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300.000 Verkäufe: iPad schlägt iPhone

Apples iPad ist ein Produkt, von dem zuvor niemand so recht wusste, wozu genau es gut sein sollte. Das hat sich radikal geändert: Am ersten Verkaufstag griffen 300.000 Kunden zu, mehr als in zwei Tagen beim iPhone. Dazu gab's auch einen Rekordumsatz mit Apps und E-Books.

Nicht neu, aber besser: Tablet-PCs gibt es seit 2002, Apple verspricht kinderleichte Bedienung (und sich ein Riesengeschäft) Zur Großansicht
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Nicht neu, aber besser: Tablet-PCs gibt es seit 2002, Apple verspricht kinderleichte Bedienung (und sich ein Riesengeschäft)

Hamburg - Ein Handy ist ein technisches Gerät mit höchst präzise zu beschreibendem Nutzen: Primär dient es der Kommunikation per Telefonie, SMS oder E-Mail. Eines der erfolgreichsten Handy-Modelle aller Zeiten kommt von Apple, heißt iPhone und verkaufte sich 2007 in den ersten zwei Tagen auf dem Markt sensationelle 270.000-mal.

Ein iPad ist ein technisches Gerät mit eher diffus zu beschreibendem Nutzen: Man kommt ihm am besten mit Vergleichen bei. Demnach wäre ein iPad ein E-Book-Reader-Tablet-PC-Surfbrett-Bilderrahmen-Multimediaplayer-Spiele-Computer-App-Abspielgerät - oder, wie mancher im Vorfeld verkürzend meinte, ein überdimensioniertes iPhone ohne Telefonfunktion. Wenn die Schätzungen über Apples Verkaufszahlen stimmen, hat dieses elegante, aber seltsame Produkt den Erfolg des iPhone nicht nur wiederholt, sondern seinen Erstverkaufsrekord sogar eingestellt: 300.000-mal soll es allein am Ostersamstag über die Ladentheke gegangen sein, Vorbestellungen natürlich inklusive. Es gibt Analysten, die glauben, die Gesamtzahl der Verkäufe könne sogar bei 400.000 liegen - verifizierte Zahlen gibt es wie üblich nicht.

Aber es gibt auch wenig Grund, die vorliegenden Zahlen zu bezweifeln: Was Apple vorab zur Vorbestellung freigegeben hatte, war bis aufs letzte Gerät ausverkauft worden. Um das, was Apple für den ersten Verkaufstag zur Verfügung stellte, hatten sich die Apple-Kunden teils mit stundenlangem Schlangestehen beworben - Apple ist notorisch bekannt dafür, keine Kunden im eigentlichen Sinn zu haben, sondern Fans, die gern einmal auch etwas tiefer in die Tasche greifen.

Damit hätte Apple an einem Tag zehn Prozent oder mehr der Verkaufszahlen geschafft, die Amazons Kindle seit 2007 kumuliert hat. Das Amazon-Gerät ist mit geschätzten drei Millionen Geräten in Umlauf derzeit der populärste E-Reader der Welt. Und hat mit dem iPad nun einen Konkurrenten im Nacken, der deutlich mehr kann als nur Bücher darzustellen.

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Selbst von denen aber setzte Apple am ersten Tag angeblich rund 250.000 ab - klar, denn ein iPad will befüttert werden, und das geht wie bei Apple üblich am besten über den Online-Shop des Unternehmens. Von dort zogen die frischgebackenen iPad-Besitzer dann gleich noch rund eine Million Apps herunter, die vom iPhone her bekannten kleinen Programm-Applikationen. Die Kasse hat also laut gerappelt: Das iPad schlägt mit rund 500 Dollar zu Buche, was einem Tagesumsatz von 150 Millionen Dollar entspräche, dazu kämen Umsätze aus Buch- und App-Verkauf mit Einzelpreisen von kostenlos bis 20 Dollar und mehr.

Apps: Das Zusatzgeschäft ist der eigentliche Trumpf

Die Apps sind der eigentliche Trumpf des iPad, sowohl inhaltlich als auch geschäftlich: Apple gibt Entwicklern Gelegenheit, für seine Geräte iPhone, iPod touch und iPad kleine Programme zu entwickeln, die über den Online-Store des Unternehmens gegen Provision verkauft werden. Jede App-Verkaufsprovisionszahlung an Apple ist für die Firma ein Reingewinn - die Kosten der Entwicklung tragen ja andere. Zugleich bedeutet die hohe Zahl der zur Verfügung stehenden Apps das größte Verkaufsargument für Apples Hardware.

Das Gerät sorgt also für Software-Nachfrage, das Software-Angebot macht das Gerät attraktiv: Mit dieser Geschäftsstrategie machte Apple-Chef Steve Jobs ab 2003 aus der über Jahre taumelnden, defizitären Marke Apple eines der profitabelsten Unternehmen der Welt - mit engen Verknüpfungen zwischen Hardware und Online-Downloadshops, die für die Geräte auf höchst unkomplizierte Weise Inhalte und Programme zur Verfügung stellen. Auf diese Weise wurde Apple zum weltweit führenden Verkäufer von Musik, könnte nun mit dem iPad auch auf dem Filmdownloadmarkt stärker punkten - und schickt sich an, den Markt für E-Books anzugehen, der bisher von Amazon beherrscht wird.

Wo das iPad seine Stärken nun tatsächlich zum Zuge bringen kann, bleibt abzuwarten: Tablet-PC, Multimediaplayer, Surfbrett oder E-Book-Reader - was das iPad wirklich ist, entscheidet letztlich der Käufer durch sein Nutzungsverhalten.

Dass es zu Apples Schaden nicht sein wird, darüber sind sich die Analysten allerdings einig. Erwartet werden bis zu fünf Millionen iPad-Verkäufe in den ersten zwölf Monaten, die Gewinnerwartungen werden ebenfalls nach oben korrigiert. Und auch mit weiter steigenden Apple-Kursen rechnen die Analysten: Dass die am ersten Tag nur um 0,3 Prozent stiegen, zeigt vor allem, wie viel von Apple inzwischen erwartet wird. Denn 300.000 Verkäufe am ersten Tag sind auch das, was Analysten im Vorfeld prognostiziert hatten. Für die Börsen war der Rekord noch nicht sensationell genug. Was das iPad wirklich wert ist für Apple, wird erst dann sichtbar, wenn nach den Fans auch die normalen Kunden kommen. Dass die kommen werden, bezweifelt seit dem fulminanten Verkaufsauftakt kaum noch jemand.

pat

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