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100-Euro-Smartphone: Chinesen bauen Androiden für Afrika - und Lidl

In Kenia, einem Land, das gerade unter der schlimmsten Dürre seit Jahrzehnten leidet, wird ein Smartphone zum Kassenschlager. Was zunächst absurd klingt, hat gute Gründe - und scheint für die Entwicklung des Landes sinnvoll. Auch bei uns wird es Smartphones des chinesischen Herstellers geben.

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Huawei Smartphone: In Kenia heißbegehrt, in Deutschland vor dem Start

Ein solches Handy steht auch in westlichen Industrienationen bei vielen Menschen auf dem Wunschzettel: Es ist schlank, sieht schick aus, läuft mit Googles Android-Betriebssystem und verfügt über alle Techniken, die Smartphones wie das iPhone oder das Nexus S begehrenswert machen. Und doch gibt es einen signifikanten Unterschied: Während solche Handys normalerweise viele Hundert Euro kosten, bezahlt man für das Ideos des chinesischen Herstellers Huawei in Kenia nur 8000 Kenianische Schilling, umgerechnet knapp 60 Euro.

Billig ist es für durchschnittliche Kenianer damit noch lange nicht. Knapp zwei Drittel der Bevölkerung müssen mit einem Einkommen von weniger als zwei Dollar pro Tag (1,40 Euro) auskommen. Und doch haben mehr als 350.000 Kenianer sich eines jener Lowcost-Smartphones zugelegt, seit der Mobilfunkanbieter Safaricom das Ideos im Februar eingeführt hat.

Auch in Deutschland wird ein bauähnliches Mobiltelefon aus chinesischer Produktion demnächst erhältlich sein. Der Discounter Lidl will das Ideos X3 von Huawei, das unter anderem einen größeren Bildschirm hat als das Ideos in Kenia hat, demnächst anbieten - allerdings für 100 statt 60 Euro. Dafür gibt es dann aber auch eine Sim-Karte mit einer Monatsration Internet und 25 Freiminuten für Telefonie.

Dass das für dortige Verhältnisse vergleichsweise teure Ideos in Afrika so erfolgreich ist, liegt an der großen Bedeutung der Mobilkommunikation dort: In ostafrikanischen Ländern wie Kenia existiert keine mit Europa vergleichbare Telekom-Infrastruktur. Wer dort telefonieren will, greift zum Handy. Immer öfter sind das internetfähige Handys, deren Marktanteil bereits bei 80 Prozent legen soll. Der Markt für Handys wächst in Kenia Jahr für Jahr um 15 Prozent. Weil die Stromversorgung oft unzuverlässig, Computer teuer und Internetanschlüsse langsam sind, greifen die Menschen zum Mobiltelefon. Teile des Kontinents erleben ein Mobilfunk-Wirtschaftswunder.

Nur der Akku ist zu schlapp

Bankgeschäfte werden in vielen afrikanischen Ländern längst per Handy erledigt, weil viele Afrikaner lange Wege von der nächsten Bankfiliale trennen. In Kenia etwa ist Safaricom mit seinem Bezahlsystem M-Pesa erfolgreich, das es den Kunden des Unternehmens auch ermöglicht, das Handy als mobile Geldbörse zu benutzen.

Kein Wunder also, dass ein bezahlbares Android-Smartphone in Kenia populär wird. Dass sein Bildschirm und Arbeitsspeicher kleiner sind und die Kamera nicht ganz so hoch auflösend wie bei der teuren Konkurrenz, lässt sich offenbar leicht verschmerzen. Nur der aufgrund der flachen Bauform recht kurzatmige Akku bereitet vielen Anwendern Probleme. Energiespartipps werden daher hoch gehandelt.

Apps als Hilfe zur Selbsthlfe

Mindestens ebenso hoch werden allerdings Apps geschätzt, die helfen sollen, das Leben in dem Schwellenland zu verbessern. Im Juni berichtete die "Technology Review" von einem Programmierer-Wettbewerb, bei dem 25.000 Dollar als Preis für die besten Smartphone-Apps, die sich um ostafrikanische Belange kümmern, ausgelobt wurden. Zum Gewinner wurde eine App zur medizinischen Selbst- und Fernhilfe gekürt. In das Medkenya genannte Programm kann man, fernab vom nächsten Krankenhaus, Symptome eingeben, um die Software eine Diagnose stellen zu lassen. Außerdem enthält sie ein landesweites Verzeichnis von Ärzten und Krankenhäusern, im Notfall stellt sie eine Verbindung zu Notrufnummern her.

