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Versteckte Webcam: Deutsche Touristin verklagt Airbnb

Screenshot der Airbnb-Website: Die Touristin fühlte sich unbeobachtet Zur Großansicht
Getty Images

Screenshot der Airbnb-Website: Die Touristin fühlte sich unbeobachtet

Eine deutsche Touristin und ihr Lebensgefährte haben eine Webcam in einer Airbnb-Wohnung entdeckt. Nun fürchtet die Frau, dass Nacktbilder von ihr verbreitet werden - und hat daher den Wohnungsvermittler verklagt.

Yvonne S. hatte sich unbeobachtet gefühlt. Die Eingangstür der Wohnung war geschlossen, die Fensterläden waren heruntergelassen. In der Nacht sei sie nackt durch das Wohnzimmer gelaufen, um auf die Toilette zu gehen. Dabei sei sie davon ausgegangen, dass sie "geschützt sei vor neugierigen Blicken", heißt es in den Gerichtsakten zum Fall. "Diese natürliche Annahme hat sich als falsch herausgestellt." Denn die Touristin wurde offenbar mit einer Kamera in der Mietwohnung gefilmt. Nun verklagt Yvonne S. sowohl die Vermieter als auch Airbnb.

Ihr Lebensgefährte Kevin S. hatte das Apartment in der kalifornischen Universitätsstadt Irvine über die Onlineplattform Airbnb gebucht. Yvonne S. war zu Gast in der gemieteten Wohnung, in der sich das Paar laut den Dokumenten auch über intime Details wie Finanzen und ihre Beziehung unterhalten hat. Die deutsche Touristin habe sich vor allem im Wohnzimmer des Apartments aufgehalten.

Am dritten Tag nach dem Einzug bemerkte Kevin S. in einem Regal dieses Wohnzimmers eine ungewöhnliche Lichtquelle. Daraufhin habe er den Schrank untersucht und eine Kamera entdeckt, die zwischen Kerzen versteckt war. Da er beruflich mit IT-Themen zu tun habe, sei ihm aufgefallen, dass die Kamera voll funktionsfähig gewesen sei und außerdem aus der Ferne gesteuert werden könne. Auch ein Mikrofon sei in das Gerät eingebaut gewesen, somit hätten die Gespräche des Pärchens belauscht werden können.

Laut den Gerichtsakten haben weder die Vermieter noch Airbnb die Touristin darüber informiert, dass in der Wohnung eine Kamera installiert sei. Die Klägerin geht den Unterlagen zufolge davon aus, dass die Kamera aktiv von den Vermietern genutzt worden seien. Sie habe nun Angst, dass Nacktbilder von ihr über das Internet oder andere Medien verbreitet werden könnten.

Airbnb spricht von einer Ausnahme. Ein Sprecher des Unternehmens sagte der "Süddeutschen Zeitung", die Überwachungskamera im Wohnzimmer sei ein "unglaublich seltener Fall". Jedes Jahr würden Zehntausende Vermietungen über die Plattform laufen, ohne dass Schäden auftreten. Mehr als 65 Millionen Gäste hätten positive, vertrauenswürdige Erfahrungen mit Airbnb gemacht.

jbr

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1.
tomtomone 14.01.2016
Willkommen in der Shared Economy. Geschieht den Sparfüchsen recht, im Hotel wäre das nicht passiert.
2.
ackergold 14.01.2016
Eine "sehr seltene Ausnahme"? Das glaube wer will. Die Tatsache wird wohl eher sein, dass die meisten davon gar nichts merken, wie perfide sie überwacht und ausgespäht werden. Das ist auch mit einer Geldstrafe nicht abgetan, hier muss zwingend Haft her, denn es handelt sich nicht nur um Hausfriedensbruch, der in den USA besonders schwer bestraft wird, sondern auch um schwere Körperverletzung. Sollten tatsächlich Bilder im Netz auftauchen, dann kämen weitere schwere Straftatbestände hinzu.
3. Nee, is klar.
curlybracket 14.01.2016
@tomtomone Das gibt es genauso im Hotel, siehe http://www.all-in.de/nachrichten/rundschau/Urlauberin-entdeckt-versteckte-Kamera-in-Ostallgaeuer-Hotel;art2757,1673333
4. Kann mich nur anschließen...
isolde_trinken 14.01.2016
Im Hotel wär das nicht passiert. Im übrigen ist die Frage, ob es dem "Vermieter" verboten ist, seine Webcam im Regal stehen zu lassen... Als "privater Vermieter" unterliegt er wohl anderen Bestimmungen als gewerbliche Vermieter.
5. Zusatz zum Vorsatz
humorrid 14.01.2016
Natürlich erlitt die Touristin dabei eine bleibende Trauma und kann nicht mehr arbeiten und überhaupt... Also Millionenklage. Bleibt nur zu beweisen, dass die Aufnahmen tatsächlich gemacht worden sind, das Vorhanden der Kamera an sich beweist noch nichts. Moderne TV-Geräte und Spielkonsolen haben auch allerlei Technik, die missbraucht werden kann. Also, erst Appartment nach Kameras und Wanzen durchsuchen, dann alle Stecker ziehen und in Amerika auch mal nach Waffen durchsuchen.
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