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04. April 2012, 11:19 Uhr

Apples Airplay

So wird das iPad zur Wohnzimmer-Spielkonsole

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Mit moderatem Aufwand kann man iPad-Spiele auf den Fernseher bringen. So wird das Apple-Tablet zur veritablen Spielkonsole - und viele Games-Hersteller bieten sogar Extrafunktionen für den großen Bildschirm an. Wir haben ausprobiert, wie das funktioniert, wie viel Spaß es macht und was es kostet.

Wenn nur alles so einfach wäre: Kaum zehn Sekunden brauche ich, schon erstrahlt der Desktop meines iPad in 46 Zoll Größe auf dem Fernseher in meinem Wohnzimmer. Ich wusste zwar, dass man Filme von Apples Streichel-Rechner auf den TV-Bildschirm übertragen kann, dass man auf dieselbe Weise Fotos anschauen und Musik anhören kann. Jetzt lerne ich, dass man so auch den ganzen Bildschirm des iPad auf das TV-Display bringen kann - und dass es etliche Spiele gibt, die davon reichlich Gebrauch machen.

Kostenlos bekommt man das allerdings nicht. Um Videobilder und Fotos von i-Geräten auf Fernseher zu übertragen, bietet Apple als günstigste Lösung einen Digital AV Adapter an. Für satte 39 Euro erweitert der alle iPads, die aktuellen iPhones und den iPod touch um einen HDMI-Anschluss. Via Kabel geht es von da aus in den Fernseher, der dann den Bildschirminhalt des jeweiligen Geräts entsprechend vergrößert wiedergibt.

Eleganter - und teurer - ist es allerdings, die Verbindung über ein Apple TV herzustellen. Apples Settop-Box kostet 109 Euro und soll in erster Linie dazu dienen, Filme bei Apple auszuleihen oder zu kaufen, Musik und Fotos von der PC-Festplatte oder aus der Datenwolke wiederzugeben, oder etwa YouTube-Filmchen am Fernseher anzuzeigen. Aber das kleine schwarze Kästchen kann mehr.

TV und iPad vernetzt in zehn Sekunden

Denn es kann auch als Vermittler zwischen i-Gerät und TV dienen, ganz ohne Kabel. Airplay nennt Apple diese Technik, die bisher noch in keinem TV-Gerät ab Werk zu bekommen ist, und die noch mehr kann als die Kabelverbindung von Apples Adapter.

Eine solche Verbindung herzustellen ist dabei nicht viel schwieriger, als ein Kabel einzustecken. Sind Apple TV und iPad in dasselbe W-Lan eingebucht, erkennen sie einander automatisch. Am iPad ruft man das Airplay-Menü auf, indem man zweimal auf die Home-Taste drückt, einmal nach rechts streicht und dann auf den Airplay-Button, rechts neben der Vorspultaste, tippt. Sofort werden alle verfügbaren Airplay-Geräte angezeigt, aus denen man sich das gewünschte Apple-TV auswählt. Aktiviert man dabei noch die Schaltfläche Synchronisierung, wird der Inhalt des iPad-Bildschirms 1 zu 1 auf den Fernseher übertragen.

Das iPad als Zweitbildschirm

In diesem Modus kann man beispielsweise im Web surfen oder E-Mails lesen, nur eben am großen Bildschirm und mit dicken Trauerrändern an den Seiten, weil das Bildformat des iPad nicht dem 16:9-Format moderner Fernseher entspricht. Schaut man sich aber Fotos oder Videos an, übernimmt das Apple TV den gesamten Bildschirm und blendet die Bedienelemente aus.

Dasselbe funktioniert auch mit Spielen, und man kann so ziemlich jedes iPad-Spiel auch auf dem großen Bildschirm spielen. Immer mehr Entwickler bauen allerdings Zusatzfunktionen für Airplay in ihre Games ein. Bei "Real Racing 2 HD" beispielsweise dient das iPad im Airplay-Modus nicht nur als Gamecontroller, sondern nutzt auch noch den sogenannten Dual-Screen-Modus, in dem das Tablet als Zusatzbildschirm fungiert, auf dem ergänzende Informationen angezeigt werden. Bei "Real Racing 2 HD" sind das zum Beispiel ein Streckenplan, Rundenzeiten, Platzierungen und mehr.

