3-D-Smartphone Handy für die dritte Dimension

3D ohne Brille - das können nicht nur teure Fernseher, sondern auch manche Handys. Matthias Kremp hat das neue HTC Evo 3D ausprobiert: Technisch ist das Gerät durchaus interessant, trotzdem bleibt es bloß ein teures Gimmick.

Matthias Kremp

Dieses Telefon ist ein dicker Brocken. Muss es wohl auch sein, denn in seinem Bauch stecken neben Dualcore-Prozessor, diversen Sensoren und moderner Netztechnik auch noch drei Kameras. Zwei davon arbeiten als Duo, sollen neben einfachen Fotos auch beeindruckende 3-D-Bilder und -Videos aufnehmen können. Zum Betrachten prangt auf der Vorderseite ein 4,3 Zoll großer Spezialbildschirm, auf dem man die so geknipsten Bilder auch tatsächlich in 3D anschauen kann - ohne lästige 3-D-Brille.

Das hört sich gut an, geht allerdings mit einigen Nachteilen einher. Sobald man mit dem seitlich montierten Schalter vom 2-D- in den 3-D-Modus wechselt, erscheint auf dem Display ein räumliches Bild. Das allerdings verändert sich im Augenblick des Umschaltens auch farblich sehr stark. Ein leichter Grauschleier scheint sich darüberzulegen, die Farben wirken matt, werden blaustichig. Letzteres wäre gar nicht so schlimm, herrscht doch im 2-D-Modus ein Rotstich vor. Gleichzeitig verliert der Bildschirm aber an Helligkeit und wirkt merklich weniger brillant.

Die dreidimensional gemachten Fotos und Videos werden trotzdem recht gut. Ein paar Grundregeln gilt es bei den Aufnahmen jedoch zu beachten. Zum einen, dass nur horizontal Geknipstes wirklich gut aussieht. Das liegt einfach an der für derartige Schnappschüsse optimierten Anordnung der beiden Objektive. Zum anderen, dass 3-D-Fotos erst ab einem Abstand von rund 50 Zentimetern zum Objektiv gelingen. Ist der Abstand kleiner, driften die von den beiden 5-Megapixel-Kameras aufgenommenen Bilder auseinander und werden als Einzelbilder statt als 3-D-Objekt wahrgenommen.

Fotostrecke

6  Bilder
3-D-Fernsehen: Tschüs, Brille!
Selbst auf einem 3-D-Fernseher betrachtet, wirken die Schnappschüsse nicht übel. Aber auch hier fehlt es ihnen an Brillanz, manchmal auch an Schärfe. 3-D-Videos, die auf dem Handy-Display noch bestens aussehen, wirken auf dem großen Bildschirm nicht hoch genug aufgelöst, es fehlt ihnen an Detailschärfe.

Richtig hart wird es bei 3-D-Spielen. Auf unserem Testgerät waren "Lets Golf 2 3D" und "Asphalt 6 3D" installiert. Bei den schnellen Bildwechseln, die mit solchen Spielen einhergehen, haben die meisten unserer Kurztester den 3-D-Effekt schnell als anstrengend empfunden. Die Belastung für die Augen lässt sich einschränken, indem man die Tiefe des Effekts per Software-Regler verringert. Dann ist's zwar nicht mehr ganz so arg 3D, macht dafür aber auch länger Spaß.

Mühelose Mehrfachnutzung

Und auch ganz ohne 3D macht das Evo 3D in Spiel- und Fotopausen Spaß. Daran hat einerseits der große Bildschirm Anteil, sofern man Hände hat, die ihrerseits groß genug sind, um die Symbole auf einem solchen Bildschirm zu erreichen. Vor allem aber sorgt der 1,2 Ghz schnelle Prozessor dafür, dass nur selten Wartepausen entstehen, beispielsweise, wenn aufwendige Spiele in den Arbeitsspeicher geladen werden.

Ansonsten wirkt HTCs Sense genannte Oberfläche, als wäre sie von einem Turbo aufgeladen. Ein leichter Schwung mit dem Daumen und schon ziehen die sieben Homescreens wie ein rasendes Karussel über den Bildschirm. Erst nach der dritten Umdrehung bleiben sie stehen. Entsprechend wenig Mühe hat das HTC-Handy beim Abspielen von Filmen ober beim Surfen im Web.

