Streaming So funken Sie per Airplay Musik und Filme durchs Haus

Der Apple-Standard Airplay ist ideal, um Musik per W-Lan vom Computer an Lautsprecher zu funken oder Filme vom PC an den Fernseher. Das geht auch ohne Apple-Hardware. Wie Airplay mit Windows und Android funktioniert, erklärt das Fachmagazin "c't Home Entertainment".

Von Jeremias Radke

Apple-Standard Airplay: Das System kommt auch mit Windows und Android zurecht
Heise

Apple-Standard Airplay: Das System kommt auch mit Windows und Android zurecht


Mit Apples Streaming-Technik Airplay lässt sich Musik vom Rechner drahtlos an Lautsprecher übertragen, auch Fotos und Videos kann man an einen Fernseher funken. In Macs und iOS-Geräten ist der Airplay-Standard schon integriert, für Windows und Android kann man die Software nachrüsten.

Zahlreiche Entwickler bieten Zusatztools an, die Apples Beschränkungen zumindest teilweise aufheben und neue Funktionen implementieren - auch für Googles Mobilgeräte und Windows-PCs. Hier der Überblick.

1. Airplay mit dem Android-Smartphone

Vom Android-Smartphone oder -Tablet lassen sich mit der passenden App Audio- und Video-Inhalte auch im Airplay-Format streamen.

  • Der DoubleTwist-Player (kostenlos) schickt mit der kostenpflichtigen Erweiterung AirSync (4,99 Euro) Musik und Filme an das Apple TV oder an Geräte, die sich als solches ausgeben. Mit der Airport-Express-Station kann er als einziger der vorgestellten Kandidaten hingegen nichts anfangen. Außer Film und Musik synchronisiert man mit der App auch Playlisten von iTunes oder vom Windows Media Player zwischen Rechner und Smartphone. Videos werden dabei in das Airplay-kompatible Format MP4 konvertiert und stark komprimiert. Auch kompatible Filme unterzieht der Player dieser Schrumpfkur. Das spart zwar Speicherplatz, die Qualität leidet aber sichtbar. Die Videos sind unscharf, Artefakte treten deutlich hervor.
  • Der Honey-Player (3,49 Euro) zeigt sich bei der Wahl der Airplay-Empfänger weniger wählerisch und unterstützt auch die Airport-Express-Station, streamt dafür jedoch nur Musiktitel im W-LAN. Anders als DoubleTwist steht ihm keine Software zur Synchronisierung am PC oder Mac zur Seite.
  • Dank integriertem Browser streamt Twonky Beam (kostenlos) allerlei Audio- und Video-Inhalte aus dem Internet auf Airplay-fähige Geräte. Ruft man eine Webseite auf, untersucht der Player im Hintergrund den Content und kennzeichnet Streambares mit einem "Beam"-Button, der durch Antippen die Wiedergabe startet. Wischen von rechts öffnet eine Liste aller verfügbaren Airplay-Empfänger.
  • Zum Steuern des iTunes-Servers greifen Android-Nutzer auf Remote for iTunes (2,99 Euro) zurück. Es bietet ähnliche Funktionen wie Apples Remote-App.
  • Noch eleganter lassen sich Audio-Inhalte vom Android-Gerät auf Airplay-fähige Empfänger mit den kostenlosen Anwendungen AirAudio (kostenlos) und AirStream (kostenlos) senden. Die Apps greifen alle Systemsounds ab, setzen dafür allerdings Root-Rechte voraus. Man muss sein Android-Smartphone also erst knacken.

2. Mit Android-Hardware Airplay-Daten empfangen

Android-Smartphones und -Tablets lassen sich auch als Audio-Empfänger nutzen. Ausgediente Geräte erhalten dann beispielsweise eine zweite Chance als günstige Alternative zu Apples AirPort-Express-Station, sie empfangen Musik per Funk und geben sie über einen angeschlossenen Lautsprecher aus.

Alles, was es dazu braucht, sind Apps wie AirBubble (1,49 Euro) oder Android Hifi (0,99 Euro). Obwohl AirBubble günstiger ist, kann dieses Programm mehr: Es erlaubt dem Anwender, die Puffer-Größe für den Audio-Stream einzustellen und lässt sich auf Wunsch beim Einschalten des Smartphones automatisch starten.

Videos und Fotos nimmt die App Airplay/DLNA Receiver Pro (3,71 Euro) entgegen. Die lässt sich auch auf einem HDMI-Stick mit Android installieren und macht diesen zu einem kostengünstigen Apple-TV-Ersatz. Einzig der Dual-Screen-Modus für Spiele und die Bildschirmsynchronisation wollen auch damit nicht klappen.

