15 Jahre Xbox in Deutschland Microsofts teure erste Lektion

Vor 15 Jahren wagte Microsoft mit seiner Xbox den ersten Schritt in deutsche Wohnzimmer. Der Europa-Start der Konsole war der Beginn einer Achterbahnfahrt: Erst einmal ging es steil nach unten.

Temco

Der erste Aufreger war der Preis. 479 Euro - so viel sollten deutsche Gamer am 14. März 2002 für die erste Xbox bezahlen, die bis dato leistungsstärkste Spielkonsole. Rund vier Monate zuvor war die knapp vier Kilo schwere, ungewohnt wuchtige Xbox in den USA erschienen, für 299 Dollar (damals rund 340 Euro) und mit großem Erfolg.

In den USA war es vor allem das Actionspiel "Halo", das den Absatz von Microsofts erster Heimkonsole befeuerte: Der Windows-Konzern hatte das Entwicklerstudio Bungie Mitte 2000 übernommen und deren gehypten Science-Fiction-Shooter zu einem exklusiven Starttitel der Xbox gemacht.

Hierzulande waren Marktbeobachter trotzdem skeptisch. Trotz "Halo" und eines vielfältigen, rund 20 Spiele umfassenden Startaufgebots sahen sie geringe Chancen für eine fast 500 Euro teure Konsole. Sonys Playstation 2 war schließlich schon seit Ende 2000 auf dem Markt und hatte mittlerweile nicht nur viele Fans und ein großes Spiele-Portfolio zu bieten. Und im März 2002 war die Playstation 2 bereits für 299 Euro zu haben.

Auch der Handel, obwohl froh, dass ein neuer Marktteilnehmer am Sony-Thron zu rütteln begann, versprach sich zu diesem Preis wenig von der Xbox - und reagierte.

Die Xbox ist bei Erscheinen die leistungsfähigste Videospiel-Hardware - aber auch die größte, schwerste und teuerste
Stephan Freundorfer

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Angekündigtes Preischaos

"Am Vorabend der Xbox-Veröffentlichung rief mich ein Media-Markt-Manager an", erinnert sich Hans Stettmeier, damals Chef der Home-&-Retail-Division von Microsoft Deutschland. "Er habe eine gute und eine schlechte Nachricht. Die Gute: Man werde den Xbox-Start während des abendlichen Champions-League-Spiels prominent im Fernsehen bewerben. Die Schlechte: mit einem Preis von 399 Euro."

Dass der Handel seine Preise frei wählen kann, machte ein Eingreifen schwierig: Stettmeier konnte nach Ausstrahlung des Spots nur beschwichtigen: "Ich hatte den gesamten deutschen Handel am Telefon, bis der Akku leer war. Alles was ich sagen konnte, war: Wir haben das nicht beeinflusst, es gab keine Sonderkonditionen."

Der Ärger der Händler war so groß wie die Verwirrung der Kunden. Manche Ketten zogen nach, doch viele kleinere Läden konnten es sich nicht leisten, auf der Differenz sitzenzubleiben. Genauso schwierig schien es aber, von ihren Kunden, die sich im offiziellen Vorverkauf eine Xbox für 79 Euro gesichert hatten, die restlichen 400 Euro einzutreiben.

Teures Vergnügen - für alle Seiten

Während Hans Stettmeier auf der Launch-Party im Berliner Club 90° schwungvoll eine eingefrorene Xbox freilegte, bewegte sich in den ersten Tagen kaum etwas bei der neuen Konsole. SPIEGEL ONLINE verballhornte sie Ende März 2002 als "Nix-Box" und konstatierte: "Vermutlich ist die Kiste einfach zu teuer."

Xbox-Deutschland-Chef Hans Stettmeier befreit bei der Launch-Party in einem Berliner Klub die Konsole aus einem Eisblock
Microsoft

Xbox-Deutschland-Chef Hans Stettmeier befreit bei der Launch-Party in einem Berliner Klub die Konsole aus einem Eisblock

Doch da war die Konsole bereits in der Produktion: "Die Xbox war von der technischen Ausstattung her ein sehr teures Gerät", sagt Stettmeier, "und eine Skalierung des Preises geht eben erst im Massenmarkt."

Tatsächlich war die Xbox die erste Konsole mit Festplatte und 100-Mbit-Ethernet-Adapter in der Grundausstattung. Mit 64 MB RAM steckte in ihr doppelt so viel Speicher wie in der Playstation 2 und auch beim Intel-Prozessor und dem Nvidia-Grafikchip klotzten die Microsoft-Ingenieure.

Selbst zum Preis von 479 Euro kostete Microsoft jedes verkaufte Gerät Geld, in den ersten vier Jahren summierte sich der Verlust der Xbox-Abteilung laut "Forbes" auf vier Milliarden Dollar.