Neben solchen Apps zur Selbsthilfe gibt es Agrar- und Handels-Apps, die lokale Produzenten beim Anbau und Vertrieb von Nahrungsmitteln unterstützen sollen. M-Farm etwa, eine komplett von Frauen geführte Firma aus Nairobi, hat eine solche App entwickelt und damit ihr bisher via SMS gesteuertes System leichter nutzbar gemacht. Via Android-Smartphone können die Landwirte sich über aktuelle Marktpreise erkundigen oder ihre Produkte anbieten. Andere Apps sollen die Ausbreitung von Schädlingen oder Pflanzenkrankheiten eindämmen helfen, indem sie aktuelle Verbreitungsdaten sammeln, weitergeben und Hinweise zur Abwehr geben.

Solche Apps könnten dem kenianischen Smartphone-Boom einen tieferen Sinn geben. Die billigen Android-Handys für ein Schwellenland nicht nur zum Luxusobjekt, sondern vor allem zum Hilfmittel zur Selbsthilfe. Anwendungen, für die man in einer Industrienationen vielleicht einen Computer benutzen würde, werden, schon aus Kostengründen, per Smartphone erledigt.

Den Entwicklungschritt über den PC, der die Industrienationen 30 Jahre beschäftigt hat, überspringen die Schwellenländer einfach.

mak

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insgesamt 20 Beiträge
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1. "absurd"
jke 23.08.2011
Zitat von sysopIn Kenia, einem Land, das gerade unter der schlimmsten Dürre seit Jahrzehnten leidet, wird ein Smartphone zum Kassenschlager. Was zunächst absurd klingt, hat gute Gründe - und scheint für die Entwicklung des Landes*sinnvoll. Auch bei uns wird es das Smartphone aus China geben. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,780923,00.html
1. Alleine dass man einen Artikel über den Mobilfunkmarkt in Ostafrika mit dieser Formulierung einleiten muss (hätte ich auch so gemacht), zeigt nur welch falsches Verständnis noch bei den Lesern vorausgesetzt wird. 2. Das Handy war/ist auch deswegen ein Schlager, weil es bei seiner Markteinführung im Januar 2011 ein Daten- und Gesprächsminuten-Freivolumen dazu gab. 3. Die Startup-Szene in Kenia ist derzeit stärker als in Südafrika. Letztes Beispiel: der IPO48 event in Nairobi vorletzte Woche. Interessant vor allem auch, wieviele Dienste bei all der Smartphone Dichte trotzdem noch auf den gemeinsamen Nenner SMS setzen. Und das auch noch wobei in Kenia (praktisch) nur A/0 als Verschlüsselung eingesetzt wird.
2. Billig-Smartphone
Gnopsi 23.08.2011
Apple hat soeben beim Landgericht Oberursel einen Verkaufsstopp für ganz Afrika beantragt ...,
3. Geld zum korrumpieren fehlt ja.
Ursprung 23.08.2011
War in der Zeit nach der deutschen Wiedervereinigung als Kommunikationstechnikplaner taetig und hatte eines der ersten Planungsbuereaus in der vergehenden DDR. Meine Ueberzeugungsarbeit ging dahin, gleich ein dichtes Netz von Mobilfunkzellen aufzubauen und nicht erst umstaendliche tausende Tonnen von Cu zu verbuddeln. Weil schneller, billiger und moderner. Aber es war aussichtslos! Die Mentalbloecke in den Hirnen Ost und West waren zu stark. Geld war im Ueberfluss vorhanden, doch an den entsandten Behoerdenvertreter aus dem Westen, allesamt zweite oder dritte Auswahl an Leuten, scheiterte es, auch, weil sie korruptionsanfaellig fuer die westlichen und etablierten Lieferfirmen der alten Technik waren. Um Auftraege zu erhalten, mussten wir alles mit Kupfer und Lichtleitern verkabeln, Geld fuer Sendemasten wurde nicht bewilligt. Auf den Doerfern wuchsen derweil neue Bauruinen von Planungskollegen heran in Form ueberdimensionierte Klaeranlagen, die nie in Betrieb genommen wurden. Heute ist die Gegend bis auf einige punktuelle Ausnahmen noch menschenleerer als damals! Die afrikanischen Laender tun recht daran, unsere grotesken Fehler zu vermeiden und gleich auf eine up to date Kommunikation zu setzen. Geld im Ueberfluss korrumpiert sie ja auch nicht, wie es damals in D geschah.
4. wichtiges utensil
bernddasbrotbacktbrot 23.08.2011
"...und verfügt über alle Techniken, die Smartphones wie das iPhone oder das Nexus S begehrenswert machen." der satz ist relativ irreführend. zwar sind die techniken relativ gleich doch sind die spezifikationen dann doch erheblich anders. so mit sollte man beide handys nicht miteinander "vergleichen". wenn ich mich nicht täusche läuft das ideos mit 600mhz und das nexus s mit 1ghz und 16gb interner speicher sprechen auch eine andere sprache. viel eher ist es, dass das 60 euro handy internetfähig ist und dem seit jahren angekündigten 10 euro laptop zuvor kommt. für afrikaner ansich eine wichtige sache, da sie bei der erbärmlichen ernte durch die anbindung an das internet heuschreckenschwärme vorraussagen können bevor diese fliegen können um dann insektizide zu sprühen.
5. Was soll das?
teekaysevenfive 23.08.2011
Zitat von GnopsiApple hat soeben beim Landgericht Oberursel einen Verkaufsstopp für ganz Afrika beantragt ...,
Es gibt überhaupt kein Landgericht Oberursel. Soll das Satire sein?
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Fläche: 571.416 km²