3. Vom Windows-Rechner Airplay-Ströme verteilen

Für stationäre Computer ist iTunes der Schlüssel zur Airplay-Welt. Mit der Apple-Software dürfen Sie Videos und Musik an Airplay-fähige Endgeräte senden. Konkret:

  • Das funktioniert mit allen iTunes-kompatiblen Dateiformaten (also etwa H.264-codierten Filmen in den Container-Formaten .mov, mp4 und m4v). Die lassen sich auf das Apple TV 3 in Full-HD-Qualität streamen. Das Apple TV 2 kann selbst nur 720p-Filme wiedergeben, nimmt 1080p-Material aber entgegen und skaliert es automatisch herunter.
  • Neben DRM-geschützten Filmen kann man auch Videos ohne Kopierschutz in iTunes verwalten und übertragen, zum Beispiel aus dem Fernsehen aufgenommene und konvertierte Filme. DRM-Formate anderer Anbieter bleiben außen vor.
  • Auf Audio-Seite lassen sich die Formate MP3, AAC, WAV und AIFF (mit bis zu 192 kHz und 24 Bit) senden.

Apples hauseigene MulticastDNS-Implementierung Bonjour macht alle beteiligten Airplay-Geräte auch unter Windows miteinander bekannt. Daher verlangen die im Folgenden vorgestellten Windows-Anwendungen diese Erweiterung; sie wird bei der iTunes-Installation nachgeladen. Einige Anwendungen verlangen lediglich die Bonjour-Druck-Dienste, die unabhängig von iTunes installiert werden können. So kann man auch Airplay nutzen, ohne iTunes installieren zu müssen.

Diese Programme öffnen Windows-Nutzern Airplay-Zusatzfunktionen:

  • Airfoil for Windows (19 Euro) holt aus Airplay beim Audio-Streaming mehr heraus. Es bedient Airplay-Geräte, versorgt aber auch Linux-PCs und Android-Smartphones mit Audio-Inhalten im drahtlosen Heimnetz, auf dem ein Airfoil-Client läuft. Anders als iTunes funkt Airfoil Töne aus jeder beliebigen Quelle an die Empfänger. So kann man seinen Lieblingsplayer weiterhin verwenden und sich dennoch den Airplay-Komfort zu Nutze machen.
  • Wollen iPhone-, iPad- oder Mac-Anwender den Bildschirminhalt anderen zeigen, etwa der Familie im Wohnzimmer, spiegeln sie ihn einfach via Apple TV auf den Fernseher. So lässt sich beispielsweise auch der unter der Zimmerdecke installierte Beamer drahtlos nicht nur für die Film- und Fotowiedergabe nutzen, sondern auch für Präsentationen oder schlicht zum bequemeren gemeinsamen Arbeiten. Windows-User rüsten die Bildschirmsynchronisation per Software nach. AirParrot (8 Euro) nistet sich in der Taskleiste ein und unterstützt 1080p-Mirroring auf das Apple TV 3. Stockt die Wiedergabe, kann der Stream aber auch auf 720p reduziert werden.

4. So wird der Windows-PC zum Airplay-Empfänger

Das Open-Source-Tool Shairport (kostenlos) rüstet den Windows-Rechner zum Airplay-Empfänger auf. Es benötigt nur die Bonjour-Druck-Dienste. Shairport arbeitet ressourcenschonend und lief bei all unseren Versuchen zuverlässig.

Die Software AirServer (12 Euro) ahmt unter Windows und OS X ein Apple TV nach, sodass man iOS-Spiele mit Dual-Screen-Modus oder OS-X-Bildschirminhalte auf den PC streamen kann. Zusätzlich kann man über iTunes gleichzeitig den von AirServer entgegengenommenen Audio-Stream an externe Airplay-Lautsprecher weiterleiten. Für all diese Funktionen ist allerdings etwas Vorarbeit nötig:

  • Damit AirServer unter Windows nach Airplay-tauglichen Zulieferern lauschen kann, muss man neben iTunes ebenfalls Apples Bonjour Print-Services und obendrein noch DirectX 9c installieren.
  • Zusätzlich ist die Windows-Firewall für eingehenden Datenverkehr über die TCP-Ports 49152 und 7001 sowie die UDP-Ports 6009 und 6010 zu öffnen. Diese erreichen Sie am schnellsten mit dem Befehl wf.msc in der Eingabeaufforderung (Shortcut: Win+r). Legen Sie dann zwei (je eine für UDP und TCP) Regeln an, die Sie AirServer nennen. Anschließend wählen Sie diese via Doppelklick aus und öffnen im Reiter "Protokolle und Ports" die oben genannten Ports. Bestätigen Sie die Einstellungen anschließend mit "Übernehmen".
  • Die Erweiterung blendet in der Taskleiste ein Icon ein, über das man die Programm-Einstellungen vornimmt. Darin legt der Anwender beispielsweise ein Passwort fest. Das verhindert, dass ihm jeder im gleichen Netz eingebuchte Airplay-Client ungefragt Inhalte auf den Monitor oder den Audio-Ausgang schießt.

Airplay
Apple verbaut Airplay in allen aktuellen Geräten, lizenziert die Technik für das Audio-Streaming aber. So gibt es inzwischen zahlreiche WLAN-Lautsprecher, die sich von iPhone, iPad oder iTunes ansteuern lassen. Diese kosten in der Regel weit mehr als Apples AirPort-Express-Station (100 Euro) oder das Apple TV (110 Euro), mit denen man eine vorhandene HiFi-Anlage und/oder einen Fernseher mit AirPlay-Fähigkeiten versehen kann. Beide haben einen optischen Digital-Audio-Ausgang und einen Ethernet-Port eingebaut. Die AirPort Express fungiert mit ihrer USB-Buchse gleichzeitig als Print-Server und spannt ein WLAN auf, integriert sich in ein bestehendes oder erweitert dieses. Das Apple TV empfängt im Unterschied zur AirPort Express auch Videos, Fotos oder Bildschirminhalte von Mac OS X sowie von geeigneten iOS-Spielen und gibt sie per HDMI an den Fernseher weiter. Es rüstet für wenig Geld eine Medienzentrale im Wohnzimmer nach, mit der man obendrein Filme im iTunes Store oder bei Watchever ausleihen kann.

Airplay ist also ein durchdachtes System, doch wie so oft bei Apple zieht die Einfachheit auch einige Einschränkungen nach sich: So lassen sich von Haus aus andere Dateiformate, die iTunes nicht beherrscht, nicht übertragen. Und iPhone, iPad sowie iPod touch können nur senden, nicht empfangen. Doch diese Grenzen lassen sich sprengen, denn die für die Authentifizierung der Airplay-Geräte notwendigen Schlüssel und Protokoll-Spezifikationen sind seit geraumer Zeit geknackt.

Der Artikel ist im Sonderheft "c't Home Entertainment" erschienen, hier haben wir eine gekürzte Version veröffentlicht. Ein Inhaltsverzeichnis des Hefts finden Sie hier. Der Heise-Verlag bietet auch eine Bestellmöglichkeit.

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insgesamt 32 Beiträge
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Seite 1
neu_ab 21.12.2013
1. "Das geht auch ohne Apple-Hardware"
Sie werden vielleicht lachen, aber das geht auch ohne Apple-*Software*! & zwar seit gefühlten 25 Jahren.
digitus_medius 21.12.2013
2. Aha. Und was bitte genau
ist daran jetzt neu? Das geht mit anderer Hard- und Software schon seit Jahren besser und preiswerter.
homann5 21.12.2013
3.
Zitat von digitus_mediusist daran jetzt neu? Das geht mit anderer Hard- und Software schon seit Jahren besser und preiswerter.
Im Punkt preiswerter haben Sie Recht, im Punkt besser hingegen nicht.Zu AirPlay gibt es nur einen Konkurrenten und der heißt DLNA (Miracast ist eine Sonderlösung, die nicht in vollem Umfang vergleichbar ist). DLNA krankt aber daran, dass jeder nutzende Hersteller Funktionen streichen oder eigene Sonderlösungen hinzufügen kann. Das erlebe ich - wenn ich will - jeden Tag im heimischen Wohnzimmer. Der Samsung-TV kann DLNA, aber bei weitem nicht alles; selbst das Spulen innerhalb eines Videos ist nicht möglich. Hinzu kommt, dass nur eine lächerliche Zahl an völlig überholten Formaten und Containern unterstützt wird - außer der Geräterhersteller hat hier nachgeholfen. Dann aber müssen Sender und Empfänger derart modifiziert sein. Ich bin wahrlich kein Freund von proprietären Lösungen, aber einen besseren Konkurrenten gibt es nicht.
bluemetal 21.12.2013
4. Naja
Ich habe zwar Mac, PC und iPhones, von AppleTV halte ich mangels NAS-Unterstützung und Formatvielfalt nichts. Aktuell streame ich von einer NAS über ein WDTV an den Fernseher. AirServer nutze ich ab und zu am Mac, ist ein Riesen Gag, wenn das iPhone auf den großen Monitor streamt. Wirklich brauchen tu ich die Technik nicht. Als Musik- Foto und Filmzuspieler haben Smartphones nie genug Speicherkapazität wie z.B. ein Laufwerk oder NAS. @neu_ab: Themaverfehlung: Sechs, setzen
bluemetal 21.12.2013
5.
Zitat von digitus_mediusist daran jetzt neu? Das geht mit anderer Hard- und Software schon seit Jahren besser und preiswerter.
Wohl kaum, Apple hatte mit AirTunes seit 10 Jahren kabelloses Musik-Streaming, schon vor AirPlay. Ansonsten soll der Artikel nur erklären wie sie Airplay mit unterschiedlicher Hardware am besten realisieren. Mehr nicht.
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