Reaktionen einzufangen, zu testen, ob wie ein derartiges Produkt bei Kunden und potentiellen Herstellern ankommen würde. Gezeigt wurde es erstmals bei der Eröffnung der Gizmodo-Gallery in New York, einer Ausstellung, die einmal im Jahr eine Woche lang die neuesten Gadgets und Technik zeigt.

Gerüchte, Microsoft arbeite nun an einer Neuauflage der Tablet-Idee, machten erst vor wenigen Tagen die Runde. Angeblich, so die ZDNet-Redakteurin Mary Jo Foley, sei in die Entwicklung mindestens ein Mitarbeiter des Surface-Teams eingebunden. Zur Erinnerung: Surface ist eine Technik für computerisierte Touchscreen-Tische. Microsoft hat mehrere Jahre Entwicklungsarbeit in die teure Surface-Technik investiert, die in Deutschland beispielsweise von Vodafone in einigen Handy-Shops zur Kaufberatung genutzt wird.

Klasse Benutzeroberfläche - zumindest theoretisch

Damit nur ja niemand früher als geplant Wind von dem Geheimprojekt bekommt, wurde die Entwicklung an Microsofts Pioneer Studios ausgelagert, eine vergleichsweise kleine Abteilung innerhalb des Konzerns, die weitab vom Firmencampus in einem Gebäude am Pazifik residiert. Genau dort wurden offenbar auch Produkte wie die Xbox, der Zune und Microsofts-Handy-Technologien maßgeblich entwickelt. Angeblich ist sogar James "J." Allard in die Arbeiten am Booklet eingebunden, Microsofts Technikchef und oberster Interface-Entwickler für Unterhaltungsgeräte wie den Zune und die Xbox.

Und das scheint sich gelohnt zu haben. In dem Video zumindest erscheint die Benutzeroberfläche des Microsoft-Booklet logisch und intuitiv. Objekte werden per Finger quasi angeklickt, können einfach von einem Bildschirm auf den anderen verschoben werden. Umgeblättert wird wie bei einem Buch, der Stift kommt nur selten zum Einsatz, nämlich dann, wenn man handschriftliche Notizen machen möchte. Ein längerer Druck auf ein Objekt öffnet kontextsensitiv passende Auswahlmenüs.

Das sieht alles toll aus, verdient Lob und sollte manch einem Konkurrenten, etwa Apple, zu denken geben. Allerdings ist es leicht, so etwas in einer Computeranimation darzustellen. Derartige Benutzeroberflächen dann aber in die Tat umzusetzen, sie so zu gestalten, dass sie immer richtig funktionieren und dennoch nicht den Akku in Rekordzeit leersaugen, ist eine ganz andere Aufgabe, die zu lösen nicht immer glückt.

Microsoft hält dicht

So kann man alle bisherigen Versuche, die Microsoft unternahm, das Konzept vom Tablet PC zu etablieren, als gescheitert ansehen. Mit der Tablet PC Edition von Windows XP versuchte der Konzern, per Stift bedienbare Mobilcomputer populär zu machen - mit mäßigem Erfolg. Einzig im gewerblichen Einsatz, bei Außendienstlern und Ärzten beispielsweise, erfreute sich das Konzept einiger Beliebtheit. Entsprechend mager und hochpreisig war die Auswahl.

Bleibt also abzuwarten, wie es mit dem Booklet weitergeht und wie weit seine Entwicklung tatsächlich gediehen ist. Ein taktisch kluger Termin, ein solches Gerät der Öffentlichkeit zu präsentieren, wäre sicher die CES, die wichtigste Unterhaltungselektronikmesse des Jahres, die Anfang Januar in Las Vegas stattfindet. Bis dahin dürfte der Hype um Windows 7, das im Oktober in den Handel kommt, abgeklungen und Platz in Microsofts Strategie für die Einführung eines neuen Produkts sein.

Noch aber hält sich der Softwarekonzern zurück, schweigt konsequent zu allem, was Gizmodo bisher über das neue Gerät publiziert hat. Dem Gadget-Magazin kann das nur Recht sein: Die Redakteure haben für die nächsten Tage angekündigt, weitere Details zu Microsofts geplanten Tablet-Booklet-PC zu veröffentlichen - was dann doch ziemlich nach gezielten, Microsoft durchaus nicht unrechten Indiskretionen riecht.


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