Modellierbares Plastik 3D-Drucken mit den Händen

Kleidung, Prothesen, Autos, ein ganzes Haus: Mittlerweile können 3D-Drucker nahezu alles drucken. Manche Bastelprojekte lassen sich aber auch ohne teure Technik umsetzen, dank eines besonderen Materials.

Weiße Halterung  aus Biopolymer im Cockpit eines Motorgleitschirms
Gorilla-Plastic.de

Weiße Halterung aus Biopolymer im Cockpit eines Motorgleitschirms

Von Patrick Bauer


Die Technik der 3D-Drucker ist inzwischen so weit fortgeschritten, dass man mit den Geräten Kleider drucken kann, oder Prothesen, oder sogar ein ganzes Auto oder Haus.

Um dreidimensionale Dinge zu bauen und zu formen, braucht man in vielen Fällen aber gar nicht unbedingt einen teuren 3D-Drucker und einen aufwendigen per Software erstellten Entwurf, beweisen einige Heimwerker im Netz.

Sie arbeiten daheim, mit den eigenen Händen, etwas warmem Wasser -und einem besonderen Plastik: thermoplastischen Biopolymer. Das ist bis zu einer Temperatur von 60 Grad Celsius steinhart, es lässt sich bohren und schneiden und ist extrem stabil.

Je stärker man das Plastik erhitzt, desto formbarer ist es

Ab 65 Grad Celsius aber ist es mit den Händen gut formbar und für kleinere Aufgaben extrem praktisch. Im Internet finden sich Videos und Berichte zu etlichen Anwendungsmöglichkeiten, die Nutzer bauen Stifte-, Handy- und Werkzeughalterungen, Schmuck oder Kleiderhaken aus dem Material.

Solche Plastik-Figürchen kennt man auch aus der Anfangszeit der 3D-Drucker
Gorilla-Plastic.de

Solche Plastik-Figürchen kennt man auch aus der Anfangszeit der 3D-Drucker

Das Plastik lässt sich immer wieder aufwärmen und neu modellieren. Es kann lackiert, bemalt und mit speziellen Farbpigmenten auch komplett eingefärbt werden. Je wärmer das Plastik ist, desto leichter und länger lässt es sich bearbeiten.

Eine Reihe bekannter Videos kommt vom YouTuber "TheEngineeringGuy", der aus dem Plastik vor allem Kamerazubehör gebaut hat: Er hat Halterungen modelliert, um Aufnahmen von oben zu machen, außerdem hat er ein bewegliches Stativ für Kamerafahrten gebaut - und eine Steinschleuder.

Auf seinem Kanal erklärt er auch die Grundlagen im Umgang mit dem formbaren Plastik: Wie macht man Platten, Kreise und Stäbe? Und wie verbrennt man sich nicht die Hände?

Unter Modellbauern ist das Plastik zudem beliebt, um kleine abgebrochene Teile wieder anzukleben oder nachzuformen. Andere nutzen das Plastik, um ihre Karnevalsverkleidungen mit Fangzähnen oder Stacheln aufzumotzen.

Unter den Begriffen "Polymorph", "Thermomorph" und "Thermoplastic" finden sich mittlerweile hunderte Videos - und die Anwendungsmöglichkeiten für Bastler sind damit vermutlich noch lange nicht ausgeschöpft.



insgesamt 22 Beiträge
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monoman 17.06.2016
1. High ohne Tech
Ab 150 Grad Celsius dürfte es beim inhalieren auch richtig geil turnen, ebenfalls ganz ohne 3D-Drucker oder sonstigem High-Tech ;-)
rennflosse 17.06.2016
2. Autsch!
Ab 65 Grad Celsius aber ist es mit den Händen gut formbar, soso. Die Frage ist nur, wer kann 65 Grad heißes Zeugs mit den Händen formen? Das wird sehr schmerzhaft. Dann muss man es wohl in eine Form geben.
noalk 17.06.2016
3. Antik
Das kannten die ollen Griechen und Römer auch schon. Gut, das Material war etwas anders (Ton). aber das Verfahren war dasselbe.
querollo 17.06.2016
4. Erklärt mir das
Warum sind handgeknetete Figürchen aus Plastik plötzlich einen Artikel wert? Seit 50 Jahren basteln Hausfrauen plastiline Dinge aus Fimo und nie hat sich jemand bemüßig gefühlt, das als "industrielle Fertigung nur eben manuell" dazustellen. Was für ein Blödsinn! https://de.wikipedia.org/wiki/Fimo Und nur der Vollständigkeit halber: Dämliche Plastik-Schildkröten sind ja genau das, was eine Umwelt braucht, die ohnedies im Plastik erstickt.
Mirii 17.06.2016
5.
Könnt Ihr mal endlich Eure Kamera aus unserer Wohnstube ausbauen...lach! Man kann auch Salzteig zum Basteln hernehmen! Das ist noch günstiger.
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