Schlummernde Leistung

Beeinflussen oder gar bestimmen konnte das deutsche Management den Preis nicht. In Redmond aber reagierte man letztlich flott auf die dürftigen Europa-Zahlen: Sechs Wochen nach dem Start sank der offizielle Preis der Konsole auf 299 Euro. Wer die Xbox bereits gekauft hatte, bekam zwei Spiele und einen Controller als Ausgleich. Eine freiwillige Entscheidung von Microsoft, wie Hans Stettmeier betont.

"Was uns in der ersten Generation ein bisschen gebremst hat, war die Qualität der Spiele, die manche Publisher einfach nur adaptiert hatten", meint Stettmeier heute. Bei Entwicklungen für mehrere Plattformen orientieren sich die Hersteller gewöhnlich an der schwächsten Hardware, ihre Muskeln konnte die Xbox also nur bei Titeln spielen lassen, die auf sie zugeschnitten waren.

So ließ Microsoft auch im Softwarebereich viel Geld - sei es durch die Finanzierung exklusiver Spiel oder den Kauf ganzer Studios. So übernahm man im Herbst 2002 für 375 Millionen Dollar den bis dato Nintendo-treuen Kultentwickler Rare.

Klobiger Grundstein

All das half der ersten Xbox kaum: Gerät und Controller waren grobschlächtig, Film-DVDs ließen sich nur durch Nachkauf einer teuren Fernbedienung abspielen, das wichtige Genre der Japan-Rollenspiele wurde selten bedient. Konkurrent Sony dagegen besaß etablierte Serien und Charaktere. Zuletzt standen in Europa rund 6 Millionen verkaufte Xbox-Geräte etwa 45 Millionen Playstation-2-Konsolen gegenüber.

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Microsoft

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Doch die erste Xbox hatte auch ihr Gutes: Mit Microsoft kam Anfang letzten Jahrzehnts wieder Bewegung in den Videospielmarkt, mit Xbox Live wurde später der erste wirklich gute Online-Spieledienst für Konsolen etabliert. Und das Unternehmen lernte aus vielen Fehlern und etablierte sich schließlich mit der Xbox 360 als ernst zu nehmender Sony-Konkurrent.

Der erfolgreiche Nachfolger der Xbox besiegelte allerdings auch ungewöhnlich rasch das Ende des ersten Geräts. Schon Weihnachten 2005, keine vier Jahre nach dem Start, hatte sie ihre Schuldigkeit für Microsoft getan: als teure erste Lektion in Sachen Konsolenmarkt.



insgesamt 11 Beiträge
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rainerwäscher 14.03.2017
1. Alles hat 2 Seiten
Das Gute an der Konsole war: Man konnte die Festplatte durch eine wesentlich größere ersetzen, einen im Internet erhältlichen Chip reinlöten, ein paar Programme aufspielen und schon konnte man ausgeliehene Spiele auf die Festplatte kopieren. So sparte man sich das Geld für die teuren Spiele. Der Nachteil dieser Konsole: Nur die Spele, die man sowieso schon auf dem PC hatte, waren gut, alles andere höchstens mittelmäßig.
scottbreed 14.03.2017
2. Also ich fand
Die xbox 360 toll., erstmal wegen den Klavierlack Design und die Spiele waren auch gut. Habe mir aber dann am Black Freitag dann aber die PlayStation 4 gekauft.. tolles Gerät.
der.tommy 14.03.2017
3. @scottbreed
Der Artikel dreht sich Indie Xbox, den Vorgänger der Xbox 360....
fliflaklawitter 14.03.2017
4. Immer noch eine tolle Konsole
Das tolle an der ersten Xbox waren vor allem diverse PC-Spiele, die man nur auf der Xbox mit Gamepad spielen konnte - Morrorwind wurde z.B. schon genannt. Ebenso die Grafikleistung - Framerate, Lichteffekte und Texture - ist bei einigen optimierten Spielen denen der PS2-Version überlegen, die Exclusives - darunter diverse Star Wars Titel, die es zwar für den PC, aber nicht für eine anderen Konsole gab - reizten diese Konsole natürlich am Besten aus. Ich halte die erste Xbox für eine extrem unterschätze Konsole - genauso unterschätzt, wie es die PSVita im mobilen Bereich ist. Dennoch - Sony und Microsoft (und natürlich auch Nintendo) - haben mit ihren jeweiligen Konsolen wirklich großartiges abgeliefert. Insofern lohnen sich speziell von Sony und Microsoft wirklich alle Konsolen - stationär wie mobil, die seit 2000 erschienen sind.
alexanderrr 14.03.2017
5. PS3 ebenso
Die PS3 hat bis in ihre späte Ära Sony mit jedem Verkauf Geld gekostet. Das Geld wurde mit den Spielen gemacht. Martkdominanz / durchdringung ist wichtiger als Geld mit dem Verkauf einer Einheit zu verdienen.
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