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Abzock-Abos auf dem iPhone: Eltern in der Knuddelfalle

Von Hauke Goos

Deutsche iPhone-Besitzer erleben eine Welle perfider Abzock-Tricks mit Abo-Fallen. Ziel sind unter anderem Eltern kleinerer Kinder, die ihre Sprösslinge mit kostenlosen Apps spielen lassen - und unfreiwillig zu Abonnenten obskurer Dienste werden.

Talking Tom: Die Abo-Falle kommt (nicht nur hier) huckepack Zur Großansicht

Talking Tom: Die Abo-Falle kommt (nicht nur hier) huckepack

Der enorme Erfolg der Smartphones zieht dubiose Geschäftemacher an: Wer sich auf seinem iPhone eine kostenlose App herunterlädt, findet sich wenig später häufig als Abonnent von Videos wieder - fast immer ohne sein Wissen. Die Masche, als "Abo-Falle" von Websites bekannt, ist bei den Smartphones so einfach wie nie.

Das Geschäft läuft so: Während ein kostenloses Spiel läuft, tauchen Werbebanner auf. Klickt man auf ein solches Banner, öffnet sich eine neue Seite, auf der Klingeltöne oder Videos angeboten werden. Dort reicht schon ein unbedachter Klick, und man zahlt wöchentlich drei bis fünf Euro für Dienste, die man gar nicht will.

Das Perfide daran: Diese Banner verstecken sich häufig in Kinderspielen wie beispielsweise "Talking Tom". Die Kinder wollen zum Spiel zurückkehren, klicken neue Seiten einfach weg und schließen dabei ein Abo ab.

Eine direkte Verbindung zwischen den Anbietern der betroffenen Apps und den Abzockern ist dabei noch nicht einmal gegeben: Die Werbebanner werden über von außen Anzeigen einspielende Ad-Server eingeblendet. Viele App-Entwickler überlassen die werbliche Vermarktung spezialisierten Dienstleistern wie Affiliate-Werbenetzwerken oder der Google-Tochter Admob. Dort buchen sich die Abo-Fallensteller ganz regulär mit Anzeigenformaten ein.

Altbekannte Masche, neue Plattform

Solche Abo-Fallen gibt es schon seit langem im herkömmlichen Internet. Dort muss der Kunde Name, Adresse oder zumindest Telefonnummer eingeben. Anders beim Smartphone (betroffen sind neben dem iPhone auch Android-Handys): Hier werden die Abrechnungsdaten direkt vom Telefon übermittelt. WAP macht es möglich: Die Trickser setzen bewusst den veralteten Mobilnetz-Standard ein, weil hier beim Aufruf der Seite die MSISDN (Mobile Subscriber Integrated Services Digital Network Number) des aufrufenden Mobiltelefons übermittelt wird - und damit auch alle notwendigen Daten für die Abrechnung des vermeintlichen Vertrags. Der Netzbetreiber, der an dem Vorgang mitverdient, zieht dann das Geld über die Telefonrechnung ein. Man kann seinen Moblifunkanbieter jedoch anweisen, keine solchen Verbindungen zu Drittanbietern zuzulassen, in der Regel genügt ein Anruf bei der Hotline des jeweiligen Mobilfunkers.

Nach dem Gesetz sind die Anbieter verpflichtet, dem Kunden mitzuteilen, dass er gerade ein Abo abgeschlossen hat. Tatsächlich schicken Anbieter wie die Kölner Firma W2Mobile eine SMS. Die lautet dann aber zum Beispiel: "Die suessesten Videos fuer dein Handy bei Knuddel TV!" - kein Mensch hält das für eine Kaufbestätigung.

Das Geld zurückzubekommen wird trotzdem schwierig. Die meisten Abonnenten erfahren von dem Abo erst mit der nächsten Telefonrechnung, wenn die ersten Raten schon bezahlt sind. Verbraucherverbände halten solche Verträge für nichtig, der Abonnent habe Anspruch darauf, sein Geld wiederzubekommen. In der Praxis bleibt allerdings nur eine Zivilklage - angesichts eines Streitwerts von meist 10 oder 20 Euro nicht wirklich zu empfehlen. In Einzelfällen kommt es zu kostspieligeren "Abschlüssen", mit Abos für bis zu 2,99 Euro am Tag.

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