SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

15. Februar 2011, 15:53 Uhr

1,95 Euro pro Tag

Die Telekom kündigt EU-Flatrate und Handy-Portemonnaie an

Drastische Preissenkung bei der Telekom: Mobiles Internet soll künftig bezahlbar werden - zumindest in der EU. Außerdem will der Konzern das Bezahlen per Handy einführen und könnte damit einer neuen Technik zum Durchbruch verhelfen.

Die Telekom geht einen Schritt voran. Nachdem die Mobilfunkkonzerne jahrelang nur auf Druck der EU-Kommission die Preise für Telefonate und Internetnutzung im europäischen Ausland senkten, tut der Konzern das nun freiwillig. Auf dem Mobile World Congress in Barcelona stellte die Telekom am Dienstag ihr neues Tarifsystem vor. Künftig können Mobilfunkkunden des Unternehmens bereits ab 1,95 Euro pro Tag in allen EU-Ländern mit dem Handy online gehen. Eine echte Auslands-Flatrate, ohne Volumenbegrenzung, will das Unternehmen innerhalb der EU für 14,95 pro Woche anbieten.

Diese Preise haben es in sich und dürften auch die Konkurrenz aufhorchen lassen. Schließlich unterbietet der Konzern damit nicht nur seine eigenen, derzeit geltenden und ungleich höheren Preise. Für einen Tag mobiles Internet innerhalb der EU verlangt die Telekom derzeit 4,95 Euro, gibt dafür nur 5 MB Datenvolumen frei. Zum Preis der jetzt angekündigten Wochen-Flatrate, 14,95 Euro, bekommt man aktuell 10 MB binnen vier Tagen. Das reicht gerade Mal für E-Mail, wer wirklich im Web surft hat sein Inklusivvolumen schon nach wenigen Web-Seiten aufgebraucht.

Die hohen Tarife für Daten-Roaming seien eine Hürde für die breitere Nutzung von Smartphones gewesen, sagte dann auch Technologie-Vorstand Edward Kozel in Barcelona. "Wenn wir mit dem Wandel hin zur Mobiltelefonie wirklich Ernst machen, müssen wir Roaming in den Massenmarkt bringen." Bisher hätten nur drei Prozent der Kunden Daten-Roaming genutzt. Die neuen Roaming-Tarife sollen ab März in Teilen buchbar sein und am 1. Juli europaweit eingeführt werden.

Die EU-Kommission versucht schon seit langem, die Roaming-Kosten in Europa einzudämmen und nahm nach Telefongesprächen auch die Datendienste ins Visier. Im vergangenen Sommer setzte Brüssel eine automatische Kostenbremse bei 50 Euro pro Monat (zuzüglich Mehrwertsteuer) durch, in Deutschland sind das maximal 59,50 Euro. Wird diese Schwelle erreicht, müssen die Netzbetreiber Ihre Kunden darüber informieren und eine weitere Internetnutzung verhindern, bis der Kunden diese ausdrücklich einfordert. Bis zur Einführung dieser Sperre konnten im ungünstigen Fall Kosten von mehreren Euro pro Megabyte anfallen, die sich bei unachtsamer Nutzung schnell auf drei- oder vierstelligen Summen anhäuften.

Bezahlen per Handy

Ebenfalls noch in diesem Jahr will die Telekom ein "Handy-Portemonnaie" einführen. Mobilfunkkunden, die das neue Angebot nutzen, könnten dann ihr Handy verwenden, um damit Waren und Dienstleistungen zu bezahlen. Details zu den Diensten und möglichen Partnern blieb die Telekom unter Hinweis auf laufende Verhandlungen schuldig.

Für die technische Umsetzung setzt die Telekom NFC-Technik (Near Field Communication). Dabei wird eine lokal sehr begrenzte Funkverbindung zwischen Handy und Lesegerät hergestellt, über die Daten, in diesem Fall Bankdaten, ausgetauscht werden. Obwohl diverse Hersteller bereits seit Jahren mit NFC arbeiten und etliche NFC-Handys als Prototypen gezeigt wurden, hat die Technik noch keine große Verbreitung.

Mit der Ankündigung der Telekom könnte sich das ändern, denn durch neue Smartphones könnte sich jetzt das Endgeräte-Problem lösen. Nokia hat angekündigt, alle neuen Handys ab 2011 mit NFC-Technik auszurüsten, Google bietet bereits das Nexus S mit eingebauten NFC-Chip an. Was jetzt noch fehlt sind Einzelhandelsketten, die entsprechende Bezahl-Terminals in ihren Läden bereitstellen.

Das könnte allerdings noch etwas dauern. Zunächst einmal dürften in diesem Jahr noch viele unterschiedliche Anwendungsmodelle ausprobiert werden, sagte Kozel. Der Durchbruch für NFC sei erst für 2012 zu erwarten.

mak/dpa

URL:

Mehr auf SPIEGEL ONLINE:


© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH