3-D-Fernsehen ohne Brille Bitte stillhalten!

Toshiba will die größte Hürde für dreidimensionales TV zu Hause abschaffen: die 3-D-Brille. Auf der Ifa zeigt das Unternehmen den ersten wohnzimmertauglichen Fernseher, der auch ohne Nasenfahrrad räumliche Bilder zeigt. Matthias Kremp hat ihn ausprobiert.

SPIEGEL ONLINE

Toshiba verspricht viel: Der neue Oberklasse-Fernseher des Unternehmens soll räumliche TV-Bilder ohne lästige 3-D-Brille auf die Netzhaut der Zuschauer projizieren. Gelingt der Stunt, würde die neue Technik 3-D-Kritikern wie mir den Wind zumindest in einem Punkt aus den Segeln nehmen. Seit ich zum ersten Mal einen 3-D-Fernseher getestet habe, plagt ein Dauerproblem meine Begeisterung für die neue Technik: Die meisten TV-Hersteller verwenden die sogenannte Shuttertechnik, um die Illusion räumlicher Bilder zu erzeugen. Die entsprechenden Brillen sind hässlich, klobig, nervig und müssen regelmäßig aufgeladen oder mit neuen Batterien versorgt werden.

Hell und kontrastreich - aber weniger tief

Nicht so beim neuen Toshiba. Der funktioniert durch aufwendige optische und elektronische Tricks tatsächlich ohne Brille. Sobald man sich vor das Gerät setzt, stellt sich der 3-D-Effekt ein. Das ist erst mal beeindruckend. Verglichen mit der Shuttertechnik wirkt das Bild heller und kontrastreicher. Nur an Tiefe scheint es ihm zu fehlen. Der plastische Effekt, den man aus dem Kino kennt, wenn ein Objekt aus der Leinwand auszubrechen scheint, will sich in dem kleinen Drei-Personen-Kino, das Toshiba auf der Ifa ausgebaut hat, nicht ganz einstellen. Ja, das Bild ist räumlich, wirkt aber weniger tief, als man es von Kino und Shuttertechnik-Fernsehern gewöhnt ist.

Das kann man als Nachteil werten, manchen TV-Guckern dürfte es aber auch durchaus recht sein, wenn dem 3-D-Effekt auf diese Weise etwas von seiner Dramatik genommen wird. Schließlich gibt es genug Menschen, denen beim Betrachten von 3-D-Filmen mit bisheriger Technik unwohl wird. Trotzdem: Der große Aha-Effekt will sich nicht einstellen.

Sprünge auf dem Bildschirm

Hinzu kommt, dass die brillenlose Technik zwar funktioniert, aber immer noch mit ein paar kleinen Macken zu kämpfen hat. Was am stärksten auffällt: Wenn man beim Filmegucken den Kopf seitlich bewegt, lassen sich Sprünge feststellen, wenn man von einer 3-D-Ausleuchtungszone zur nächsten wechselt. Toshiba hat zwar schon dafür gesorgt, dass sich diese Zonen überlappen, sichtbar ist der Effekt dennoch. Bei seinen Notebooks verhindert Sony das, indem der Rechner den Kopfbewegungen des Anwenders folgt und das 3-D-Bild entsprechend anpasst.

Abzuwarten bleibt, wie viele Menschen sich tatsächlich so sehr für die brillenlose 3-D-Technik begeistern lassen, dass sie bereit sind, 8000 Euro für den 55-Zoll-Boliden zu bezahlen. Kleinere Modelle gibt es bisher nicht.



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