Mehr Platz für mehr Spieler

Außerdem nutzen einige Entwickler den zusätzlichen Platz auf dem TV-Bildschirm, um Multiplayer-Spiele zu ermöglichen. Der Bildschirm wird dann einfach in mehrere Segmente eingeteilt, auf denen die jeweiligen Spieler das Geschehen aus ihrer Sicht sehen können. Bei "Real Racing 2 HD" können auf diese Weise bis zu vier Spieler um die Wette fahren, bei "Asphalt 6: Adrenaline HD" sogar bis zu sechs. Die brauchen allerdings auch alle jeweils ein i-Gerät, auf dem das jeweilige Spiel installiert ist, als Gamecontroller.

Aber so kompliziert muss es nicht einmal sein, um Spaß zu machen. Der Flugsimulator "Air Supremacy" beispielsweise profitiert einfach davon, dass die Landschaften, die man virtuell überfliegt, im Großformat viel intensiver wirken. Die Flipper aus "Pinball HD" wiederum sehen auf dem großen Bildschirm einfach viel opulenter und detailreicher aus.

Manchmal hakelt es

Und sie lassen sich, zumindest subjektiv, mit dem TV als Bildschirm noch besser spielen als auf dem iPad selbst. Doch das gilt nicht für alle. Gerade wenn es auf schnelle Reaktionen ankommt, wird es manchmal knifflig. Die Übertragung der Steuerungsdaten per W-Lan dauert eben doch einige Millisekunden. Das macht sich manchmal bemerkbar. Will man bei einem Rennspiel vor einer Kurve einbremsen, verpasst man schon Mal den idealen Bremspunkt.

Zudem scheint die Auslastung des Prozessors eine Rolle dabei zu spielen, wie schnell und flüssig ein Spiel tatsächlich via Airplay läuft. Bei "Real Racing 2 HD" jedenfalls traten im Test immer wieder kurze Ruckler auf. Bei dem grafisch weniger aufwendigen "NFS Shift 2: Unleashed" passierte das nicht. Grundsätzlich aber gilt, dass viele Spiele via Airplay am TV zwar mehr hermachen, aber schwieriger zu steuern sind als direkt am iPad. Das hat aber nicht notwendigerweise technische Gründe, sondern liegt offenbar oft daran, dass man beim Spiel per TV weniger feinfühlig mit den Steuersensoren des iPad umgeht.

Billig ist das nicht

Aber davon sollte man sich nicht bremsen lassen: Via Airplay mit dem Fernseher verkuppelt, macht ein iPad eine Spielkonsole locker obsolet. Grafik und Sound sind dafür durchaus gut genug, die Auswahl an Spielen ist gewaltig, deren Preise meist viel niedriger als bei der Konsolen-Konkurrenz.

Billig ist der große iPad-Spielspaß deshalb aber noch lange nicht. Das günstigste iPad bietet Apple derzeit für 399 Euro an, zu denen man noch 109 Euro für ein Apple TV addieren muss. Für dasselbe Geld bekommt man auch eine Playstation 3 mit Festplatte und einem Stapel Spiele. Aber solche Vergleiche hinken. Die PS 3 kann man unterwegs nicht mitnehmen, und sie taugt kaum zum Websurfen oder für E-Mails. Dem iPad hingegen fehlen das Blu-ray-Laufwerk und die Grafikchips der Sony-Konsole.

Ein iPad als Spielkonsole zu kaufen wäre also Blödsinn. Nur umgekehrt wird ein Schuh daraus: Wer schon ein iPad hat, braucht keine Spielkonsole mehr, sondern nur ein Apple TV, mit dem der Flachrechner zum Konsolen-Substitut wird.

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