Technisch und optisch top

Mühe macht das Evo 3D dagegen eher seinem Besitzer. Denn es ist nicht nur groß, sondern auch schwer. Immerhin 170 Gramm bringt das 3-D-Handy auf die Waage und ist damit nicht ganz so handlich wie es die Bezeichnung Handy verheißt. Und es ist nicht besonders ausdauernd. Hersteller HTC verspricht zwar eine Stand-by-Zeit von bis zu 14 Tagen und eine Gesprächszeit von mehr als neun Stunden, in der Praxis macht es bei intensiver Nutzung aber oft schon viel früher schlapp. Hält man sich etwas zurück, schafft es einen typischen Arbeitstag, mehr aber auch nicht.

Beruhigend ist, dass ab Werk bereits die aktuelle Android-Version 2.3.4 installiert ist, man ist beim Kauf also auf dem neuesten Stand. Ebenfalls auf dem neuesten Stand ist die technische Ausstattung des Evo 3D: Neben den üblichen Annäherungs-, Beschleunigungs- und sonstwas-Sensoren stecken ein GPS-Empfänger, Bluetooth 3.0 und W-Lan- nach IEEE 802.11 b/g/n in dem Gerät. Unterwegs geht es per HSPA mit bis zu 14,4 Mbit/s online.

Als Smartphone kann es das Evo 3D also problemlos mit der Konkurrenz aufnehmen. Das gilt für die Technik ebenso wie für die Optik, die wertig und robust erscheint. Von den 3-D-Funktionen sollte man sich dagegen nicht zu viel erwarten. Wer die 3-D-Darstellung eines Nintendo 3DS mag, wird auch hier zufrieden sein, das dürfte aber nicht für jedermann gelten. Im Dauerbetrieb sind 3-D-Spiele und -Filme auf dem Display des Evo einfach zu anstrengend. 3D auf dem Handy ist vorerst noch eine teure Spielerei. Kann man machen, muss man aber nicht.



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insgesamt 19 Beiträge
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Seite 1
janne2109 20.09.2011
1. Handy
Handys sind schon manchmal hilfreich, alles andere ist unnötiger Schnurzfax den niemand ernsthaft braucht. Verbraucher sollen lieber mehr Geld für vernünftige Lebensmittel ausgeben, ein gutes Buch, eine vernünftige Zeitung und etwas mehr Bildung. Auch eine neue Zahnbürste wäre nicht schlecht.
mameingast 20.09.2011
2. Bitte geben Sie einen Titel für den Beitrag an!
Zitat von janne2109Handys sind schon manchmal hilfreich, alles andere ist unnötiger Schnurzfax den niemand ernsthaft braucht. Verbraucher sollen lieber mehr Geld für vernünftige Lebensmittel ausgeben, ein gutes Buch, eine vernünftige Zeitung und etwas mehr Bildung. Auch eine neue Zahnbürste wäre nicht schlecht.
Oh man... Beiträge wie der Ihrige sind doch wirklich zum verzweifeln... Für wen halten Sie sich, "dem Verbraucher" vorschreiben zu können, was für ihn ein sinnvoller Erwerb wäre? Wenn Sie den Kauf eines Smartphones für einen eklatanten Fehlkauf halten, dann schaffen Sie bitte Ihren PC ab... Schließlich nutze ich mein Smartphone als vollwertigen Notebookersatz! Überlassen Sie es doch bitte dem Einzelnen zu beurteilen, ob er das Gerät braucht oder nicht!
mameingast 20.09.2011
3. Bitte geben Sie einen Titel für den Beitrag an!
Außerdem muss ich an dieser Stelle den SPON einmal loben: Ein Artikel zu einem Smartphone ohne dass der allgegenwärtige (und völlig unangebrachte) Vergleich mit dem iPhone kommt!
EmmetBrown 20.09.2011
4. Titel
Zitat von mameingastAußerdem muss ich an dieser Stelle den SPON einmal loben: Ein Artikel zu einem Smartphone ohne dass der allgegenwärtige (und völlig unangebrachte) Vergleich mit dem iPhone kommt!
Ausserdem muss ich an dieser Stelle den User mameingast einmal tadeln: Ein Artikel zu einem Smartphone und schon bringt er (völlig unangebracht) das iPhone ins Spiel.
archie, 20.09.2011
5. vernünftig?
Zitat von janne2109Handys sind schon manchmal hilfreich, alles andere ist unnötiger Schnurzfax den niemand ernsthaft braucht. Verbraucher sollen lieber mehr Geld für vernünftige Lebensmittel ausgeben, ein gutes Buch, eine vernünftige Zeitung und etwas mehr Bildung. Auch eine neue Zahnbürste wäre nicht schlecht.
Was sagt Sheldon? "Ich muss essen, trinken, schlafen. Alles andere ist optional.
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