Bevölkerung: 45,546 Mio.

Hauptstadt: Nairobi

Staatsoberhaupt und Regierungschef:
Uhuru Kenyatta

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Mobilfunk in Afrika: Reden, informieren, bezahlen
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Hungersnot: Grafiken zur Dürre am Horn von Afrika

Handy-Anwendungen
Apps
Sogenannte Apps (Applications) sind Software-Anwendungen, die zusätzlich gekauft und dann auf entsprechend ausgestatteten Handys installiert werden können. Sie reichen von der Wasserwaage über Spiele bis hin zu Navigationssystemen fürs Mobiltelefon.
Apple App-Store
Der App-Store der Apple Inc. ist ein Portal, auf dem Programme und Spiele aus dem iTunes-Store für das iPhone heruntergeladen werden können. Der Mac-Bauer war bei diesem Thema Vorreiter. Nach Konzernangaben wurden bereits mehrere Milliarden Programme aus dem App-Store heruntergeladen.
Nokias Ovi-Store
REUTERS
Seit Ende Mai 2009 gibt es auch von Nokia ein Portal, das eine Vielzahl von Programmen für Handys bietet. Im Nokia Ovi-Store können Kunden sich Spiele, Navigationskarten und Nachschlagewerke auf ihre Handys laden. Auch für den Ovi Store können sich externe Entwickler registrieren und versuchen, dort Software anzubieten.
Blackberry App World
Die Blackberry App World ist ebenfalls ein Pendant zum App-Store von Apple. Es ist ein vom Hersteller RIM betriebenes Software-Portal, in dem sich jeder Blackberry Nutzer Software kaufen kann. Die soll dann auf jedem Blackberry-Smartphone mit OS-Version 4.2 und allen folgenden sowie auf allen Geräte mit Trackball oder Touchscreen laufen. Ähnlich wie beim App-Store kann auch bei Blackberry jeder, der sich dort als solcher anmeldet, theoretisch Entwickler einer Handy-Anwendung werden.
Android Market
AP
Android ist ein Handy-Betriebssystem von Google. Aktuell gibt es im Android Market genannten Downloadshop Zehntausende Anwendungen. Auch hier kann theoretisch jeder eigene Programme entwerfen und anderen Nutzern kostenlos oder zum Kauf zur Verfügung stellen - vorausgesetzt, er registriert sich zunächst als Entwickler.
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